Achim Kaurschill - Sein Motto: Der Weg ist das Ziel - Fotografie lässt die Zeit stellstehen und bietet Spielraum für die eigene Kreativität

© Achim Kaurschill, Spaß am Augenblick
© Achim Kaurschill, Spaß am Augenblick
Achim Kaurschill, „Blende“-Teilnehmer und – Preisträger 2014 überzeugte die Jury der bundesweiten Endausscheidung mit seiner Aufnahme „Burnout“, die er zum Thema „Der Teufel steckt im Detail“ eingereicht hatte. In seiner Aufnahme griff er ein sehr aktuelles Thema auf, das aus unserer Sicht dieses Thema eindringlich thematisiert, ohne persönliche Grenzen zu überschreiten. Dies hat uns auf den Fotografen Achim Kaurschill neugierig werden lassen und wir haben nachgefragt.

Was war das für Sie für ein Gefühl, als Sie die Nachricht erhalten haben, dass Sie bei „Blende 2014“ in der bundesweiten Endausscheidung den 118. Platz belegen?

Naja, ich hatte mich ja bereits schon riesig darüber gefreut, dass zwei meiner Bilder es bis in die bundesweite Endausscheidung geschafft hatten. Dass bei knapp 80.000 Einsendungen sogar noch ein Gewinn dabei heraussprang, damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet.

Wie ist es zu Ihrer Aufnahme „Burnout“ gekommen?

Tja, wie kommt man auf solche Ideen? Hin und wieder halte ich Alltägliches zwischen den Fingern und überlege mir, wie man das Objekt als Fotomotiv anders darstellen kann. Immer noch klar erkennbar, aber eben in einem ganz anderen, nach Möglichkeit, ungewohnten Kontext. Und am liebsten humorvoll, möglichst mit einem zwinkernden Auge.

© Fotograf: Achim Kaurschill, Burnout, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Achim Kaurschill, Burnout, Blende-Fotowettbewerb
Ein Burnout ist jetzt natürlich keine witzige Angelegenheit, aber ein abgebranntes Streichholz in meinen Fingern haltend kam mir der Gedanke, dass man sich dabei wahrscheinlich wie dieses Streichholz vorkommt; vom Kopf her ausgebrannt. Ja, und dann die Idee im Geiste weiter „spinnen“, nachsehen, was alles an Material zur Verfügung steht, und ausprobieren, wie es wohl aus den verschiedensten Perspektiven wirkt. Das Streichholz habe ich übrigens vor dem Anzünden rückseitig angefeuchtet, damit es sich mehr oder weniger kontrolliert nach vorne biegt und auch schön die Schultern hängen lässt … .

Was fasziniert Sie an der Fotografie und was sind Ihre Beweggründe zu fotografieren?

Zum einen finde ich es äußerst spannend, dass ich ja quasi die Zeit still stehen lassen kann, … wenn auch nur auf einem Foto. Ich stöbere immer wieder gerne in meinen früheren Aufnahmen und wärme Erinnerungen auf.

Zum anderen lässt die Fotografie sehr viel Spielraum für Kreativität, sei es durch die Aufnahmetechnik, die Bildgestaltung oder auch der späteren Bearbeitung am PC. Alleine durch die Wahl des Bildausschnitts, durch das Weglassen oder nur Andeuten von Objekten im Motiv suggeriert ein Bild plötzlich eine ganz andere Wirklichkeit, welche wir real so gar nicht wahrnehmen. Dies finde ich wirklich extrem faszinierend, ein wenig wie Zauberei.

Was sehen Sie als die größten fotografischen Herausforderungen?

© Achim Kaurschill, Fork you
© Achim Kaurschill, Fork you
Das Licht! – Das Licht so zu leiten beziehungsweise zu setzen, dass es auf dem Bild meinen Vorstellungen entspricht, das fällt mir sehr schwer. Theoretisch weiß ich ja größtenteils, was ich zu tun habe, aber in der Praxis sieht’s dann doch oft düster aus. Aber wie sagt mein Kollege doch immer so treffend: Die Praxis steht der Theorie nur im Wege!

Ich persönlich empfinde die Porträtfotografie als große Herausforderung; da muss ja nicht nur das Licht stimmen, da muss zusätzlich auch das gesamte Umfeld stimmen; der Fotograf mutiert zum „All in one“. Er wird zum Entertainer, Moderator, Techniker, muss dafür sorgen, dass sich das Modell wohl fühlt, authentisch bleibt (oder eben auch nicht). Das traue ich mir nicht wirklich zu, da bin ich viel zu sehr mit der Kamera, dem Licht und mit mir selbst beschäftigt, als dass da noch Zeit für alles andere bliebe. Wahrscheinlich auch der Grund, weshalb es hier auch kein Porträt von mir gibt … – ich kann so zickig sein … .

Wo sehen Sie Ihre fotografischen Schwerpunkte?

Der Weg ist das Ziel! – Nein, ich lege bei meinen Hobbys keine Schwerpunkte fest; „et kütt wie et kütt“, besagt das Rheinische Grundgesetz. Und so halte ich es dann auch beim Fotografieren; was mir gerade im Kopf herumschwirrt, hat oberste Priorität, aber nur solange, bis ich mit dem Thema nicht mehr weiterkomme, dann kann sich die Rangfolge auch schon einmal ganz schnell ändern … .

Welchen Rat können Sie all jenen mit auf den Weg geben, die die Fotografie für sich entdecken und Einsteiger sind?

© Achim Kaurschill, Gecko
© Achim Kaurschill, Gecko
Nun, ich bin ja selbst immer noch auf fotografischer Entdeckungstour! Ich glaube an das duale System; fleißig theoretisches Wissen anhäufen und mittendrin immer wieder den Auslöser betätigen und verschiedene Dinge praktisch ausprobieren – auch, wenn anfangs noch nichts Brauchbares dabei herumkommt. Irgendwann ist dann der Moment da und Theorie und Praxis gehen aufeinander zu. (Es lebe die digitale Fotografie).

Aus welchen Komponenten besteht Ihr fotografisches Equipment?

Oh, das ist relativ klein gehalten: Meine 30D, 2 x Tele-Zoom, einmal Weitwinkel-Zoom, einmal Festbrennweite, 2 externe Blitze, Fernauslöser, Winkelsucher, Stative und sonstiges Jedöns.

Welche Motive haben es Ihnen aus fotografischer Sicht am meisten angetan?

Wenn ich ehrlich bin, dann die, die sich wenig bis gar nicht bewegen und mir genügen Zeit geben, verschiedene Einstellungen auszuprobieren.

Am liebsten schaue ich mir gut gemachte Porträtfotos oder außergewöhnliche Aufnahmen an. Die fotografische Richtung ist mir dann doch relativ egal, Hauptsache interessant! Spannend finde ich auch die Geschichten zu den Fotos, da könnte ich stundenlang „zuhören“; ist dann immer ein bisschen so, als wäre man dabei gewesen … .

Was sind Ihre aktuellen fotografischen Projekte?

© Achim Kaurschill, wanting to mate
© Achim Kaurschill, wanting to mate
Zurzeit komme ich leider weniger dazu, „bewusst“ zu fotografieren. Auf lange Sicht versuche ich mich gerade daran, Düsseldorf rund um den Fernsehturm abzulichten, also aus den verschiedenen Stadtteilen jeweils mit dem Fernsehturm im Hintergrund und nach Möglichkeit irgendetwas Stadtteilspezifisches im Vordergrund. Hat aber keine Eile, wie gesagt; der Weg ist das Ziel.

Zudem wandele ich gerade einige meiner Bilder in „Postkarten“ um, mit mehr oder weniger sinnfreien Texten.

Haben Sie ein fotografisches Motto?

„Spaß am Augenblick“

Was möchten Sie mit Ihren Bildern zum Ausdruck bringen?

In erster Linie denke ich Freude. Wenn mein Bild jemanden zum Schmunzeln bewegt, dann habe ich mein Ziel eigentlich schon erreicht, wenn es dann noch ein wenig zum Nachdenken anregt, umso besser … .

Ich befürchte, für das Erstellen richtig ernsthafter Fotografie fehlt mir es dann doch noch an einigem. Anschauen jedoch geht eigentlich immer.

Haben Sie fotografische Vorbilder?

© Achim Kaurschill, düssel DORF Flehe
© Achim Kaurschill, düssel DORF Flehe
Nicht wirklich. Ich habe einige Websites von Fotografen in meinen Favoriten gespeichert, da schaue ich immer mal wieder rein und versuche, etwas für mich mitzunehmen, aber als Vorbilder würde ich sie nicht bezeichnen. Einen möchte ich aber dennoch nennen: Daniel de Lupi. Auf seinen Aufnahmen wirken die Models beinahe so, als ob da gar keine Kamera und keine Strahler, etc. vorhanden sind, seine Bilder mag ich sehr gerne anschauen.

Wie treffen Sie Ihre Bildauswahl? Was ist für Sie ein gutes Foto?

Für mich persönlich ist ein gutes Foto, ein Foto das mir gefällt. Ein richtig gutes Foto ist es, wenn es dazu noch eine Aussage transportiert und ein richtig, richtig gutes Bild ist es, wenn dann noch von den Kameraeinstellungen über die Lichtverhältnissen bis hin zum Motiv, etc. alles stimmig ist und mich zudem auch noch beschäftigt. Kurz gesagt, wenn es mir gefällt und ich einfach lange drauf schauen muss. (Es gibt allerdings auch Fotos, die sehe ich mir auch sehr lange an, die verstehe ich jedoch nicht. Die sind ja auch irgendwie interessant, aber in meiner subjektiven Meinung nicht gut.)

Was war Ihre Motivation, bei „Blende“ den Wettstreit und die Herausforderung anzunehmen?

Ich glaube, das was wohl die meisten hier antreibt; einfach mal sehen, wie dies und das, was man so erschaffen hat bei Gleichgesinnten ankommt und ob dieses irgendwie aus der Masse heraus sticht bzw. andere darauf aufmerksam werden.

Was begeistert Sie speziell an unserem Fotowettbewerb „Blende“?

Ich nehme 2015 ja erst zum zweiten Mal daran teil, hatte aber schon beim letzten Wettbewerb das Gefühl, dass der Wettbewerb während der ganzen Laufzeit „aktiv“ begleitet wird. Und dadurch, dass ja bereits quasi eine Vorausscheidung stattfindet und man auch hierüber informiert wird, sobald eigene Einsendungen in die Endausscheidungen gelangen, hatte ich schon das Empfinden, dass die eigenen Bilder nicht ganz ohne Rückmeldung im Nirwana der zahlreichen Bildeinsendungen verschwinden. Zudem ja nicht bloß die ersten 3 Plätze ausgezeichnet werden, sondern weit über 100.

Und dass ich mich hier vorstellen darf, bestätigt dieses Empfinden noch zusätzlich.

Welchen Tipp können Sie Ihren Mitstreitern für „Blende“ geben?

© Achim Kaurschill, Hot chocolate
© Achim Kaurschill, Hot chocolate
Upps! Ich bin ja eher der Meinung, dass ich noch einige Tipps gebrauchen könnte. Aber ich denke, bei so einem Fotowettbewerb ist es schon von Vorteil, wenn man sich die bisherigen Einsendungen anschaut, um so ein paar Anregungen abzugreifen und dann vielleicht etwas zu zeigen, welches bisher nicht so häufig dargestellt wurde.

Was sind in nächster Zeit Ihre fotografischen Ziele?

Weiterhin Freude daran haben! Alles Weitere habe ich ja schon ein paar Zeilen vorher beschrieben.

Sie gehören einer Online-Fotocommunity an. Seit wann ist dem so und wo liegt für Sie darin der Reiz?

Ich denke, angefangen habe ich damit vor ca. 2- 3 Jahren, einfach um meine „Werke“ einmal „der Welt“ zu zeigen und um über Fotografie im Allgemeinen und Speziellen zu „plaudern“ und mich dadurch (hoffentlich) weiter zu entwickeln.

In einer recht speziellen Plattform der „Fotoleaxx“ treten in sogenannten Leaxx 24 Fotos zu einem Thema an, diese spielen dann in zwei 12-er Gruppen jeweils gegeneinander, die jeweils ersten Vier der Gruppen gelangen in eine KO-Runde. Wenn man es nicht zu ernst nimmt, ist es eine spaßige Sache, zudem dort recht rege kommentiert wird und Meinungen ausgetauscht werden.

Portfolios 10 / 2015

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