Cmoon View studiert mit der Fotografie die Welt um sich herum

© Cmoon View, 2176 m.ü.M
© Cmoon View, 2176 m.ü.M
Cmoon View zählt zu den Teilnehmern von „Blende 2015“. Wir sind mit ihr in Kontakt getreten, weil uns ihre Langzeitbelichtungen faszinieren. Dabei erfuhren wir, dass Cmoon View erst seit vier Monaten der Fotografie nachgeht, also in dem Sinne ein blutiger Einsteiger ist. Ihre Fotografien sprechen für uns eine andere Sprache, die annehmen lässt, dass hier ein Altmeister am Werk ist.

Warum treten Sie mit einem Synonym und nicht mit Ihrem richtigen Namen auf?

Ich bin geschieden und behielt meinen Nachnamen, damit mein Kind gleich wie ich heißen kann. Bis vor Kurzem fertigte ich unter anderem fotorealistische Bleistift-Zeichnungen an, wofür ich mir einen Künstlernamen (cmoon ink) zulegte, der meinen Vornamen abgeändert wiedergibt und aufs Zeichnen hinweist. Fotografie ist eine andere Kunstform, ein anderes Handwerk, also benutze ich einen zweiten Künstlernamen, um die beiden Bereiche separat zu präsentieren. Cmoon View lässt ebenfalls auf meinen Vornahmen schliessen, stellt eine Verbindung zu meinem ersten Künstlerbereich her und beinhaltet das englische Wort für Sicht; in meinen fotografischen Projekten zeige ich meine Sicht von der Welt.

Cmoon View, Sie fotografieren, wie Sie uns sagten, seit vier Monaten. Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

© Cmoon View, flower bath
© Cmoon View, flower bath
Ich bin durch meinen Lebenspartner zur Fotografie gekommen, welcher ziemlich schnell vom „Virus“ angesteckt wurde. Erst war es mir zu viel, dann entschied ich mich dafür, mich auch mit der Materie zu befassen, um zu verstehen, was ihn daran so fasziniert. Er hat ein offenes Ohr für mich, erklärte mir die Technik geduldig, brachte mir das Mehrfachbelichten bei und gab mir Hilfestellungen bei der Photoshop-Benutzung. Das Kreative liegt mir im Blut (ich wurde als Kind zeichnerisch und handwerklich von meinen Eltern gefördert), das Technische musste ich mir erst aneignen. Und es faszinierte mich. Mittlerweile begeistert sich auch unser 8-jähriger Sohn für die Fotografie. Er und unser Hund sind bei unseren Fototouren ebenfalls dabei.

Warum nimmt die Fotografie für Sie aktuell einen höheren Stellenwert ein als das Zeichnen?

Da wir unsere Touren am Wochenende planten, auch als Familienausflüge, blieb mir immer weniger Zeit zum Zeichnen. Mein Lebenspartner steckte mich quasi an und ich sah die Vorzüge der Fotografie für mich. Die Fotografie hilft mir jedoch auch bei der zeichnerischen Entwicklung, ohne dass ich einen Stift in die Hand nehmen muss, weil ich durch die Fotografie die Welt um mich studiere, mich intensiv mit Licht und Schatten sowie Farben zu unterschiedlichen Tageszeiten befasse.

Abends war ich oft zu müde, um mich an meinen Zeichnungstisch zu setzen, mit dem Laptop auf dem Sofa liegend mag ich hingegen stundenlang in die Nacht hinein kreativ sein. Der digitale Workflow hat es mir auch angetan: Im Photoshop kann ich mit wenigen Klicks zurückgehen, beim Zeichnen dauert dies viel länger, manchmal muss ich neu beginnen, weil die Arbeitsschritte vom Papier nicht gespeichert werden und ein Flecken eine 30-stündige Arbeit zunichte machen kann. Wie immer bei meiner Kreativität habe ich Schaffenspausen, das Zeichnen wird zu gegebener Zeit wieder mehr Platz in meinem Leben finden.

Was fasziniert Sie an der Fotografie und was bewerten Sie an ihr nicht so positiv?

© Cmoon View, Lakeside
© Cmoon View, Lakeside
Es ist so vieles, warum mich die Fotografie begeistert. Mittlerweile gehört dieser Bereich fest zu meinem Alltag. Die Fotografie vermag es zudem, für aktuelle Themen zu sensibilisieren. Ein ganz wichtiger Punkt für mich. Es bedarf keiner Worte, um auf Themen aufmerksam zu machen. Faszinierend finde ich an der Fotografie zudem, wie schnell man etwas ablichten kann und wie viele Möglichkeiten für Aufnahme und Bearbeitung existieren. An der Fotografie schätze ich ebenfalls, draußen zu sein, zu reisen, neue schöne Orte auf der Welt zu entdecken. So verbrachten wir unsere letzten Ferien an der Jurassic Coast, UK, tagsüber mit Fossilien suchen, abends mit fotografieren.

Stören tut mich eigentlich nicht viel daran. Es gibt für alles Möglichkeiten und die Technik wird ständig optimiert. Z.B. ist mein Blickfeld grösser als mein Objektiv (Canon 17-40, Kamera Canon 5d mark iii), aber mit Software kann ich einzelne Aufnahmen zu Panoramen zusammenfügen, um mehr zu zeigen. Nun brauche ich einen Nodalpunktadapter, weil ich Perfektionistin bin und wenn ich was mache, möchte ich es richtig machen. Die Preise für Fotoausrüstung sind leider sehr hoch.

Sie sind ja selbst noch fotografischer Einsteiger – auch, wenn Ihre Bilder eine andere Sprache sprechen. Was können Sie Einsteigern mit auf den Weg geben?

Das Internet ist voll mit Tipps, Tutorials, Foren, Gruppen, Workshops, Fotomagazinen, wo man sehr viele Inputs zu allen möglichen Themen der Fotografie findet und sich austauschen kann. Hilfreich ist es auch, wenn man mit erfahrenen Fotografen zusammen shooten kann. Aus meiner Sicht ist es am Anfang egal, was für eine Kamera man hat. Ein Gefühl zu entwickeln für gute Aufnahmen, hat vor allem mit Kreativität und Lernwillen zu tun. Mit der Zeit stößt man jedoch bei der Technik an Grenzen (z.B. Rauschverhalten, Schärfe, Ausschnittsgröße, etc.), so dass eine teurere Ausrüstung eine Überlegung wert ist. Ich denke, eine gute Aufnahme besteht aus verschiedenen Faktoren, die mal mehr, mal weniger eine Rolle spielen: Kreativität, Ausrüstung, Planung/Timing, Licht, Nachbearbeitung, Leidenschaft, Gefühl, Erfahrung, Sujet, Model (Tier, Pflanze, Mensch, etc.), Bildausschnitt. Und Zeit. Fotografieren braucht Zeit, die man darin investiert.

Wie planen Sie Ihre Familien-Fototouren?

© Cmoon View, serenity
© Cmoon View, serenity
Diese planen wir mittlerweile sehr intensiv. Durch den Stand der Technik (Internet und Apps, GPS) informieren wir uns vorab über schöne Locations, Wetter, Sonnen-, Mond-, Milchstraßen-Standort, mobile Karten, etc. Vor Ort erkunden wir die Umgebung, und wenn mein Gefühl mir sagt, dass es an einem Ort sehr schön ist, packe ich mein Equipment aus und beginne zu fotografieren. Nach Probeaufnahmen prüfe ich mittels LiveView, was mir gefällt, und ändere Einstellungen oder Perspektive dementsprechend oder habe Wünsche, wie ich meine Ausrüstung ergänzen möchte.

Anfangs nahm ich von den Ausflügen mehrere hundert Fotos mit nach Hause, mittlerweile sind es viel weniger, weil ich genauer weiß, wie ich fotografieren muss, damit mich ein Foto für die Nachbearbeitung reizt. Ich bearbeite Fotos genauso gerne wie ich die Kamera nutze. Ein Minimum an Nachbearbeitung finde ich wichtig, z.B. schärfen, Weißabgleich, Rauschreduzierung, Kontrast herausarbeiten und Zuschnitt.

Sie sagten, Sie kreieren gerne Dreamscapes – worin liegt für Sie das Reizvolle?

Ich kreiere manchmal gerne Dreamscapes, und zwar immer dann, wenn mich eine Landschaft mit ihrer Schönheit einfach überwältigt und ich alle schönen Elemente vom selben Ort zu unterschiedlichen Tageszeiten in ein einziges Foto integrieren möchte, anstelle eines Filmes oder einer Bilderreihe. Die Feedbacks darauf freuen mich sehr, weil ich den Menschen eine Auszeit vom Alltag bieten kann und sie zum Nachdenken und Träumen animieren darf.

Was ist Ihr fotografisches Motto?

© Cmoon View, silver sea
© Cmoon View, silver sea
Ich fühle mich noch als Einsteiger und mache ständig die Erfahrung, dass man in der Fotografie nie auslernt. Geduld, ich muss sie eventuell noch mehr verinnerlichen, muss man mit sich selbst haben – Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Mein Lebenspartner schenkte mir zum Beispiel zum Geburtstag Haida Filter (Pol-, Verlaufs- und ND Filter) mit Halter, was ich später noch mit dem Little Stopper von Lee ergänzte. Anfangs schob ich Krisen, weil ich im Kopf Vorstellungen hatte, die ich umsetzen wollte, aber durch meine mangelnde Technikerfahrung zu den kurzen Sonnenauf- und Untergangszeiten (für mich das schönste Licht, um zu shooten) nur begrenzt Zeit hatte, Bilder aufzunehmen. Ich probierte einfach rum und mittlerweile verstehe ich die Filterhandhabung besser, so dass ich meine Vorstellungen umsetzen kann. Mein Auge, die Fotos und die Landschaften geben mir Rückmeldungen, und ich passe Einstellungen an, bis es mir passt. Auch hier spiele ich bei der Nachbearbeitung gerne mit den Möglichkeiten: Lang-und Kurzzeitbelichtungen kombinieren, Tag- und Nachtaufnahmen vereinen. Auch bei der frühen Fotografie experimentierten die Fotografen sowohl beim Ablichten, wie bei der Entwicklung. Ich mache dies digital.

Wo holen Sie sich fotografische Anregungen?

Mich inspirieren Fotografien von anderen, ohne diese zu kopieren. Für mich bedeutet es eine Auseinandersetzung mit dem, was ich sehe. Ich frage mich, warum mich gerade diese Aufnahme anspricht. Auf diese Art und Weise lernt man immer weiter dazu. Zudem mag ich den Austausch mit anderen Fotobegeisterten. Ich suche gerne unberührte, spezielle Natur und wenn ich schöne Orte abgebildet sehe, möchte ich am liebsten sofort dort hin.

Wo sehen Sie derzeit Ihren fotografischen Schwerpunkt?

© Cmoon View, when roses start to grow
© Cmoon View, when roses start to grow
Definitiv in der Landschaftsfotografie, vor allem in Kombination mit Wasser. Die Natur ist so unglaublich schön und hinterlässt bei mir viele Eindrücke. Die Dreamscapes entwerfe ich gerne, wobei ich keine nicht am Ort existierende Objekte hinzufüge, sondern nur die schönsten Elemente der auf Stativ aufgenommenen einzelnen Belichtungen miteinander verbinde. Ich mag auch Lost Places und die Schwarzweißfotografie.

Im Netz werden vielfach Diskussionen geführt, dass Frauen anders als Männer fotografieren – Wie sehen Sie das?

Ich kann hauptsächlich von mir sprechen und von den Fotografinnen in meinem Umfeld: Wer sich intensiver mit der Fotografie beschäftigt, setzt sich ebenfalls mit der Technik auseinander. Ich habe schon sehr technisch basierte Fotomagazine gekauft, überblätterte dabei jedoch die seitenlangen Berichte über Kamera- und Objektivvergleiche, lese lieber die Artikel über Themen, die mir die technische Handhabung erleichtern und erläutern. Die Liebe zum Detail bei Aufnahmen nehme ich öfters bei Frauen wahr, schwerbepackte Fototouren eher bei Männern. Gute Fotos sind geschlechtsunabhängig. Je nach Fotografie-Bereich werden gewisse Projekte von ganzen Teams umgesetzt, da tragen Männer wie Frauen zu einem erfolgreichen Ergebnis zusammen bei.

Warum suchen Sie bei „Blende 2015“ den Wettstreit und die Herausforderung?

Viele Fotowettbewerbe sind nur für Berufsfotografen und kostenpflichtig. Blende bietet Amateuren und Jugendlichen eine Plattform, was ich sehr schätze. Auch beschränkt sich der Wettbewerb nicht auf einen Zweig der Fotografie, sondern begrüßt ebenso innovative Ideen für Umsetzung und Bearbeitung. Somit haben vielfältige Auseinandersetzungen mit bestehenden und kreierten Realitäten Platz. Ich erhoffe mir beim „Blende 2015“ Wettbewerb Feedbacks und vielleicht neue Perspektiven. Dankeschön auch für die Möglichkeit, hier mein Portfolio vorstellen zu dürfen.

Portfolios 09 / 2015

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2 Kommentare

Super Bilder und Beitrag der mir hilft, die Hoffnung nicht aufzugeben. Noch gehöre ich zu den blutigen Anfängern. Wie ich aber sehe, kann man da bereits großes Leisten. Für mich ein Ansporn.

von Venessa
30. September 2015, 17:46:50 Uhr

Sehr interessanter und aufschlussreicher Artikel, der für eine Einsteigerin sehr viel Wissen beinhaltet und aufzeigt und ihre Begeisterung am Thema spüren lässt.

von Meier Jeannette
24. September 2015, 10:47:15 Uhr

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