Constanze Weigel - Herzens-Fotoprojekt der Aufklärung

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In der bundesweiten Endausscheidung von „Blende 2015“ erreichte Constanze Weigel mit Ihrer Aufnahme „Die verschwundene Puppe“ den 79 Platz. Die Aufnahme, die sie zur thematischen Vorlage „Zahn der Zeit“ einreichte, spiegelt gleichsam das Vergessen und den Verfall des Geliebten wider. Die Fotografin aus der Lutherstadt Wittenberg fotografiert seit ihrem 5. Lebensjahr – angefangen hat alles mit einer Einwegkamera, später folgte eine analoge Kompaktkamera und heute ist sie digital unterwegs. Constanze Weigel hat ein Herzensprojekt. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihren Fotografien das Moebius Syndrom, das bei Patienten zur beidseitigen Gesichts – und Augenmuskellähmung führt, deutlicher in den Fokus unserer Gesellschaft zu rücken.

Wie viel Planung und Vorbereitung steckt in Ihrer Aufnahme „Die verschwundene Puppe“?

Bei diesem Bild hatte ich das Glück, ein Model zur Hand zu haben, mit dem ich genau dieses Thema umsetzten wollte. Da fiel die Modelsuche schon mal weg. Der geeignete Ort musste nur noch gesucht werden und dann ein passender Shootingtermin. An der Location angekommen, entstand die Aufnahme ganz schnell.

Wie sind Sie auf Ihr Motiv „Die verschwundene Puppe“ gestoßen und was war ihr Ansporn für diese Aufnahme?

Die verschwundene Puppe sollte den Verfall des Geliebten, aber auch gleichzeitig das Vergessen widerspiegeln. Wir alle hatten ein Objekt in der Kindheit, das wir geliebt haben und das wir irgendwann vergessen haben. Oft werden diese Objekte auf Kinderfotos wieder entdeckt und man fragt sich, was daraus geworden ist.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen und was begeistert Sie daran?

Meine erste Wegwerfkamera hab ich im Kindergarten bekommen. Da war ich gerade erst mal 5 Jahre alt. Zum großen Teil hab ich nur Füße fotografiert. Einige Jahre später hab ich dann meine erste Kompaktkamera bekommen und war immer ganz aufgeregt, wenn ich die entwickelten Filme abholen konnte. Die Spannung wie die Bilder geworden sind, hat mich teilweise nicht mal mehr schlafen lassen. Mit meiner ersten Digitalkamera ist genau diese Spannung weggefallen aber die Faszination blieb.

Wo sehen Sie Ihre fotografischen Schwerpunkte und was ist für Sie die größte Herausforderung?

Ich möchte Bilder schaffen, die ein eigene Geschichte erzählen und zum Träumen einladen. Die größte Herausforderung in der Vergangenheit war, geeignete Models zu finden, die mit mir zusammen arbeiten möchten. Oft habe ich keine gefunden oder mir wurden die Shootings kurzfristig abgesagt. Des Weiteren bin ich dabei, mein Herzensprojekt umzusetzen. Mir ist es ein großes Anliegen, das Moebius Syndrom bekannter zu machen. Das Moebius Syndrom äußert sich in den meisten dokumentierten Fällen durch eine beidseitige Gesichts – und Augenmuskellähmung, gekoppelt mit weiteren z.T. breit gefächerten Anomalien. Das klassische Erscheinungsbild eines Moebius Patienten ist gekennzeichnet durch die komplett fehlende Gesichtsmimik, ein fast maskenartiges Gesicht. Diese besonderen Gesichter möchte ich in einzigartigen Portraits festhalten. Mit diesen Bildern möchte ich gerne eine Ausstellung machen, um auf dieses seltene Syndrom aufmerksam zu machen. Denn nur was der Mensch kennt, kann er zuordnen. Ich hoffe, damit eine größere Akzeptanz in der Gesellschaft zu schaffen.

Haben Sie fotografische Vorbilder – Woher holen Sie sich Ihre Inspiration?

Meine zwei größten Vorbilder sind Laura Helena Photography und Sonja Saur. Beide schaffen mit ihren Bildern nicht nur eigene Geschichten sondern auch eigene Welten. Ich kann mir ihre Bilder stundenlang anschauen und vergesse für einen Moment alles um mich herum.

Wie stehen Sie der Fotografie mit dem Smartphone gegenüber?

Richtig aufwendige Kompositionen haben auch eine richtige Kamera verdient, aber oft, im Privaten ist es doch schön schnell, ein Foto zu machen und der Familie oder Freunden zu schicken. Man verpasst viele tolle Ereignisse nicht mehr, weil man dank Smartphone an viel mehr teilhaben kann. Man sollte nur vorsichtig sein mit den modernen Medien und nur preisgeben, was man auch noch Jahre später im Netz sehen möchte.

Welchen Rat können Sie all jenen mit auf den Weg geben, die als Einsteiger die Fotografie für sich entdecken?

Am Anfang gibt es oft mehr Kritik als Lob und genau daraus sollte man lernen. Ich finde eine gute Kritik bringt einen weiter. Man sollte viel ausprobieren und seinen eigenen Stil finden. Man sollte vielen Fotografen folgen und das Beste von jedem erlernen und umsetzten. So entwickelt man mit der Zeit seinen eigenen Stil.

Wie wichtig ist für Sie die digitale Nachbearbeitung der Bilder, beispielsweise mit Photoshop oder Lightroom?

Ich arbeite mit Lightroom gar nicht und nutze nur Photoshop. Da versuche ich aber auch nicht zu stark in die Trickkiste zu greifen. Der große Teil meiner Bilder soll natürlich, verträumt wirken. Bei dem einen oder anderen Bild mache ich auch eine Ausnahme und versuche etwas Magisches ins Bild zu zaubern.

Was begeistert Sie speziell an unserem Fotowettbewerb “Blende”?

Mich reizt besonders, dass so viele mitmachen und dass man zwischen verschiedenen Themen wählen kann.

Welchen Tipp können Sie Ihren Mitstreitern für “Blende” geben?

Nicht lange überlegen. Einfach mitmachen!

Constanze Weigel betreibt eine eigene Facebookseite, die noch tiefere Einblicke in ihre Schaffenskraft bietet.

Portfolios 07 / 2016

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