Foto- und Imagingmarkt - Wandelnde Märkte und Käuferstrukturen

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Trend zum Mehrwert – Frauen als Käufer immer wichtiger – Verbraucherverhalten und Verbraucherwünsche sind die Treiber – Social Networks erfordern neue Geschäftsmodelle – Kauferlebnisse motivieren zum Handeln

Eines der zentralen Themen des von der photokina veranstalteten 3. Business Forum Imaging Cologne, das unter dem Motto “Memories are more … INTERACTIVE” stand, waren die sich wandelnden Märkte und Käuferstrukturen sowie die neuen Märkte, die sich beispielsweise durch Social Media ergeben.

Trend zum Mehrwert

Marion Knoche von der GfK und Liz Cutting vom amerikanischen Partnerunternehmen NDP gaben einen Rückblick auf die globale Situation der Foto- und Imagingmärkte im vergangenen Jahr und vermittelten Einblicke in die sich durch technische Innovationen und das daraus resultierende Verbraucherverhalten wandelnden Märkte und Käuferstrukturen. So wies Liz Cutting darauf hin, dass Frauen als Käufer technischer Produkte immer wichtiger würden. Vor allem stiegen ihr Anteil und das Engagement beim Aufnehmen, Teilen und Bewahren wichtiger Erinnerungen. Dies habe auch einen Einfluss darauf, welche Features die Industrie bei ihren Produktentwicklungen zu bedenken habe und welche Foto- und Imagingprodukte zukünftig verstärkt nachgefragt würden.

Marion Knoche wies in ihrer globalen Marktanalyse darauf hin, dass es einen deutlichen Trend zu höherwertigen Foto- und Imagingprodukten gäbe, der sich keineswegs ausschließlich auf die entwickelten Länder und die führenden Wirtschaftsnationen beschränkt, sondern sich überraschenderweise besonders stark auch in den sogenannten Schwellenländern bemerkbar macht.

Verbraucherverhalten und Verbraucherwünsche sind die Treiber für die Produkte von morgen

Tommy Bacherle, Category Manager Imaging Products and Services bei der dm-Drogeriemarktkette wies darauf hin, dass bei dm die Verkaufsstrategien nicht darauf abzielten, eine Push-Wirkung für einzelne Produkte auszuüben, als vielmehr darauf ausgelegt seien, eine Sogwirkung zu erzeugen. Dies sei nur zu erreichen, wenn man die Wünsche und das Verhalten der Verbraucher in den Mittelpunkt des Handelns stelle. Inzwischen macht dm 50 Prozent seines Bildergeschäfts im Sofortdruck und über das Internet. Für die Entwicklung neuer Geschäftsideen ist es, seiner Meinung nach, weniger wichtig herauszufinden, ob jemand etwas gut findet, sondern warum. Er möchte bei dm alles anbieten können, was ein Kunde für Fotoarbeiten braucht, um zu vermeiden, dass dieser etwas bei anderen Anbietern suchen muss. Ebenso sieht er in jedem Menschen einen potentiellen Kunden für Fotoservices.

Eine Zielgruppe für Foto gibt es seiner Meinung nach nicht. Sie selektiere sich selbst. Wachstum sei von Innovationen und mutigen Entscheidungen für Neues getrieben. Erst 2005 habe dm das Geschäft mit dem Sofortbildausdruck am Kiosk begonnen. 2011 habe der Umsatz damit bereits einen Anteil von 50 Prozent erreicht. Als einen aktuellen Megatrend für innovative Fotoprodukte sieht er das Angebot „predesignter“ Produkte, die sich vom Verbraucher mit eigenen Fotos individualisieren lassen. Als Beispiel nannte er das Facebook-Fotobuch „Friends“ oder das von dm angebotene Balea-Duschbad, bei dem der Kunde das Etikett mit eigenen Fotos versehen kann. Aktuell habe die Balea-Dusche 529.885 Facebook-Freunde. Aber auch das weitgehend automatisiert zu realisierende Fotobuch der Facebook „Friends“ gehört zur Kategorie „predesignter“ Produkte (Mustervorlagen) mit der Möglichkeit zur Individualisierung durch eigene Fotos. Als ein erfolgreiches Beispiel nannte er auch die Gemeinschaftsaktion mit dem Filmverleih Tobis zum Start des Kinofilms „Zwei an einem Tag“, wo Paare die Möglichkeit hatten, ihr Foto und individuelle Texte in die Mustervorlage vom Filmplakat einzuklinken.

Social Networks erfordern neue Geschäftsmodelle

Alexandra Gebhardt, Chief Social Media Strategist Inside Media Networks, New York, berichtete über neue Wege, wie sie beispielsweise Bilddienstleister nutzen können, um aus den Milliarden von in Sozialen Netzwerken gespeicherten Fotos bleibende Erinnerungen zum Anfassen zu produzieren.

Jürgen Motz, Senior Expert Innovations-Mail von der Deutschen Post DHL, zeigte, wie die Deutsche Post mit ihrer Tochter Website „Socialmemories“ einen Weg gefunden hat, dass Smartphone-Nutzer aus ihren auf Facebook gespeicherten Fotos ganz einfach Fotobücher gestalten und bestellen können, die schließlich der Postboten nach Hause bringt.

Lee Cowles, Geschäftsführer Blurb Europe, einem auf die Produktion von Fotobüchern spezialisierten Unternehmen, zeigte, wie sich mit virtuellen Bildern persönliche Geschichten erzählen und mit anderen per Smartphone oder anderen mobilen Geräten teilen lassen. Besondere Aufmerksamkeit aber fanden seine Ausführungen über die Ansätze bei Blurb Europe,, Geschäftsmodelle für Dienstleistungen und Produkte zu entwickeln, mit denen Verbraucher individualisierte Fotoprodukte auch virtuell nutzen und über Netzwerke verbreiten können. Für die Entwicklung von Büchern und ihrer Nutzung identifizierte er drei Trends:

  1. Das elektronische Buch wird schnell an Bedeutung gewinnen. Leser werden Bücher in unterschiedlichen Formen nutzen.
  2. Die Möglichkeit des Selbstverlags bringt neue Chancen für Autoren und bietet die Basis für neue Geschäftsmodelle.
  3. Erfolgreiche Autoren werden lernen müssen, die relevanten Möglichkeiten aller Medien zu nutzen.

Blurbs Ansatz sei hier die Idee vom „Liquid Book“, einem Medium, bei dem Autor und Leser intensiv und interaktiv bei der Entstehung des Buches kommunizieren können. Ein Buch, das Kapitel für Kapitel ein soziales Leseerlebnis – „The social reading experience“ – vermittelt und bei dem das Publikum Einfluss auf die Entwicklung der Story nehmen könnte.

Kauferlebnisse motivieren zum Handeln

Auch Darren Johnsson, Regional Director und Vice President Reatail Systems Solutions, Paper Output Systems und Film EAMER Eastman Kodak Company, verwies auf die Demokratisierung der Märkte und den größeren Einfluss der Kunden durch deren Vernetzungs- und Informationsmöglichkeiten über das Internet. Alle Kanäle werden zum Einkauf genutzt. Die Preise und Geschäftspraktiken würden immer transparenter und die Verbraucher würden immer stärker von ihren Kauferlebnissen zum Handeln motiviert. Dies würde eine „Omni-Channel“-Strategie für Handel und Industrie und gegebenenfalls auch neue Geschäftsmodelle erfordern, bei denen Verbraucher zum gegenseitigen Vorteil mit einbezogen würden. Das Sammeln, die Analyse und Aufbereitung von Social Media Daten sei zum wesentlichen Kontrollinstrument geworden, um den Erfolg von Marketingprogrammen und initiativen zu messen, zu optimieren und zu kalibrieren.

Die Imaging World kennt keine Verschnaufpausen

Das Business Forum Imaging, kann als Kick-off-Veranstaltung der im Herbst stattfindenden photokina 2012 betrachtet werden. Es machte die grundlegenden Trends und Veränderungen im Umgang mit Bildern deutlich, die sich durch weiterentwickelte Technologien, innovative Produkte und neu entstandene Dienstleistungen ergeben haben oder in naher Zukunft zu erwarten sind. Es machte auch deutlich, dass zur vom 18. bis 23. September 2012 in Köln stattfindenden photokina weitere, wichtige Weichenstellungen für die zukünftige Entwicklung der World of Imaging zu erwarten sind.

photokina 03 / 2012

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