Blende-Nachwuchsfotograf Jonas Oelke

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Ihn fasziniert an der Fotografie das Gesamtpaket – Das Klick-Geräusch, die tollen Bilder, der Austausch

Beim Fotowettbewerb „Blende 2015“ erzielte der Nachwuchsfotograf Jonas Oelke (17 Jahre) mit seiner Aufnahme „Geh wählen!“, die er zur thematischen Vorgabe „Auf der Straße“ einreichte, den 6. Sonderpreis und konnte damit ein deutlich besseres Ergebnis als im Vorjahr einfahren. Für den 17-jährigen Schüler aus Sundhagen ist die digitale Nachbearbeitung ein grundlegender Bestandteil seines Fotohobbys. Er vergleicht die digitale Bildbearbeitung mit dem Entwickeln von Aufnahmen wie seinerzeit in der Dunkelkammer. Für ihn ist die Unterscheidung wichtig zwischen der kunstvollen Produktion eines Bildes in Photoshop und der Aufnahmekunst mit der Kamera. An der Fotografie schätzt er zudem den Austausch mit anderen Fotobegeisterten.

Was war es für ein Gefühl, als Dich die Nachricht erreichte, dass Du bei “Blende 2015” den 6. Sonderpreis gewonnen hast?

Ich war gerade in Dresden, habe dort als Fundraiser einen Ferienjob gemacht und plötzlich erreichte mich auf WhatsApp ein Bild. Zu sehen ist die Galerie der Blende-Gewinner. Meine erster Gedanke war wahrscheinlich irgendwie so „Was? Ich? Und dann auch noch 6. Platz? Wie cool! Mega!“ – Also insgesamt habe ich mich riesig gefreut. Ich habe letztes Jahr mit dem Bild „Schweriner Schloss“ unter den Sonderpreisträgern den 45. Preis gewonnen und hatte insgeheim gehofft, dass ich es auch dieses Jahr unter die Preisträger schaffe, aber um nicht enttäuscht zu sein, mache ich mir meistens nicht ganz so große Hoffnungen. Umso größer war dann die Freude, den 6. Platz gemacht zu haben. Das Geniale dabei ist, dass ich genau den richtigen Preis erwischt habe. Ich habe eine sehr gute Beziehung zu Olympus und fotografiere seit 2014 ausschließlich mit dem OM-D System. Eine Tough stand schon auf dem Wunschzettel großer Träume. Daher ist der Gewinn einer TG-4 für mich sogar der erste Preis, denn mit besser platzierten Preisen hätte ich nicht so viel anfangen können.

Wie bist Du auf Dein Motiv „Geh wählen!“ gestoßen?

Es war ziemlich spontan. Wir waren in Hamburg, meine Eltern wollten in der Einkaufspassage am Hauptbahnhof noch was erledigen und ich hab mir so gedacht „Okay, dann mach ich jetzt eben bisschen Street“ – es war wirklich sehr viel Ausschuss dabei, aber eben auch ein paar echt coole Bilder. Von dem Motiv habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, auch noch eine Aufnahme gemacht.

Was war für Dich die größte Herausforderung bei diesem Foto?

Größte Herausforderung? Es gibt Bilder, bei denen muss man sich echt reinhängen und viel probieren und basteln … und dann gibt’s wieder andere, da stimmt alles beim ersten Mal. Meistens sind diese Bilder, die nebenbei und nebenher entstehen, viel cooler als die eigentlich geplanten. Deshalb mache ich bei Shootings sehr gerne Making-Ofs. Dieses Bild war eines dieser Bilder, die auf Anhieb gefallen.

Was begeistert Dich selbst an Deiner Aufnahme „Geh wählen!“?

:D … Das sind alles so schwere Fragen, ich bin da eher so ein Bauchgefühl-Mensch, entweder es gefällt mir oder eben nicht. Ich könnte jetzt eine umfangreiche Bildaussage hinein dichten und erzählen, wie wichtig es ist, wählen zu gehen und das politisches Engagement nicht zu verachten ist und all so etwas. Ich mag das Bild einerseits, weil es Schwarzweiß ist. Ich bin ein absoluter Schwarzweiß-Mensch. Ansonsten wahrscheinlich auch, weil es mich zeigt. Nicht direkt, aber meinen Schatten. Und ich find Füße toll. Ich habe unglaublich viele Bilder von Füßen, davon will ich irgendwann mal eine Serie machen und da passt dieses Bild sehr gut rein.

Du gibst an, seit drei Jahren ernsthaft zu fotografieren, also so richtig mit 14 Jahren angefangen zu haben. Wie bist Du zur Fotografie gekommen und was begeistert Dich daran?

Als ich etwa 10 war meinten meine Eltern, dass ich mir irgendein Hobby suchen solle, etwas das Spaß macht und mich fasziniert. Dann hab ich immer mal wieder mit der Kamera meiner Eltern gespielt (eine steinalte Bridgekamera). Mit 11 bin ich dann in den Fotokurs an unserer Schule eingetreten. Die Leiterin hatte eine D40 / D90 mit denen wir auch mal fotografieren durften – dieses „Klick“-Geräusch der beiden Kameras hat mich fasziniert und in den Bann gezogen. Mir ging es weniger um das Foto, sondern vielmehr darum, dieses Geräusch zu hören. Wir sollten auch unsere Kameras von Zuhause mitbringen. Da meine Eltern mir nicht ihre Kamera mitgeben wollten, habe ich unsere analoge Spiegelreflex von Canon mitgenommen (mit Automatik-Modus) und ich habe als einer der wenigen meiner Generation die ersten Fotoerfahrungen mit analog gemacht.

Irgendwann reichte das alles mit der Automatik nicht mehr aus, ich wollte was anderes machen, nicht mehr einfach nur drauf drücken, sondern auch coole Bilder. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mit der Automatik ein Objektiv mit Blende 1.8 fotografiert habe. Das sah cool aus, als ob es schweben würde. Davon wollte ich mehr! Dann haben wir ganz viel rumexperimentiert und durch learning-by-doing habe ich dann die Zusammenhänge zwischen Blende, Belichtungszeit, ISO und Weißabgleich gelernt. Was mich an der Fotografie begeistert? Einerseits wie schon angesprochen das Klick Geräusch, andererseits aber auch das Quatschen mit andere Fotografen, die ebenfalls diese Faszination und Leidenschaft teilen. Dieses immer wieder was Neues dazu lernen sich unterhalten … – der kommunikative Aspekt ist mir dabei sehr wichtig! Es ist auch toll, ein Foto zu machen, dass wie dieses andere Menschen und ich natürlich auch toll finden – ich glaube, irgendwo ist es das Gesamtpaket, das mir die Fotografie bietet. Das Klick-Geräusch, die tollen Bildern und der Austausch mit anderen.

Kannst Du Dich an Deine erste Kamera erinnern?

Meine erste eigene Kamera war eine Fujifilm AX220 – eine für das Format „Kompaktkamera“ noch recht große, weil nicht sonderlich moderne Kamera, aber ausreichend, um erste Erfahrungen zu sammeln. Mittlerweile arbeite ich mit dem OM-D System von Olympus und habe oft eine analoge Werra (vollmechanisch) mit Schwarzweiß Film dabei – das ist einfach was komplett anderes, man lernt den Wert, den ein einzelnes Foto hat, viel mehr zu schätzen.

Wie stehst Du der Fotografie mit dem Smartphone gegenüber?

Das kommt ganz drauf an in welcher Situation. Die Smartphone-Kameras werden immer besser und speziell die der iPhones können beachtliche Qualitäten vorweisen, das geht sogar so weit, dass es jetzt schon Workshops gibt, die sich speziell an iPhone-Fotografen richten. Aufgrund der kleinen Sensorgröße ist es kaum möglich, ein Motiv freizustellen, aber besonders in der Landschaftsfotografie ist das doch gar nicht von Nöten. Da freut sich doch der Fotograf, wenn alles scharf ist. Solange die Lichtverhältnisse gut sind, gibt es auch kein Problem mit Bildrauschen, da kann man fast kaum noch erkennen, ob das Bild jetzt aus dem Handy oder einer DSLR stammt. Schwierig wird es in dunkeln Lichtsituation oder wenn Freistellmöglichkeiten (beispielsweise in der Porträt-Fotografie) gefordert sind. Da können die Handykameras einfach (noch) nicht mithalten. An den Smartphones schätze ich jedoch sehr, dass sie die Möglichkeit bieten, seine Fotos schnell und einfach Familie und Freunden verschicken zu können – da kommt mir die WLAN-Funktion der TG-4 sehr entgegen ;-)

Welchen Rat kannst Du all jenen mit auf den Weg geben, die als Einsteiger die Fotografie für sich entdecken?

Spaß haben! Das ist wohl das Wichtigste, dann kommen die guten Bilder bald von ganz alleine. Immer offen für Neues sein, sei es Technologien, Perspektiven, Hinweise … Wer ein ehrliches Feedback zu Bildern haben will, sollte auf gar keinen Fall Familie oder Freunde fragen, da sie meistens a) keine Ahnung haben und b) meist nur Bravo geben. Das ist zwar gut für das Ego und muss auch mal sein, aber wenn man konstruktives Feedback will, einfach an Leute wenden, die Ahnung haben, deren Bilder man selbst cool findet o.ä.. Ich gebe gerne ein Feedback zu Bildern anderer und höre mir auch gerne Feedbacks zu meinen Bildern an. Da kommen oft Dinge bei raus, auf die man selber nie gekommen wäre! Gerne kann man auch mir einen Link zu seinem Portfolio schicken und ich gebe meine Eindrücke weiter.

Wichtig ist, denke ich, hier auch noch Foto-Gruppen in sozialen Netzwerken anzusprechen: Fluch oder Segen? Darüber könnte man sicher einen seitenlangen Essay schreiben, aber kurz gesagt, finde ich, dass man dort nur Bilder reinstellen sollte, wenn man emotional stabil ist und mit harter (und manchmal unsachlicher) Kritik umgehen kann. Man läuft besonders als Anfänger Gefahr, von irgendwelchen Möchtegern-Profis so einen auf den Deckel zu kriegen, dass man unter Umständen die Lust am fotografieren verliert – das ist nicht Ziel der Sache!

Wie wichtig ist Dir die digitale Nachbearbeitung der Bilder, beispielsweise mit Photoshop oder Lightroom?

Für mich gehört es mit dazu. Ich nehme meine Bilder ausschließlich in RAW auf, dadurch bedingt entfällt die Entwicklung der Kamera in ein JPEG und die Farben sind meistens etwas flauer. Farben und Kontraste entwickle ich für jedes Bild im Nachhinein in Lightroom (dort läuft bei mir auch die ganze Verwaltung darüber) – das nenne ich dann nicht bearbeiten, sondern entwickeln, wie man es damals in der Dunkelkammer gemacht hat. Dann gibt es noch die Retusche, die ganz gerne zur Bearbeitung zählt und in der Mode- und Fashion-Fotografie sicher nicht wegzudenken ist. Es kommt einfach immer auf den Verwendungszweck der Bilder an. Manchmal will man es natürlich, dann lieber nicht so viel bearbeiten und retuschieren, und manchmal eben „wie auf den Star-Magazinen“. Ich bin der Meinung, dass kleine Pickel oder Makel, die nur temporär auf dem Körper vorzufinden sind, auch mit gutem Gewissen retuschiert werden können, andere Dinge, die zu einem Menschen dazu gehören dafür nicht.

Man sollte auch unterscheiden können zwischen der Kunst, ein Bild in Photoshop produzieren zu können und der Kunst, ein Bild mit der Kamera aufzunehmen. Beides erfordert viel Können sowie Erfahrung und ich bin immer wieder begeistert von Composings, die manche Menschen mal kurz in Photoshop zusammenbasteln und ich Rätsel immer noch, wie ich den Mülleimer nun am besten wegstempele. Wenn sich jemand bereit erklärt, mir Photoshop für Dummies mal näher zu bringen, wäre das ein Traum :D

Wo siehst Du Deine fotografischen Schwerpunkte und welche Motive haben es Dir aus fotografischer Sicht am meisten angetan?

Anhand meiner eingereichten Bilder bei Blende kann man schon sehen, dass ich sehr vielfältig fotografiere. Aktuell hat es mir aber sehr die Peoplefotografie angetan. Da spielt wieder der kommunikative Aspekt eine Rolle. Aber auch Lightpainting finde ich faszinierend.

Hast Du aktuelle Fotoprojekte oder was sind in nächster Zeit Deine fotografischen Ziele?

Anfang Juni steht das Fotofestival Horizonte Zingst an. Dort werde ich für Olympus am Fotomarkt tätig sein und mit vielen Fotografen in Kontakt treten. Dann steht noch ein Shooting auf dem Rapsfeld an, da muss ich mich beeilen, bevor ich die Zeit verpasse. Da ich nun in der 11. Klasse bin, wird die Zeit zwischen Schule, lernen, entspannen und fotografieren oft eng, aber das erholt sich sicher auch wieder.

Wo holst Du Dir fotografische Anregungen?

Ich treibe mich gerne auf Pinterest rum oder schaue bei Fotografen, die ich verfolge, gerne nach neuen Ideen. Oft kommen auch meine Mitschüler zu mir: „Du Jonas, schau mal, das Bild finde ich toll – können wir sowas auch mal machen?“ Und manchmal kommen kreative Ergüsse einfach vor Ort – da bin ich auch ein sehr spontaner Mensch.

Was begeistert Dich speziell an unserem Fotowettbewerb “Blende”?

Die Vielzahl und hohe Qualität der Preise, die Möglichkeit, seine Bilder einem breiten Publikum zu zeigen, und dass ich nun schon zum zweiten Mal dabei bin ;-). Mich begeistert auch jedes Mal wieder die hohe Qualität der Aufnahmen in den Gewinner-Galerien!

Welchen Tipp kannst Du Deinen Mitstreitern für “Blende” geben?

Einfach dabei sein! Gute Bilder machen reicht heutzutage alleine nicht mehr aus (auch wieder so ein Essay Thema), und mit Blende bekommt jeder Teilnehmer die Möglichkeit, seine Bilder zu präsentieren und woher will man wissen, ob sein Bild eventuell prämiert worden wäre, wenn man nicht mitgemacht hat?

Portfolios 05 / 2016

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