Sportfotografen - Immer am Ball

Porsche Daytona, Nacht 2014 Bildgalerie betrachten

Porsche Daytona, Nacht 2014

Kaum ein Bereich der Profifotografie hat sich in der 175-jährigen Geschichte der Fotografie durch den Fortschritt der Technik so verändert wie die Sportfotografie. Vor allem der Umbruch von der Analog- zur Digitalfotografie und die Möglichkeit der schnellen Datenübertragung haben zu Veränderungen beigetragen, die es ermöglichen, dass heute das aktuelle Sportbild Redaktionen blitzartig nach oder sogar noch während des Geschehens erreicht.

Nicht um die Öffentlichkeit mit Bildern von Wettkämpfen und Sportlern zu konfrontieren, sondern vorrangig, um Bewegungsabläufe festzuhalten und zu studieren, wurden in den Anfängen der Fotografie Sportfotos aufgenommen. Einer ihrer Pioniere der Franzose Étienne-Jules Marey, der einer staatlichen Kommission zur Reform der Leibesübungen an Schulen vorstand und 1894 Präsident der Société Française de Photographie wurde, nutzte die Olympischen Sommerspiele 1900 in Paris, um, anhand einer Reihe von ihm entwickelter Apparate, Bewegungsstudien von den besten Sportlern der Welt festzuhalten. Auch Mareys Landsmann Albert Londe baute sich für die Chronofotografie, wie die fotografische Dokumentation von Bewegungen oder Prozessen genannt wurde, Ende des 19. Jahrhunderts eigene Aufnahmesysteme, wie beispielsweise eine Kamera mit 12 Objektiven. Er nutzte die Vorrichtung aber im medizinischen Bereich, um zum Beispiel muskuläre Bewegungen darzustellen. Mit Bewegungsstudien befasste sich auch Ottomar Anschütz. Mit seinen 24 elektrisch miteinander verbundenen Kameras hielt er Bewegungsabläufe fest, die er zu Bildserien kombinierte. Er nahm für das Preußische Kriegsministerium Reiter und Pferde des Militärischen Reitinstituts in Hannover auf, um mit diesen Bildern Instruktionsmethoden für die Kavallerieschule zu erarbeiten.

Sicher eine der berühmtesten Bildfolgen aus dieser Zeit gelang Eadweard Muybridge 1879. Mit einer neuartigen Anordnung von zwölf Fotoapparaten mit Fallbrettverschluss gelang ihm die Rekonstruktion der Bewegung von Pferden. Er bewies damit, dass Pferde während des Galopps zu einem bestimmten Zeitpunkt alle vier Beine in der Luft haben.

Wirkliche Bedeutung als eigene Kategorie erlangte die Sportfotografie erst in den 30-er Jahren. Damals gab es schon einen Reihe von Sportzeitschriften, die im Laufe der Jahre die bis dahin bevorzugten Grafiken durch Fotos ersetzten. Aber auch damals waren dynamische Bilder, beschränkt durch die technischen Grenzen, eher selten. Meist wurden die Sportler posierend in gestellten Aktionen abgebildet. Verbreitet waren auch sportliche Aktaufnahmen. Stark geprägt wurde zur Hitlerzeit die fotografische Darstellung der Sportler als Heroen der Neuzeit durch die Filme von Leni Riefenstahl.

Siegerehrungen und -feiern gehörten und gehören nach wie vor zu den Lieblingsmotiven, aber auch Niederlagen werden gezeigt. Dass auch Sportaufnahmen nicht immer die ganze Wahrheit erzählen, das bewies 1966 die Aufnahme des scheinbar vollkommen niedergeschlagenen Uwe Seeler, der nach der Niederlage in Wembley das Stadionrund verließ. Entstanden war dieses Foto aber nicht nach der legendären Niederlage im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft gegen England, sondern in der Pause, wo es noch unentschieden stand. Fotografiert hatte das berühmte Bild Sven Simon, einer der bekanntesten Sportfotografen, der eigentlich Axel Springer Junior hieß und Sohn des Verlegers Axel Springer war.

Die letzten Jahrzehnte brachten für Sportfotografen dramatische Verbesserungen in der Aufnahmetechnik. Schnellere Kameras, bessere Objektive und blitzschnelle Autofokussteuerungen ermöglichen Aufnahmen, wie sie davor kaum oder nur sehr schwer zu erreichen waren.

Heute arbeitet der allergrößte Teil der Sportfotografen digital. Die schnelle Verfügbarkeit der Fotos steht mit an erster Stelle. Nicht nur technisches Know-how ist in der Sportfotografie ein Muss, sondern auch die Kenntnisse um die jeweilige Sportart. Wer mit der Sportart nicht genauestens vertraut ist, der wird es schwer haben, die interessantesten Momente vorauszuahnen und den optimalen Aufnahmestandort zu wählen.

Die Bilder von Sportereignissen müssen oft in Minutenschnelle vom Computer, der in der aktuellen Berichterstattung zur Standardausstattung des Fotografen gehört, zur Redaktion oder Bildagentur gelangen. Eine Tatsache, die das Leben von Sportfotografen, die auf die aktuelle Berichterstattung, wie bei den großen Sportereignissen wie der Fußball WM, Länderspielen oder Bundesliga, spezialisiert sind, nicht leicht macht. Schon während eines Sportereignisses wie einem Fußballspiel, suchen Fotografen die Bilder aus, die sie für wichtig halten und schicken sie an ihre Redaktion oder an die Bildagentur. Zeitgleich muss während des Sportereignisses fotografiert, das Bild ausgewählt und verschlagwortet werden – Multitasking-Fähigkeiten sind dabei unerlässlich. Ebenso wie den Sportfotografen Wind und Wetter – bei Wettkämpfen im Freien – nicht stören dürfen.

Welche Bedeutung Sportfotos mit ihrer Beweiskraft obendrein haben können, das bewies 2013 bei der Weltmeisterschaft in Moskau das Bild eines Fotografen, der damit David Storl zu Gold im Kugelstoßen verhalf. Hatte das Kampfgericht seinen vierten und besten Stoß als ungültig gewertet, bewies das Foto, dass er nicht übertreten hatte.

Trotz der filmischen Sportinformation im Fernsehen und im Internet, ist das Sportfoto aus der Berichterstattung heute nicht weg zu denken und es wird sicher auch in absehbarer Zeit Sportfotografen Arbeit geben. Ein Bereich, der kaum aus der Amateurliga Konkurrenz bekommt, da allein der Zugang zu wichtigen Sportereignissen nur den Profis vorbehalten ist, die mit dem besten Equipment gerüstet sind, um uns die emotionalsten und interessantesten Bilder aus der Welt des Sports zu liefern.

Geschichte der Fotografie 05 / 2014

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