Bernd Mayer – In der Fotografie lernt man nie aus

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Bernd Mayer

In der bundesweiten Endausscheidung von „Blende 2014“ belegte Bernd Mayer mit seiner Farbaufnahme „Ruhe im Alltag“, die er zum Thema „In Bewegung“ eingereicht hatte, den 19. Platz. Mit diesem Portfolio stellen wir den Fotografen hinter der Kamera vor. Erlebbar schildert Bernd Mayer, wie er an die Blende-Themenvorgabe „In Bewegung“ herangegangen ist und vor welcher herausfordernden Aufgabe er stand, ein aus seiner Sicht „tot fotografiertes Motiv“ dennoch wirkungsvoll und damit sehenswert abzulichten.

Sie haben mit der Bücherei in Stuttgart sich für ein inzwischen sehr beliebtes Motiv unter Fotografen entschieden – was war Ihr Ansporn für dieses Motiv?

Das Motiv war zuerst einmal zweitrangig. Nachdem die Themen zur Blende bekannt gegeben wurden, überlegte ich, wie ich „Bewegung“ so umsetzen kann, dass ich mich möglichst von anderen unterscheide. Da kam dann die Idee, es mit dem Gegenteil zu probieren. Letztendlich hatte ich die Bildidee im Kopf und suchte in der Stadtbibliothek, welche ich schon lange mal fotografieren wollte, nach einem passenden Bildausschnitt. Ein Glücksfall war dann, dass die junge Dame auf dem Foto spontan dazu bereit war, mir ihre Zeit dafür zu schenken. Völlig selbständig nahm sie verschiedene Posen ein und hielt gekonnt ihre Körperspannung. Ich musste während den Aufnahmen schmunzeln und dachte nur „ein Naturtalent“.

Als Betrachter erweckt Ihre Aufnahme „Ruhe im Alltag“ den Eindruck, dass Sie alles genauestens geplant haben und genau Regie geführt haben – ist dem so?

Von Regie zu sprechen, ist nicht so passend, zumal ich ja auch nur der jungen Dame meine Vorstellung des Bildes vermittelte. Geplant war es natürlich, um dies als Schnappschuss zu bekommen, müsste man sicher lange warten.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei dieser Aufnahme und wie viele Anläufe waren notwendig, bis Sie Ihr Motiv so im Kasten hatten?

Aufgrund der Planung und dem Glück, gleich ein passendes Model zu finden, war die größte Herausforderung für mich, einen Parkplatz in Stuttgarts Innenstadt zu finden :-). Im Ernst, hier lief alles wie von selbst. Das Gegenteil davon war meine Fotoidee „Jugendlicher Forschungsdrang“ zum Blende-Wettbewerb „Kleines ganz groß“ (siehe Foto). Dies war eine sehr große Herausforderung mit vielen Anläufen und unterschiedlichen Vorgehensweisen.

Was begeistert Sie selbst an Ihrer Aufnahme „Ruhe im Alltag“?

Mich begeistert am meisten, dass das Resultat exakt meiner Vorstellung entspricht.

Was können Sie jedem, der die Bücherei in Stuttgart für sich als Motiv auswählt, als Tipp mit auf den Weg geben?

Die Stadtbibliothek ist wie fast alle interessanten Motive „tot fotografiert“. Neue Sichtweisen und Perspektiven zu finden, ist sehr schwer. Daher sollte man sich viel Zeit nehmen und zuerst einmal die Umgebung auf sich wirken lassen. Um sich möglicherweise von den Massen zu unterscheiden, versuche ich, Fotoideen zu kombinieren. „Ruhe im Alltag“ besitzt keine spektakuläre Perspektive, ist aber eine Kombination aus grafischer Architektur, menschlicher Empfindung/Emotion plus Bewegung/Dynamik.

Was war das für Sie für ein Gefühl, als Sie die Nachricht erreichte, dass Sie in der bundesweiten Endausscheidung von “Blende 2014” zu den Siegern zählen?

Es ist immer ein Glücksgefühl, wenn man es schafft, mit seinen Fotos Menschen anzusprechen. Das ist ja der Ansporn eines Fotografen. Gelingt dies dann auch noch in einem Wettbewerb, ist es umso schöner! Nachdem ich mit meinem Foto „Luismobil“ bei der Blende 2013 den 20. Platz erreichte, war ich überglücklich, wieder so weit vorne zu landen.

Sie geben an, seit 2012 zu fotografieren. Sie sind, aus unserer Sicht, ein Späteinsteiger. Wie sind Sie zur Fotografie gekommen und was begeistert Sie daran?

Fotografie interessierte mich schon immer, jedoch beschränkte sich dies vor 2012 auf Urlaubs- und Gelegenheitsfotografie – ich bin also nur indirekt ein Späteinsteiger. Nachdem ich mir 2011 für eine Hochzeitsfotografie eine Einsteiger-DSLR auslieh und damit qualitativ häufig an Grenzen stoß, entschied ich mich, mir selbst eine zu kaufen. So nahm alles seinen Lauf und jede gekaufte Fototasche wurde irgendwann wieder zu klein für mein Equipment. Die Fotografie ist so vielfältig, dass man sein Leben lang am Lernen ist. Dies und der angenehme Nebeneffekt, häufig die Natur früh morgens oder spät am Abend erleben zu dürfen, begeistern mich.

Sie fotografieren heute mit einer digitalen Spiegelreflexkamera – war dies Ihre erste Kamera und welche Vorteile sehen Sie für sich in der Spiegelreflexfotografie?

Vor meinen derzeitigen DSLR-Kameras hatte ich bereits zwei digitale Bridgekameras und zu Analogzeiten die eine und andere Kompaktkamera. An eine sehr gute DSLR kommt meiner Ansicht nach in keinem Bereich eine Kompaktkamera heran. Am deutlichsten wird dies, wenn Geschwindigkeit oder schlechte Lichtverhältnisse ins Spiel kommen.

Wenn Sie ein fotografischer Einsteiger fragt, welches Kamerasystem er sich zulegen sollte – was würden Sie ihm raten?

Da würde ich jedem raten genau zu überlegen, was er mit einem Fotoapparat ablichten und wofür er diesen benutzen möchte. Mit dieser Info sollte dann der Einsteiger in ein Fachgeschäft gehen und sich die unterschiedlichen Alternativen anschauen. Am besten in die Hand nehmen und ein wenig fotografieren. Kompromisse sollten hier genau überlegt werden, denn „wer ‘billig’ kauft, kauft zweimal“. Tipp: Es gibt sehr viele Foren, in denen man Gebrauchtes findet. Mir ist eine hochwertige Gebrauchtkamera viel lieber, als eine gleich teure neue Einsteigerkamera.

Wo sehen Sie Ihre fotografischen Schwerpunkte und was fasziniert Sie an der Fotografie?

Schwerpunkte besitze ich keine konkreten, eben weil mich derzeit die Vielfältigkeit der Fotografie so fasziniert. Abwechslung macht das Leben interessant, so auch die Fotografie.

Was ist für Sie in der Fotografie die größte Herausforderung?

Für mich derzeit noch die Porträtfotografie. Menschen zu führen und gleichzeitig das Licht zu setzen ohne Stimmungen zu zerstören, benötigt viel Erfahrung. Hier muss ich auch lernen, mein Streben nach Perfektion zu vernachlässigen. Emotionen wirken da viel stärker, als technisch ausgefeilte Fotos.

Wie stehen Sie der Fotografie mit dem Smartphone gegenüber?

Als Fotoapparat selbst für mich ungeeignet, es ist aber ein Bestandteil der Fotoausrüstung. Ich nehme es sehr gerne, um unterwegs Informationen zu Motiven festzuhalten oder um interessante Motive unterwegs zu fotografieren. Zuhause finde ich die Motive dann über die im Foto integrierten GPS-Daten unter Google-Maps.

Seit wann suchen Sie bei Wettbewerben wie „Blende“ den Wettstreit und was ist Ihre Motivation?

Ich nahm gleich zu Beginn meiner Fotografie an solchen Wettbewerben teil. Dies ist eine sehr gute und vor allem ehrliche Art herauszufinden, wie gut die eigenen Fotos beim Betrachter ankommen. So erkennt man auch im Laufe der Zeit eine Art Entwicklung in seiner „Arbeit“.

Was motiviert und begeistert Sie speziell an unserem Fotowettbewerb „Blende“?

Meine Motivation speziell bei der Blende ist sehr vielfältig. Richtig klasse ist die regionale Wirkung durch die Tageszeitung, das ist im Erfolgsfall richtig gute Werbung. Des Weiteren bringt mich der Wettbewerb fotografisch weiter. Für mich sind das sechs Einzelprojekte, welche ich plane und realisiere. Durch das festgelegte Abgabedatum hat man ein Ziel vor Augen und die Planungen verlaufen nicht im Sande. Natürlich sind die tollen Preise im Blende-Wettbewerb eine zusätzliche Motivation, welche im Glücksfall jeden begeistert! Alles in allem ist der Blende-Wettbewerb für mich das Highlight des Jahres.

Welchen Tipp können Sie Ihren Mitstreitern für „Blende“ geben?

Hast du nur 4 Fotos, die dir zu den ausgegebenen zwei Themen gefallen, gib trotzdem 6 Fotos ab!

Was sind Ihre fotografischen Ziele?

Langfristig habe ich das Ziel, eine Art Handschrift in meinen Fotos zu finden. Ein sehr hohes Ziel, aber auch der Weg dorthin wird sicher nicht langweilig. Kurzfristig möchte ich mich in allen Bereichen und durch jedes Projekt verbessern und dazu lernen. Außerdem habe ich geplant, möglichst bald eine Internetpräsenz zu erstellen, denn momentan sind meine Fotos nur unter dem Pseudonym ‘Berndinho’ in der Fotocommunity zu finden. (http://www.fotocommunity.de/fotograf/berndinho/1809985)

Portfolios 05 / 2015

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1 Kommentare

Spitzen Bilder von Bernd Mayer auf dieser Seite.

von Reinald Will
27. Mai 2015, 19:35:31 Uhr

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