iPhone-App Prisma: Nett mit Nebenwirkungen

Sieht schön aus ist aber ein Datenschutztechnischer Offenbarungseid - Prisma macht aus Bildern Kunstwerke
Sieht schön aus ist aber ein Datenschutztechnischer Offenbarungseid - Prisma macht aus Bildern Kunstwerke
Die App Prisma für iPhone und iPad hat in kürzester Zeit die Verkaufscharts gestürmt. Das kleine Programm ist kostenlos, aber es hat Nebenwirkungen. Denn Prisma gehört dem russischen E-Mail-Anbieter Mail.ru und der bedient sich hemmungslos an den Daten der Nutzer.

Prisma verwandelt Fotos in Sekundenschnelle in Kunstwerke. Das Foto auswählen und schon ist das Kunstwerk fertig, mal im Stile Andy Warhols, mal taucht der Stil Piet Mondrians auf. Das klappt bestens, auch wenn der Anbieter in jedem Bild am rechten unteren Rand sein Logo hinterlässt. Aber die App ist kostenlos zu haben und deshalb hat sie sich kurz nach der Veröffentlichung auch rasend schnell verbreitet. So schnell, dass manchmal die Server überlastet sind, auf denen die Fotos umgewandelt werden.

Prisma kommt ziemlich schlank daher, mit gerade einmal 15,8 Megabyte im Download. Aber das ist klar wenn man bedenkt, dass jedes Bild zur Umwandlung in eine Cloud geladen wird und von dort auch wieder zurückkommt. Vorsicht ist also geboten, wenn man das mobile Datennetz nutzt. Wer da eifrig Kunstwerke erstellen lässt, belastet damit sein Datenvolumen.

Manchmal sind die Server überlastet
Manchmal sind die Server überlastet
Das ist aber ein kleines Problem verglichen mit anderen Dingen, die Prisma noch mitbringt. Die App kostet zwar kein Geld, aber dafür Daten in großem Umfang. Denn Prisma gehört Mail.ru, dem größten russischen E-Mail-Anbieter. Und der greift ungeniert nach den Daten der Nutzer. Die Datenschutzbestimmungen sind alles andere als eindeutig und so kann Mail.ru nach eigenen Angaben Informationen sammeln, ausdrücklich genannt werden Geoinformationen, also Ortsdaten, und Logfiles, ohne dass spezifiziert würde, welche Logfiles dies sind. Es ist also anzunehmen, dass Prisma alles einsammelt, was es bekommen kann.

Konkret wird in der Datenschutzerklärung aufgeführt, dass Internet-Logfiles gesammelt werden, also ganz konkret wann und wo auf welche Seite zugegriffen wurde, was dort gemacht wurde, welche IP-Adresse der Nutzer hatte, welche Formulare er ausgefüllt hat und wie oft er wo geklickt hat.

Klar ist, dass Nutzer mit dieser App einem russischen Unternehmen fast grenzenlosen Zugang auf dem eigenen Smartphone zugestehen. Und weil das nicht genug ist, tritt der Nutzer auch gleich noch die Rechte an seinen Fotos ab. Denn die kann Prisma, respektive Mail.ru, speichern, verarbeiten und verkaufen, ohne dass der Nutzer darüber informiert werden müsste oder etwas dafür bekäme.

Wer Prisma installiert gibt praktisch sein gesamtes Online-Leben aus der Hand. Wir wissen nicht, ob die Daten irgendwann mit Liebesgrüßen versehen aus Moskau zurückkommen – raten davon ab, diese App zu installieren und zu nutzen.

Prisma für iPhone und iPad (gratis), ab iOS 8.0
Downloadgröße 15,8 MB, Entwickler: Prisma Labs, Version 2.1
https://itunes.apple.com/de/app/prisma-art-filters-photo-effects/id1122649984?mt=8

Foto-App Besprechung iPhone / iPad 07 / 2016

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