Marius Uhlig, den es für die Fotografie nach England zog und zieht

© Marius Uhlig
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In 2010 suchte Marius Uhlig bei Blende den Wettstreit und die Herausforderung. Mit seinen Porträts verstand er es als 17-Jähriger, die Jury der bundesweiten Endausscheidung mit seinen fotografischen Leistungen zu überzeugen und belegte den dritten Sonderpreis. Wir sind nun vier Jahre später erneut auf Marius Uhlig aufmerksam geworden – inzwischen ist er Profifotograf. Uns hat sein Werdegang in den letzten vier Jahren interessiert und wir haben dementsprechend bei ihm nachgefragt.

Herr Uhlig: Sie haben in 2010 an Blende teilgenommen. Was war damals Ihre Motivation?

Die Motivation bestand zu diesem Zeitpunkt grundsätzlich daraus, eine neutrale und ehrliche Meinung – unabhängig von den meist stets positiven Rückmeldungen von Verwandten und Freunden – zu bekommen und auf diese Weise auch das Publikum zu erweitern. Da es für die Altersklasse, in der ich mich damals befand, recht wenig ernstzunehmende Wettbewerbe gab und man sich also sehr schwer „messen“ konnte, schien mir der Wettbewerb eine willkommene Möglichkeit, meine Arbeiten zu zeigen.

In 2010 wurden Sie mit dem dritten Sonderpreis bei Blende ausgezeichnet. War dieser mit Initiator, dass Sie Ihr Hobby, die Fotografie, zu Ihrem Beruf gemacht haben?

© Marius Uhlig
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Tatsächlich kann ich sagen, dass diese Auszeichnung in meinem damaligen Umfeld von sehr vielen Menschen extrem positiv aufgenommen wurde. Mit der Gewissheit, dass ich also scheinbar nicht der einzige bin, der meine Arbeiten gut findet, wurde die Idee, das Hobby vielleicht zu professionalisieren und nach der Schule in den Kreativbereich zu gehen, gestärkt und befeuert.

Was begeisterte Sie als 17-Jähriger an der Fotografie und was ist es heute?

Ich denke, dass sich an dem Ursprung, dem „Kern“ der Begeisterung nichts geändert hat, allerdings habe ich mit 17 einerseits nicht genug darüber nachgedacht und andererseits nicht die Möglichkeiten gehabt, der Begeisterung auf den Grund zu gehen. Mittlerweile ist das etwas anders: Der Grund, warum ich nicht als Stylist in die Mode, als Designer in den Grafikbereich oder in irgendeine andere verwandte Sektion der kreativen Branche gegangen bin, ist eine extrem große Begeisterung für die grundlegende Quelle der Fotografie, das Licht. Was ich damals bereits unterbewusst probiert und heutzutage absolut bewusst praktiziere, ist eine Modifizierung, Perfektionierung und „Formung“ von Licht – egal, ob ich im Studio oder unter Tageslicht arbeite. Ich begeistere mich dafür, mich durch eine schlüssige, interessante, saubere und von anderen schwer reproduzierbare Lichtsetzung von der Konkurrenz abzuheben – für alle anderen Bereiche, wie dem Styling, das Make-Up oder der Pose vor der Kamera, habe ich ein extrem begabtes Team um mich herum.

Wie haben Sie sich Ihr fotografisches Wissen angeeignet?

© Marius Uhlig
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Ich bin unmittelbar nach meinem Abitur nach England gezogen und habe für ein Jahr das Arts University College at Bournemouth besucht, um meine autodidaktischen Fotografie-Kenntnisse auszuweiten. Dieses Jahr hat mir vor allem unglaublich wichtiges Hintergrundwissen zum Fach Fotografie gegeben. Die Möglichkeit, in einer akademischen Einrichtung zu lernen, auszuprobieren und sich jederzeit auch selbstständig neues Wissen aus Bibliotheken zu ziehen, hat mir den kulturellen und künstlerischen Aspekt des Genres sehr nah gebracht und mir persönlich dabei geholfen, mich selbst eher in der Mode- und Porträtfotografie zu finden, als in irgendeiner anderen Stilrichtung. Nach dem einjährigen Diplom bin ich nach Hamburg gezogen, um verschiedenen internationalen Fotografen zu assistieren und so vor allem den technischen und praktischen Teil der professionellen Fotografie kennenzulernen. Mit Mentoren wie Peter Hönnemann oder Manuel Pandalis wusste ich sehr schnell, worum es in der Industrie geht, worauf man achten muss und wie groß der Unterschied zur Amateurfotografie ist.

Vermissen Sie als Profifotograf manchmal die fotografischen Freiheiten, die Sie als Amateur hatten?

Die Frage ist berechtigt, ich vermisse in der Tat sehr oft die Freiheit, sich die Kamera zu schnappen, einen Freund anzurufen und einfach drauf los zu fotografieren. Bis ich jetzt ein Shooting auf die Beine gestellt habe, brauche ich mindestens eine Woche Vorbereitungszeit, muss ein 6-köpfiges Team zusammenstellen und mich um die nicht unerheblichen entstehenden Kosten kümmern. Die Spontanität ist zum jetzigen Zeitpunkt verloren gegangen. Das ändert sich bei vielen Leuten, wenn sie so lange in der Branche arbeiten, dass ihr gesamtes Umfeld aus anderen Kreativen, Schauspielern und Künstlern besteht. Ich habe schon einige Abende bei großen Fotografen miterlebt, an denen mit einer kleinen Digicam und reichlich Spontanität unglaubliche Bilder entstanden sind.

Sie sind der Porträtfotografie treu geblieben und warten unseres Erachtens mit einer ganz eigenen Bildsprache auf, die voller Klarheit ist. Sie schaffen den Spagat, dennoch Fotografien voller Emotionalität zu schaffen. Was ist Ihr persönliches Motto, wenn Sie der Porträtfotografie nachgehen?

© Marius Uhlig
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Anders als bei den vorher genannten gut organisierten und inszenierten Modeshootings ist mir bei der Porträtfotografie die Intimität sehr wichtig. Die meisten meiner Porträts sind in einer intimen Atmosphäre entstanden, ohne ein Team und in meinen eigenen vier Wänden. Wenn das Geschehen von vielen Leuten bestimmt wird, die sich kaum oder grob kennen, kann sich niemand auf die Person hinter der Kamera einlassen und sich entspannen. Ich lege Wert auf Zweisamkeit, Echtheit und gute Musik – diese sollte man beim Fotografieren nie unterschätzen. Meine besten Porträts sind spontane Momente unter Freunden. Mit der Porträtfotografie hole ich mir die Spontanität zurück, die im Sprung von Amateur auf Profi verloren gegangen ist.

Sie waren ja auch einmal Amateur – was können Sie diesen mit auf den Weg geben, wenn diese der Porträtfotografie nachgehen möchten?

Schaff Dir eine Situation, in der Du Dich sicher fühlst! Wenn Du nicht entspannt hinter der Kamera bist, weil Du Dir Sorgen ums Licht, das Wetter oder die Personen um Dich herum machst, wird sich die zu porträtierende Person niemals öffnen und Dir vertrauen – egal, ob es der Papst oder Dein bester Freund ist.

Wo sehen Sie für sich die größte Herausforderung beim Ablichten Ihrer Porträts?

Auch für mich ist es stets eine Herausforderung, die oben genannte Atmosphäre zu schaffen. Ich porträtiere meist Menschen, die ich 5 Minuten vor dem ersten Auslösen zum ersten Mal in meinem Leben gesehen oder getroffen habe. Innerhalb dieser Zeit jemandem das Gefühl zu geben, dass ich entspannt bin und man mir vertrauen kann, ist nicht immer leicht. Es funktioniert auch nicht immer.

Was ist Ihr fotografisches Lebensmotto?

Noch gibt es keins. Ich vermute, dass sich in den nächsten fünf Jahren eines einschleichen wird.

Wie sehen Ihre Pläne kurz- und auch langfristig aus?

Ich werde im Juli nach London ziehen, um eine der Hauptstädte im Bereich der Modefotografie kennenzulernen und dort zu arbeiten. Der internationale Markt unterscheidet sich, wie man sich sicherlich denken kann, relativ stark von dem, was ich in Deutschland gelernt habe. Diese Herausforderung würde ich sehr gerne auf mich nehmen, bevor es dafür zu spät ist.

Portfolios 07 / 2014

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