Fotodruck: Fotos zum Anfassen - Vom Salz zur Tinte

Leopold Ahrendts: Gendarmenmarkt mit Deutschem Dom 1856-58, Sammlung Siegert © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Siegert
Leopold Ahrendts: Gendarmenmarkt mit Deutschem Dom 1856-58, Sammlung Siegert
© Münchner Stadtmuseum, Sammlung Siegert
In den Anfängen der Fotografie waren die Daguerreotypien, Bilder auf polierten Metallplatten, meist aus Silber, später preiswerter auch auf versilbertem Kupfer, das Medium, auf dem fotografische Aufnahmen gezeigt wurden. Heute gibt es unendlich viele Möglichkeiten, Fotografien auf allen nur denkbaren Materialien zu präsentieren. Neben Papierbildern zum Anfassen, die nach unterschiedlichsten Verfahren hergestellt werden können, gibt es elektronische Darstellungsmöglichkeiten auf den Displays von PCs, Fernsehern, Tablets oder Smartphones sowie die Projektion von Bilddaten. In Zukunft werden Bilder sich sogar auf in LED-Tapeten integrierten Displays vorführen lassen, die gleichzeitig als Beleuchtung oder Bildschirm genutzt werden können. Trotz alledem haben auf Papier ausgearbeitete Fotografien auch im digitalen Zeitalter noch immer ihren festen Platz, ganz gleich, ob es sich dabei um das „schnelle“ Bild oder einen FineArt-Print handelt. Für beides standen und stehen auch heute noch die verschiedensten Druck- und Verarbeitungsmethoden zur Verfügung.

Gregor Törzs, Jelly Fish, Berlin, 2013, Platinum Print on Konzo Paper, 50x60 cm © Gregor Törzs /Courtesy of Bernheimer Fine Art Photography
Gregor Törzs, Jelly Fish, Berlin, 2013, Platinum Print on Konzo Paper, 50×60 cm
© Gregor Törzs /Courtesy of Bernheimer Fine Art Photography
Schon vor dem Durchbruch der Digitalfotografie fanden eingescannte Dias und Negative den Weg zum Fotodrucker. Mit zunehmender Digitalisierung im Büro wurde auch der Dokumentendruck immer perfekter. Laser- und Tintenstrahldrucker eroberten die Bürowelt. Ihre Auflösung wurde immer besser und schließlich hielt auch der Farbdruck Einzug ins Büro. Drei Verfahren konkurrierten miteinander: Der Laserdruck als ideales Verfahren vornehmlich zur preiswerten, aber hochwertigen Ausgabe von schwarzweißen Dokumenten auf Papier, der Tintenstrahldruck wegen der hohen Tintenpreise damals vornehmlich für kleinere Druckvolumina sowie der Thermosublimationsdruck für die Bildausgabe in gewohnter Fotoqualität.

Gleichzeitig entwickelte sich die Digitalfotografie weiter und schürte den Wunsch nach der Ausgabe digitaler Bilder auf Papier. Bereits vor dem Durchbruch digitaler Kameras wurde der Wunsch nach Nutzungsmöglichkeiten digitaler und digitalisierter analoger Bilder im Büroworkflow immer stärker. So wurden beispielsweise in den 1990-er Jahren auf der von Kodak eingeführten Photo CD, digitalisierte Dias und Negative in verschiedenen Auflösungen gespeichert, um sie in digitale Arbeitsabläufe einbinden und auch in unterschiedlichen Formaten auf speziellen Fotodruckern ausgeben zu können. Im April 1997 stellte Epson mit dem Stylus Photo den ersten Tintenstrahlfotodrucker der Welt vor. Dank seinem Sechsfarb-Druck bot er eine bis dahin unerreicht hohe Fotoqualität.

Open Air Ausstellung „On Solid Ground“ FotoDoks 2013
Open Air Ausstellung „On Solid Ground“ FotoDoks 2013
Die Tintenstrahltechnik hat sich sowohl im kommerziellen Druckbereich als auch im Home-Office durchsetzen können und so weit fortentwickelt, dass sich der Digitaldruck mit variablen Daten als Alternative zum Offsetdruck positionieren konnte. Tintenstrahldrucker für das Home-Office liefern heute auch beim Fotodruck professionelle Bildqualität, wie sie früher nur mit chemischen Entwicklungsverfahren zu erreichen war. Möglich wurde dies durch immer höhere Druckerauflösungen mit immer kleineren Tintentröpfchen sowie ständig verbesserten Tinten und einer immer größer werdenden Zahl an eingesetzten Spezialtinten. Heute ist nahezu jeder Tintenstrahldrucker in der Lage, Bilder in Fotoqualität auf das Papier zu bringen. Für beste Qualität sind allerdings spezielle Tinten und Papiere erforderlich.

Werden beim Tintenstrahldruck die Bilder Tröpfchen für Tröpfchen mit farbigen Tinten auf das Papier gesprüht, sind es beim Laserdruckverfahren farbige und schwarze Tonerpartikel, die das Bild ergeben. Laserdruckverfahren werden heute vorwiegend in Büroumgebungen zur Ausgabe von Dokumenten mit Bild und Text verwendet.

Fotograf und Mitveranstalter des Munologia Festivals zeigt eine seiner Bilderschauen.
Fotograf und Mitveranstalter des Munologia Festivals zeigt eine seiner Bilderschauen.
Ausschließlich für den Fotodruck wird das Farbsublimationsverfahren verwendet. Es wird heute in speziellen Fotodruckern eingesetzt, wie sie auch in Foto-Automaten oder Selbstbedienungskiosken benutzt werden. Bei diesem Verfahren werden anstelle von Tinten oder Tonern Farbträgerfolien durch den Druckkopf erhitzt, sodass die Farbe sich verflüssigt und von dem zu bedruckenden Spezialpapier aufgenommen wird.

Neben den Büro- und Home-Office-Druckern, die heute nahezu alle auch digitale Fotos in hoher Qualität ausgeben können, gibt es eine Reihe spezieller Fotodrucker. Die meisten von ihnen lassen sich auch unabhängig von einem PC betreiben und verfügen über Slots für Speicherkarten und Displays für die Anzeige der Bilder. Über Bluetooth- oder WiFi-Schnittstellen können digitale Kameras auch kabellos Bilddaten von Mobilgeräten wie Smartphones, Tablets oder Kameras auf diese Drucker übertragen und von ihnen ausgedruckt werden.

Isarfoto Bothe Sommerakademie 2014: Hermann Will, Fine Art Printer, druckt Workshopbilder.
Isarfoto Bothe Sommerakademie 2014: Hermann Will, Fine Art Printer, druckt Workshopbilder.
Dass sich „Otto Normalfotograf“, der einfach einmal schnell ein Bildchen vom Sonntagsausflug oder dem Kindergeburtstag ausdrucken möchte, heute kaum mehr einen speziellen Fotodrucker dafür zulegt, liegt zum einen an der großen Verbreitung der sogenannten Fotokioske – allein in Deutschland um die 20.000 – und auch daran, dass sich Fotoabzüge heute praktisch auf jedem üblichen Multifunktionsgerät problemlos ausgeben lassen, ohne dass der Nutzer sich große Gedanken um Einstellungen machen muss. Diese Geräte bieten zudem den Mehrnutzen mit ihrer Scanfunktion.

Anders sieht es bei den Druckern für engagierte Hobbyfotografen und professionelle Fotografen aus. Ihre Ansprüche an Qualität und auch an mögliche Formate übersteigen die Fähigkeiten der Multifunktionsgeräte für den Allround-Einsatz, die meist nicht in der Lage sind, auch stärkere Papiersorten, wie sie beispielsweise ein hochwertiger FineArt-Print verlangt, zu verarbeiten.

Walter Scheels Famous Musician
Walter Scheels Famous Musician
Hochwertige Drucker bieten 8- bis 12-Farb-Tintensysteme, die eine lebendige und präzise Farbwiedergabe garantieren. Bei hohen Ansprüchen an die Bildqualität fällt die Entscheidung meist für einen Fotodrucker, der Papierformate bis mindestens bis DIN A3+ verarbeiten kann. Einige von ihnen können, neben unterschiedlichen Papierqualitäten, auch CDs und DVDs bedrucken. Ein sparsamerer Tintenverbrauch ergibt sich durch die Möglichkeit, Einzelpatronen zu verwenden, so dass jeweils nur die Patrone mit der verbrauchten Farbe ausgetauscht werden muss. WiFi-Konnektivität erlaubt es, die oft voluminösen Geräte an jedem gewünschten Ort aufzustellen, ohne an den Schreibtisch gebunden zu sein. Die direkte Verbindung zur Kamera ist zumeist auch durch eine USB-Schnittstelle gegeben.

Ein Problem von Tintenstrahldrucken war in den Anfangszeiten dieser Technik die Haltbarkeit der Drucke. Heute sorgt der Einsatz von hochwertigen Pigmenttinten für eine Haltbarkeit, die jene der Fotos aus chemischer Herstellung gleichkommt. Ebenso hat auch das verwendete Papier einen Einfluss auf die Haltbarkeit der Bilder.

FS Max Joseph Platz 0012
FS Max Joseph Platz 0012
Um bei den Druckergebnissen auch die gewünschten Farben zu erhalten, gibt es für Fotodrucker sogenannte ICC-Profile, die Informationen darüber liefern, wie die Farben dargestellt werden. Diese Profile werden im Betriebssystem gespeichert, das es den Bildbearbeitungsprogrammen ermöglicht, darauf zu zugreifen. Farblich optimale Bildergebnisse werden erzielt, wenn alle Komponenten vom verwendeten Papier bis zu den Tinten auf einander abgestimmt sind. Gerade im künstlerischen Bereich möchten viele Fotografen ihre Bilder selbst ausarbeiten. Die Qualität hat bei ihnen höchste Priorität und bei der Anschaffung eines Druckers steht daher weniger der Preis an erster Stelle, als vielmehr die Qualität der zu erwartenden Bildergebnisse. So gibt es inzwischen auch Drucksysteme, die speziell auf die Bedürfnisse von Event-Fotografen, die Partys, Hochzeiten, Jubiläen oder Feiern dokumentieren, abgestimmt sind. Über eine besondere Software können die Bilder von Gästen und/oder einem Fotografen, der für das Ereignis engagiert wurde, verwaltet werden. Fast jeder Teilnehmer oder Gast hat heute bei Events seine eigene Kamera oder auch sein Smartphone dabei, mit dem er das Geschehen mit eigenen Fotos festhält. Über eine eigene App werden diese von der Kamera oder dem Smartphone auf ein Drucksystem vor Ort gesendet und können dort sofort ausgegeben werden. Die Bilddaten werden zentral gespeichert und stehen so sowohl den Gästen als auch den Gastgebern als bleibende Erinnerungen an das Ereignis zur Verfügung. Die dafür nötigen Fotodrucker eignen sich durch Kompaktheit und geringes Gewicht besonders für den mobilen Einsatz.

Was Phantasie bewirken kann und welche kreativen Ideen mit einem Fotodrucker verwirklicht werden können, zeigt ein Einfall, der ohne 3D-Drucker dreidimensionale Produkte schafft. So wird nach einem vorher entworfenen Modell starkes Papier bedruckt, das anschließend – wie es so mancher aus Kindheitstagen mit Faltbögen kennt – nach Anleitung zu einem dreidimensionalen Produkt gefaltet wird, sei es eine Maske, ein Hut oder eine Tasche.

MacBook 15“ mit Retina Display
MacBook 15“ mit Retina Display
Statt zweidimensionaler Bilder lassen sich heute mit Druckern auch Strukturen und Oberflächen simulieren, sodass beispielsweise das Bild einer Orange nicht nur die Farbe wiedergibt, sondern auch die Struktur der Orangenschale. Genauso gut kann die Struktur eines bestimmten Textilgewebes durch dieses Druckverfahren nachgeahmt werden. Noch weiter geht der echte 3D-Druck, mit dem die Grenzen der Zweidimensionalität heutiger Fotos überwunden und lebensechte Fotofiguren geschaffen werden.

Noch immer haben geprintete Bilder eine ganz besondere Faszination und für ihre Besitzer einen hohen emotionalen Wert. Die Druckerindustrie hat sich mit ihren Produkten kontinuierlich auch den Wünschen der Fotografen angepasst und ihnen immer leistungsfähigere Printer zur Verfügung gestellt, mit denen heute Ausdrucke gelingen, die in ihrer fotografischen Qualität und auch im Hinblick auf ihre Haltbarkeit selbst den kritischen Ansprüchen von Kunstsammlern, Galerien und Museen genügen. Mit der ständig steigenden Qualität digitaler Fotografien und des in ihnen zum Ausdruck kommenden künstlerischen Gestaltungswillens ihrer Autoren wachsen auch die Ansprüche an die Drucker. Welche Innovationen demnächst in diesem Bereich auf die Branche zukommen werden, wird die vom 16. bis 21. September 2014 in Köln stattfindende photokina zeigen.

Geschichte der Fotografie 09 / 2014

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