Zur Fotografie kam ich eher auf Umwegen. Fotos begleiteten und faszinierten mich mein ganzes Leben lang. In der Kindheit waren es die Fotos meiner analogen Kompaktkamera, chronologisch in Fotoalben geklebt, später, die Erlebnisse in der Jugend mit meinen Freunden, an die Dachschräge in meinem Zimmer gehängt. Bilder, die mich immer wieder an die Orte der vergangenen Zeit zurückversetzten und „konservierte“ Erinnerungen frisch aufblühen ließen.

Als ich 2014 in den Jemen reiste, sollte auch eine Nikon D5100 mein Begleiter sein - meine erste Spiegelreflexkamera. Sie dokumentierte meine Reise, das Eintauchen in eine unbekannte Kultur. Sie sollte festhalten, was ich anderen nicht durch Worte beschreiben kann, den Zauber der sandigen Wüste, einer liebgewonnenen neuen Heimat des Herzens.

Zurück in Deutschland hatte ich das Ziel, meine Fertigkeiten der Fotografie auszubauen, die eingefangenen Momente möglichst nahe an das Gefühl und das Empfinden des Gesehenen zu bringen. Eine neue Reise begann. Diesmal tauchte ich ein in Fachzeitschriften und Online Tutorials. Letztlich aber war es das Ausprobieren, die aufgenommenen selbst anzuwenden, umzusetzen und auch immer wieder zu scheitern. Zu scheitern an dem, was mein Geist sich vorstellte und wie es meine Hände umsetzten. Allzu oft kam ich mit meiner Kamera in Zwist.

Doch aller Ärger, unzählige unglückliche Versuche zahlten sich aus. Ab einem gewissen Punkt beginnt man mit der Kamera zu sehen, ein Gefühl für den gewissen Moment, die richtige Perspektive zu entwickeln.

Parallel zum wachsenden Know-how wuchsen auch die Herausforderungen. Den Autofokus ausstellen, durch manuelles Fokussieren das Auge schulen, dem Menschen mehr Einfluss auf das Gelingen geben.

Mit dem Blick durch die Kamera möchte ich nicht nur das Offensichtliche einfangen. Die Bilder sollen auch zeigen, worüber so mancher hinwegblickt, weil es ihm verborgen bleibt oder zu unscheinbar erscheint.

Fotos dokumentieren die Zeit/Momente, die nur für einen selbst im eigenen Inneren weiterleben. Sie geben mir die Möglichkeit, meist nicht in Worte fassbare Emotionen und Erlebnisse anderen näherzubringen und dabei gleichzeitig die erneut aufleben zu lassen.

Die Fotografie entwickelte sich bei mir zu einer Leidenschaft. Oft begangene Wege lässt sie mich immer wieder neu sehen. Achtloses gewinnt auf einmal an Bedeutung. Die Fotografie zeigt mir eine andere Welt, eine andere Welt hinter dem bereits Bekannten.

Seither liebe ich es, sowohl Menschen zu portraitieren als auch durch die Straßen und die Natur zu laufen, zu versuchen, das abzubilden, was man selbst verspürt sowie mehrere Blickwinkel in Betracht zu ziehen - nicht zuletzt, um die Welt auch immer wieder neu zu verstehen.