Foto-App 1-Hour Photo - Ein bisschen wie in den 1990-ern

Eine Stunde Warten ist angesagt
In der Zeit vor der Digitalisierung der Fotografie war eine Stunde schon ziemlich schnell. Wer seinen Film im Stundenlabor abgab, bekam manchmal in einer halben Stunde, manchmal in einer Stunde und für etwas weniger Geld in zwei Stunden seine fertigen Papierbilder zurück. Die App 1-Hour Photo versetzt den Fotografen zurück in die Zeit der analogen Fotografie.

Schnell ist eine Bezeichnung, die nur mit einer Vergleichsgröße wirklich Sinn macht. Schnell ist relativ und besser wäre es, die Bezeichnung „schneller“ zu verwenden – schneller als oder eben langsamer als. So war das Schnelllabor mit seinem Service innerhalb einer Stunde schneller als der normale Weg, als Filme noch ins Großlabor geschickt und dort entwickelt wurden. Allerdings gab es auch damals schon Einschränkungen, denn die Schnellentwicklung wurde in der Regel nur für Farbnegativfilme angeboten und dabei nur für Kleinbild-Filme. Wer Dias oder Mittelformatfilme entwickeln lassen wollte, musste sich mehr Zeit nehmen.

Diese Zeiten gehören längst der Vergangenheit an, seit die digitale Fotografie ihren Siegeszug angetreten hat, sind Fotografien quasi sofort verfügbar. Sicher, wer eine herkömmliche Kamera benutzt, muss den Speicherchip immer noch am Computer einlesen, aber die Vorschau gibt es sofort und spätestens seit Smartphones auf dem Markt sind, gehört selbst diese minimale Verzögerung der Vergangenheit an. Wer da auf den Auslöser drückt, bekommt sofort sein Foto. Eine Technik, die geradezu dazu einlädt, auch mal ohne Sinn und Verstand auf den Auslöser zu drücken. Noch nie wurde so viel fotografiert wie heute und noch nie kamen so viele schlechte Bilder in Umlauf wie heute.

Bis in einer Stunde dann
Da wäre es doch einmal Zeit für eine Bremse. Und genau die bietet die Foto-App 1-Hour Photo. Wie der Name schon sagt, gibt es da Bilder in einer Stunde – und nicht früher. Die Foto-App für iPhone und iPad bremst den Smartphonefotografen zwangsweise aus. Wer auf den Auslöser drückt, sieht eine 60. Das bedeutet 60 Minnten warten. Die können manchmal ganz heilsam sein, das Bild ist im Kopf, aber nicht greifbar. Vielleicht ist diese Verzögerung gut, um auch einmal wieder Bilder im Kopf entstehen zu lassen, um auch wieder einen Gedanken zu verschwenden, wie es denn in Wirklichkeit ausgesehen hat. Eine Fähigkeit, die mit der sofortigen Verfügbarkeit von Fotografien fast schon verloren gegangen ist.

Zwischenstand
1-Hour Photo ist denkbar einfach zu bedienen. Es gibt nur einen Auslöser und keine weiteren Einstellmöglichkeiten. Wie mit einer der früheren Kompaktkameras kann man „Point and Shoot“ spielen, also zielen und abdrücken. Kein Effekt, der missratene Fotos noch retten könnte, keine Möglichkeit, mit fotografischen Tricks zu arbeiten, es gibt nur das Motiv, hell und dunkel, vielleicht ein wenig scharf und unscharf.

Push-Benachrichtigung Bilder sind fertig
Heraus kommen am Ende ganz ansehnliche Schwarzweißfotos. Da stimmt aber doch etwas nicht? Richtig, im Stundenlabor wurden nur Farbfilme verarbeitet, wer Bilder in Schwarzweiß wollte, musste zu einem monochromen Farbfilm greifen (Ilford XP2 oder Kodak 400BW), die es auch heute noch gibt. Nur mit den Prints war es damals Glückssache, durch die Filter der Farbbild-Verarbeitung kamen Fotos dieser Filme meist mit Farbstich aus dem Fotolabor.

1-Hour Photo für iPhone und iPad (gratis), ab iOS 6.0
Downloadgröße 1,2 MB, Entwickler: Nevercenter, Aktuelle Version 1.0
https://itunes.apple.com/de/app/1-hour-photo/id871725403?mt=8

Foto-App Besprechung iPhone / iPad 08 / 2014

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