ACDSee Pro ausprobiert - Ist das die beste Foto-App fürs iPhone?

ACDSee sollte jedem, der in irgendeiner Art und Weise mit digitalen Bildern zu tun hat, schon seit langem ein Begriff sein. Unter Windows ist die Standard-Version von ACDSee seit vielen Jahren ein sehr beliebtes Bildmanagement-Tool. Die Pro-Variante erweitert den Funktionsumfang mit einer Vielzahl an Bildbearbeitungswerkzeugen und einem RAW-Konverter. Weit weniger bekannt sind allerdings die Smartphone-Apps von ACDSee. Und das zu Unrecht, denn sie haben eine Menge zu bieten. Für ACDSee Pro auf Apples iPhone und iPad werden normalerweise 4,99 Euro fällig. Momentan ist die Anwendung im App Store als Gratis-Download zu haben. Das ist ein guter Grund für uns, die App einmal genauer anzuschauen.

Kamera-App für Kontrollfreaks

ACDSee Pro vereint drei Funktionen in einer App. Die Anwendung ist zugleich Kamera-App, Bildbetrachter und Bearbeitungstool.

Kameramodul - ACDSee Pro (ios)
Das Kameramodul der App bietet eine Vielzahl an Einstellungen, aber keine manuelle Verschlussgeschwindigkeit. © 2016 Lars Rehm

Das Kameramodul ist hierbei ein direkter Gegenentwurf zu Apples Kamera-App, die konsequent auf einfache und schnelle Bedienung ausgelegt ist. Die Kamera in ACDSee Pro ist hingegen ideal für Mobilfotografen, die mehr Kontrolle über den Aufnahmeprozess bevorzugen. Viele Parameter, wie zum Beispiel das Bildformat, Blitzeinstellungen, Weißabgleich und manueller Fokus lassen sich direkt vom Hauptbildschirm aus einstellen.

Zusätzlich gibt es eine Vielzahl nützlicher Filter, wie zum Beispiel Kontrast, Vignette und Schärfe. Diese lassen sich auch kombinieren und werden direkt auf die Bildvorschau angewandt. Zur Unterstützung des Fotografen lassen sich außerdem eine digitale Wasserwaage und ein Verwacklungs-Warner aktivieren. Natürlich kann ACDSee Pro unter iOS 10 mit den Modellen iPhone 6 (Plus), SE und 7 (Plus) auch Dateien in DNG-RAW abspeichern.

Durch die Vielzahl an Funktionen und Einstellungen kann die Benutzeroberfläche auf den ersten Blick etwas überladen wirken. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ist die Bedienung dank intuitiver Nutzerführung aber ein Leichtes. Selbst kompliziertere Schritte gehen einfach von der Hand.

Was das Kameramodul nicht beherrscht

Trotz der tollen Einstellmöglichkeiten hat das Kameramodul von ACDSee Pro im Vergleich mit anderen Kamera-Apps aber auch einige deutliche Schwachpunkte. So kann die Verschlusszeit oder ISO nicht manuell ausgewählt werden. Es gibt keinen Panorama- oder Zeitlupenmodus. Außerdem ist der Videomodus generell sehr einfach gehalten und unterstützt nicht die 4K-Auflösung, die auf neueren iPhone-Modellen verfügbar ist. Die Nutzer eines iPhone 7 Plus mit Dual-Kamera müssen außerdem auf ihr „Teleobjektiv“ verzichten, da es in der App keine Möglichkeit gibt, vom Weitwinkel darauf umzuschalten.

Insgesamt bietet das Kameramodul von ACDSee Pro eine tolle Benutzeroberfläche. Aber ein Update zur Unterstützung von Apples neuesten Hardware-Errungenschaften wäre an der Zeit.

Umfassende Bildinformation im Betrachtermodul

Das Bildbetrachtungsmodul bietet ähnliche Funktionen wie die iPhone-eigene Bilder-App Apple Fotos, stellt aber mehr Informationen zu den Bildern bereit.

Aufnahme-Daten - ACDSee Pro (ios)
Die wichtigsten Aufnahme-Daten sind immer im Blick. © 2016 Lars Rehm

In der Einzelbildbetrachtung werden die wichtigsten Exif-Daten direkt über dem Bild angezeigt, ein Klick auf die Info-Taste öffnet eine sehr schöne Zusammenfassung mit Histogramm und Kartenansicht des Aufnahmeortes. Im Thumbnail lassen sich sogar Spitzlichter und Tiefen anzeigen. Wem das noch nicht genug ist, der kann sich durch ein Antippen der Metadaten-Schaltfläche den kompletten Exif-Datensatz des Bildes aufrufen. Wie üblich, lassen sich Bilder in Alben oder nach Aufnahmedatum sortieren sowie auf der Karte anzeigen.

Exif-Daten - ACDSee Pro (ios)
Die Zusammenfassung der Exif-Daten ist sehr übersichtlich gestaltet. © 2016 Lars Rehm

Bildbearbeitung ohne Ende

Das Bildbearbeitungsmodul sucht bezüglich der reinen Anzahl an Tools unter den Mobil-Apps seinesgleichen. Auch die Qualität der Effekte und Werkzeuge liegt weit über dem Durchschnitt. Die meisten Filter und Einstellungen lassen sich bezüglich ihrer Intensität justieren und auch nur auf bestimmte Teile eines Bildes anwenden. Die Möglichkeiten sind schier unendlich und sollten selbst die anspruchvollsten Smartphone-Bildbearbeiter zufriedenstellen. Wer noch mehr will, kommt um einen Umstieg auf den Desktop kaum herum.

Bildbearbeitungsoptionen - ACDSee Pro (ios)
Die Bildbearbeitungsoptionen in ACDSee Pro sind schier unendlich © 2016 Lars Rehm

Zur Verfügung stehen eine ganze Reihe an Werkzeugen zum Anpassen der Farb-, Ton- und Detaileigenschaften eines Bildes, zum Beispiel Lichter und Schatten, Schärfe, Rauschunterdrückung, Sättigung und sogar Farb- und Ton-Equalizer, die ein absolutes Fine-Tuning der Bildparameter ermöglichen. Zusätzlich gibt es eine lange Liste an Effekten, wie Filmsimulationen, Lichtlecks oder Nostalgie-Filter. Man kann die Bildgeometrie verändern, eine künstliche geringe Schärfentiefe erzeugen und Vignettierung oder Rahmen hinzufügen.

Kurzum: Wer seine Bilder gerne auf dem Smartphone bearbeitet, wird sich mit ACDSee Pro tagelang austoben können, ohne ein Werkzeug zweimal zu benutzen. Alle Werkzeuge lassen sich übrigens auch mit RAW-Dateien benutzen.

Fazit

ACDSee Pro kombiniert einen sehr nützlichen Bildbetrachter mit einem Bearbeitungstool, das einen auf Mobilgeräten fast unerreichten Funktionsumfang bietet. Das Kameramodul der App erlaubt, eine Vielzahl von Parametern und Funktionen manuell einzustellen. Es hat aber auch einige Schwachstellen, die hauptsächlich auf mangelnde Unterstützung der aktuellen iPhone-Hardware zurückzuführen sind. Trotzdem ist ACDSee Pro eine der momentan besten Foto-Apps fürs iPhone und auf jeden Fall eine Installation wert – selbst dann, wenn die App einmal wieder kostenpflichtig sein sollte.

Foto-App Besprechung iPhone / iPad 03 / 2017

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