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Der Sonne entgegen - Mit Fernoptiken die partielle Sonnenfinsternis beobachten und fotografieren

© Cavallo
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Möchte man der Sonne bei der partiellen Finsternis am 20. März 2015 fotografisch näher auf die Pelle rücken als mit Fotoobjektiven oder sie visuell beobachten, dann kommen Fernoptiken ins Spiel: Spektive und astronomische Teleskope. Auch hier gilt zuallererst: Der Schutz des Augenlichts – und nebenbei der fotografischen Ausrüstung – steht an oberster Stelle. Gebündeltes Sonnenlicht schädigt das Auge bis hin zur Erblindung. Deswegen dürfen Fernoptiken an der Sonne niemals ohne professionelle Sonnenfilter verwendet werden.

Gewarnt werden muss vor allen Arten von Pseudo-Filtern, seien es rußgeschwärzte Gläser oder umfunktionierte Rettungsdecken-Folie. Diese mögen zwar die Helligkeit abschwächen, aber garantieren nicht, dass die besonders schädlichen UV-Anteile geblockt werden. Hände weg auch vor Sonnenfiltern, die zur Verwendung am Okular, also im Einblickbereich des Teleskops, gedacht sind. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass diese einer enormen Erwärmung unterliegen und schlimmstenfalls platzen können. In diesem Augenblick würde der Sonnenstrahl schlagartig ungehindert ins Auge dringen – mit schwersten Verletzungen als Folge. Es ist nicht auszuschließen, dass solche Filter noch auf dem Markt auftauchen – und sei es als Teil einer älteren Teleskop-Ausrüstung.

Im Einblickbereich von reinen Linsenteleskopen – nicht Spiegelteleskopen – wird in der gehobenen Amateurastronomie bisweilen der so genannte Herschelkeil verwendet. Er lenkt durch einen Strahlenteiler einen Großteil des Lichts einfach aus dem Strahlengang heraus und stellt, unterstützt durch ein starkes Graufilter, eine weitgehend sichere Methode dar. Allerdings sind Herschelkeile etwas unflexibel in der Anwendung und obendrein nicht günstig. Je nach gewünschter Verwendung und dadurch bedingter Baugröße sind 150 bis 500 Euro fällig.

Eine sichere Art der Filterung ist ein großflächiges Sonnenfilter vor dem gesamten optischen System. Dadurch wird die schädliche Sonnenstrahlung schon minimiert, bevor sie im Strahlengang irgendwo gebündelt werden kann. Auch das Filter selbst erhitzt sich an dieser Stelle nicht stärker als eine normal von der Sonne beschienene Fläche. Solche Sonnenfilter gibt es im Astronomie-Fachhandel und können auch über gut sortierte Fotofachhändler bezogen werden. Es handelt sich dabei um mit Metall bedampfte Gläser oder Folien. Die Gläser gibt es fertig konfektioniert in Fassung entweder direkt für spezielle Markenteleskope oder zumindest in Standardgrößen mit Befestigungen für gängige Teleskopdurchmesser.

Die Folienfilter gibt es ebenfalls fertig gefasst, aber auch als lose Folien, aus denen man sich fertige Filter passgerecht selbst herstellen kann. Dazu bietet sich zum Beispiel an, Steckfassungen aus Pappringen zu basteln, oder so genannte Tauschutzkappen damit zu verkleben, die bei vielen Teleskopen als Zubehör beiliegen. Bauanleitungen kann man im Internet finden. Unabhängig davon muss die Herstelleranleitung genau beachtet werden.

Die gängigen Kunststofffolien sollten übrigens nicht zu straff gespannt werden. Für die optischen Eigenschaften ist ein lockerer Sitz mit gewellter Oberfläche besser als wenn durch starke Zugkräfte die Folie gedehnt würde. Das Kunststoff-Trägermaterial ist sehr gleichmäßig dick gearbeitet, um planoptische Eigenschaften wie eine Glasscheibe zu erzielen, die das Licht “glatt durchrutschen” lässt, ohne es zu formen. So, wie man es eben von einem Filter erwartet. Unter Spannung ist nicht gewährleistet, dass die Folie ihre Form behält. Damit wäre die planoptische Beschaffenheit zumindest stellenweise eingeschränkt. Überspitzt gesagt, könnte die Folie dann wie ein optisch wirksames Bauteil das Licht formen. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass nicht ausgeschlossen sei, dass durch ein Dehnen des Materials stellenweise die Lichtdurchlässigkeit erhöht werden könnte. Eine leichte Wellung der Folie hat kaum Auswirkungen auf die Bildqualität. Falten, die durch ein Knicken des Materials entstehen, sollte man aber vermeiden.

Auf einen festen Sitz an der Optik muss man bei beiden Filtervarianten achten. Insbesondere die leichten Folienfilter dürfen bei Berührung, durch Wind oder beim Schwenken nicht herabfallen. Auf die kleinen Sucheroptiken an Teleskopen gehört ebenfalls zwingend ein Schutzfilter. Ältere Filterfolie – zur Sicherheit auch neuere – sollte stets auf Risse, Löcher oder abgewetzte Stellen kontrolliert werden. Filterfolie und gefasste Glasfilter gibt es in Ausführungen, die für visuelle oder fotografische Verwendung ausgelegt sind. Im Zweifel, wenn nicht klar ist, ob man später doch einmal durch ein Teleskop oder nur den Kamerasucher blicken möchte, sollte man der visuellen Variante den Vorzug geben. Nur damit ist das Augenlicht auf der sicheren Seite. Verwendet man beide Filtertypen, sollten diese auffällig gekennzeichnet sein, um Verwechslungen zu vermeiden.

Da die Sonne trotz Filterung hell ist, und das Filter sowieso einen großen Teil des Farbspektrums ausblendet, lohnt sich die Beobachtung schon mit einfachsten Fernoptiken. Die Güteklasse spielt ausnahmsweise eine untergeordnete Rolle. Die Art der Fotografie hängt vom Optiktyp ab. Die einfachste Methode ist die beim Digiscoping angewendete afokale Projektion. Klingt komplizierter als es ist: Es wird einfach das (möglichst kleine) Objektiv einer Kamera hinter dem Okular (Augenlinse) eines Teleskops oder Spektivs positioniert. Für einfache Schnappschüsse kann man Autofokus und automatische Belichtung verwenden. Vor allem wenn man mit Schraub- oder Klemmverbindungen aus dem Fotohandel die Kamera fixieren kann, lohnt es sich auch, mit der Belichtung zu experimentieren und in regelmäßigen Abständen Fotos zu schießen. Das gilt insbesondere bei der festen Verbindung von Teleskop und Kameragehäuse ohne Zwischenoptiken wie Okular und Kameraobjektiv.

Bei letzterer Methode wird ein Teleskop wie ein Teleobjektiv fest an einer Spiegelreflexkamera (DSRL) oder einer kompakten Systemkamera mit Wechseloptik angebracht. Die Art der Verbindung hängt vom Teleskoptyp ab. Eine gängige Methode sind Schraubverbindungen über das T-Adapter-System. Das Scharfstellen muss in diesem Fall am Teleskop erfolgen. Die perfekte Schärfe kontrolliert man über das Display im Livebild-Modus, am besten bei einer elektronischen Vergrößerung. Der Blick durch den optischen Sucher ist nur empfehlenswert, wenn die Filterfolie für visuelle Beobachtung geeignet ist.

Beim direkten Anschluss ans Teleskop ist es vorteilhaft, manuelle Belichtungssteuerung zu verwenden. Um Erschütterungen durch den Spiegelschlag von Spiegelreflexkameras zu vermeiden, sollte, wenn möglich, die Spiegelvorauslösung aktiviert werden. Die möglichen Motive entsprechen denen der Fotografie mit fotografischen Teleoptiken. Wegen der starken Vergrößerung ist es nicht möglich, den gesamten Finsternisverlauf bei feststehender Teleskop-Kamera-Kombination zu dokumentieren. Durch die Erddrehung werden Sonne und Mond schon nach wenigen Minuten aus dem Bildfeld wandern. Das bedeutet bei Teleskopen mit nicht motorisierter Nachführung, dass man die Sonne immer wieder ins Bild zurückholen muss. Abhilfe schafft eine motorische Nachführung an der Teleskop-Montierung, welche die Erddrehung ausgleicht. Brauchbare motorisierte Montierungen für kleinere Teleskope gibt es ab etwa 500 Euro. Bei einem perfekt eingenordeten System bleibt die Sonne exakt in Position. Damit lassen sich dann Bildserien und Zeitrafferaufnahmen mit der Sonne im Großformat anfertigen.

Wer sich mit der Sonnenfotografie – nicht nur bei einer Finsternis – näher befassen möchte, sollte sich im Astronomie-Fachhandel auch nach Spezialzubehör erkundigen. Eigens dafür entwickelte Filter und komplette Optiksysteme erlauben es, Details auf der Sonne zu beobachten und zu fotografieren. Sonnenflecken werden schon durch die oben beschriebenen Filtertypen erkennbar. Spezialfilter machen aber Strukturen auf der Oberfläche oder große, sich bewegende Gasausbrüche (Protuberanzen) sichtbar, die ins All hineinragen. Astronomen wissen: Die Sonne ist der uns am nächsten liegende Stern und entsprechend immer wieder faszinierend.

Fernoptik 03 / 2015


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