Dennis Stracke

Es ist immer wieder faszinierend, wie man die Umwelt mit anderen Augen sieht, wenn man sie durch das Okular der Kamera wahrnimmt

Dennis Stracke
Dennis Stracke
Dennis Stracke hat vor zwei Jahren eher durch Zufall die Fotografie mit ihren Möglichkeiten für sich entdeckt, weil er nach seinem Umzug schicke Bilder für seine Wände wollte. Er lieh sich eine Kamera und seitdem fesselt ihn die Fotografie mit ihren Möglichkeiten. Er wollte wissen, wie anderen seine Bilder gefallen sowie berühren und nahm bei „Blende“, Europas größtem Fotocontest für Amateurfotografen, den Wettstreit und die Herausforderung an. Er wusste die Juroren der bundesweiten Endausscheidung von „Blende 2014“ zu überzeugen und belegte den 22. Platz. Wir haben nachgefragt.

Herr Stracke, nach Ihrer Auskunft fotografieren Sie erst seit zwei Jahren, also seit 2013 – was war das für Sie für ein Gefühl, als Sie die Nachricht erhielten, dass Sie bei „Blende 2014“ in der bundesweiten Endausscheidung den 22. Platz belegen?

Ja genau, ich habe die Fotografie im Oktober 2013 entdeckt – ich kann mich noch genau an diesen Moment erinnern. Als ich erfahren habe, dass ich in der Endauswahl stehe und dann auch noch auf 22. Platz, musste ich erstmal zweimal hingucken. Es wurden so viele tolle Bilder eingereicht und ausgerechnet meine Spielerei mit der Stahlwolle hat es so hoch geschafft. Die Freude war riesig gewesen.

Aus unserer Sicht haben Sie mit Ihrem Lebensalter von leicht über 30 die Fotografie erst sehr spät entdeckt – wie sind Sie zur Fotografie gekommen und warum erst so spät?

© Dennis Stracke, Hamburger Hafen und Elbe Blaue Stunde
© Dennis Stracke, Hamburger Hafen und Elbe Blaue Stunde
Das Ganze kam eher durch Zufall. Wir sind umgezogen im Sommer 2013 und ich wollte gerne für meine 4 Wände schicke Bilder haben. Es sollte aber keine von der Stange sein und ich wollte was Besonderes haben. Daraufhin hab ich mir eine Pentax geliehen und hab versucht, selber Motive zu finden. Nach der ersten Langzeitbelichtung war ich von der Fotografie gefesselt… und das bis heute.

Was begeistert Sie selbst an Ihrer Aufnahme „Its raining Man“ und was waren für Sie die Herausforderungen, die es zu meistern galt?

Die Herausforderung war bei diesem Bild, es so hinzubekommen, dass alles passt. Die große Pfütze, die Spiegelung, die Funken und natürlich der Schirm. Wir brauchten mehrere Versuche, bis wir es hinbekommen hatten, dass die Funken genauso flogen. Es ist nicht immer einfach, weil wir das Ganze was am Ende ja rauskommt, so nicht sehen konnten. Das Ergebnis ist ja immer erst am Ende auf dem Display der Kamera zu sehen. Und genau das ist das, was mich am Lightpainting so begeistert. Man sieht nix, bis der Spiegel wieder unten ist und dann kommt das große Staunen.

Welchen Tipp können Sie denjenigen geben, die sich das Themengebiet „Lightpainting“ fotografisch erschließen möchten?

© Dennis Stracke, Stein auf Stein an der Ostseeküste
© Dennis Stracke, Stein auf Stein an der Ostseeküste
Viel Zeit mitbringen und auch mal was Neues auszuprobieren. Nehmt alles mit, was leuchtet und blinkt. Fangt an, Euch vorher schon Gedanken zu machen, was man machen könnte. Mein Tipp ist, auf ein Feld zu gehen und das Ganze einfach dort ausprobieren. Das macht so viel Spaß und man wird immer kreativer dabei.

Sie fotografieren mit einer Spiegelreflexkamera – war dies Ihre erste Kamera und warum haben Sie sich für die Fotografie mit der Spiegelreflextechnologie entschlossen?

Nein, es war nicht meine erste Kamera. Ich habe früher schon mit kleinen Digitalkameras Bilder gemacht. Allerdings nur von meinen Hunden und mein Sohn. Hätte ich damals schon gewusst, wie toll die Natur sein kann, wenn man sie durch eine Kamera sieht, hätte ich schon Jahre vorher damit angefangen zu fotografieren.

© Dennis Stracke, Lightpainting
© Dennis Stracke, Lightpainting
Die Entscheidung zur DSLR war einfach gewesen. Die Vielfalt an Zubehör ist riesig, wenn auch nicht immer ganz billig. Was man aber alles mit einer modernen DSLR machen kann, ist gewaltig.

Ja, aber dann fotografieren Sie ja doch schon länger und sprechen für sich erst von der Fotografie, seit Sie mit einer DSLR unterwegs sind. Warum ist dem so?

Das Fotografieren vorher war bei mir mehr ein Knipsen und hatte für mich nichts mit Fotografie zu tun. Es wurde anvisiert und abgedrückt. Meist waren es mehr Erinnerung und Momente, die ich so eingefangen habe. Ich habe mir da noch keinen Kopf über Bildaufbau, Licht, Schärfe, ISO, Blende und so weiter gemacht. Das Motiv war da oder eben auch nicht. Das Bild war innerhalb von Millisekunden gemacht. Es wurden ein paar Bilder gemacht, die irgendwo dann auf der Festplatte verschwanden.

Heute sieht es bei mir anders aus. Ich prüfe im Vorfeld, ob das Wetter passt, wo das Licht zu welcher Zeit ist, ob im Bild irgendwas Störendes im Weg ist, wie der Bildaufbau ist und so weiter. Und natürlich plane ich vorher akribisch, wo ich hinfahre. Da dauert es schon mal bis zu einer Stunde bis man „sein“ Bild hat. Jetzt vergammeln meine Bilder nicht mehr irgendwo auf der Festplatte, sondern schmücken diverse Wände.

Was fasziniert Sie an der Fotografie?

© Dennis Stracke, Die Feuerschlange
© Dennis Stracke, Die Feuerschlange
Es ist faszinierend, wie einfach es teilweise ist, andere Menschen mit einfachsten Aufnahmen zu beeindrucken. Man nehme zum Beispiel einen Fluss. Man sieht Wasser, Sand, Steine und einen Baum, der ins Wasser ragt. Nix Außergewöhnliches, wenn man es so sieht. Aber nachdem man dieses Bild mal 30 Sekunden belichtet hat – und das eventuell sogar am Abend -, dann hat man diesen Wow-Effekt. Diese Farben, das glatte Wasser und diese Ruhe, die dieses Bild dann ausstrahlt.

Es ist immer wieder faszinierend, wie man die Umwelt mit anderen Augen sieht, wenn man sie durch das Okular der Kamera sieht. Teilweise muss ich beim Autofahren schon echt aufpassen, weil ich die Natur jetzt mit ganz anderen Augen sehe, ich mich schnell dadurch ablenken lasse und überlege, wie man diese schönen Wolken am besten aufnimmt…

Was sehen Sie für sich als die größten fotografischen Herausforderungen?

© Dennis Stracke, Lightpainting
© Dennis Stracke, Lightpainting
Das ist schwer zu sagen. Da es noch so viel ist, was ich noch lernen muss und will, kann ich das so speziell jetzt gar nicht sagen. Eine Herausforderung für mich ist zum Beispiel die People-Fotografie. Bis jetzt habe ich mich da noch nicht richtig ran getraut.

Wo sehen Sie Ihre fotografischen Schwerpunkte?

Meine Schwerpunkte sind aktuell die Landschaftsfotografie am Tag und in der Nacht sowie das Fotografieren mit ND-Filtern.

Heute ist vielfach zu lesen, dass die Bedienung von Kameras schwer sei – stimmen Sie dem zu?

© Dennis Stracke, Lightpainting
© Dennis Stracke, Lightpainting
Nein, gerade im heutigen Zeitalter von Google und YouTube ist alles einfacher geworden. Wenn ich mal nicht weiter weiß, guck ich bei YouTube und finde immer das passende Video. Auch Fotoportale wie das hier sind reich an Tipps und helfen weiter.

Fotografieren Sie auch mit dem Smartphone und wenn ja, kann es Ihre Spiegelreflexkamera ersetzen?

Ja, ich fotografiere auch mit meinem Smartphone. Es ist immer dabei und immer bereit. Aber halt nur für Schnappschüsse. Die verbauten Linsen heute sind wirklich TOP. Was heute mit den aktuellen Handys möglich ist, ist schon der Wahnsinn. Allerdings wird das Smartphone nie die Spiegelreflexkamera ersetzen. Dazu fehlt noch eine ganze Menge an Technik.

Sie sind ja selbst noch Einsteiger – was können Sie Ihren Mitstreitern – also den fotografischen Einsteigern mit auf den Weg geben?

© Dennis Stracke, Lightpainting
© Dennis Stracke, Lightpainting
Probiert viel aus und geht raus in die Natur. Versucht, Euch zu Anfang erst mal auf ein fotografisches Thema zu konzentrieren und fangt nicht mehrere Sachen auf einmal an. Guckt Euch auf YouTube Videos zum Thema Fotografie an. Das hilft unwahrscheinlich, zu sehen wie etwas gemacht wird. Bei mir läuft YouTube die ganze Zeit, wenn ich am Rechner sitze. Geht auf Fotoportale wie dieses hier mit einer großen Bandbreite an Themen, die erklärt werden. Mich inspiriert hier auch, dass zudem Fotografen und ihre Arbeiten vorgestellt werden. Daraus ziehe ich mir zum Beispiel meine Vorbilder. Gefallen mir von jemand die Bilder, folge ich dieser Person, um nichts mehr zu verpassen.

Schaut Euch hier auch in den Bildgalerien von „Blende“ rum. Da sind so viele verschiedene Bildideen von den Teilnehmern zu sehen. Das hilft Anfängern bei der eigenen Ideenfindung ungemein weiter, weil sie hier das fertige Bild sehen und sich Schritt für Schritt ran tasten können und neue Ideen ausprobieren können.

Mir hat es zudem geholfen, nicht alleine los zu ziehen. Man hat immer jemand zum Schnacken und man ist nachts nicht alleine unterwegs. Man lernt voneinander und es macht riesig Spaß. Der eine zieht den anderen… Außerdem lernt man neue Leute kennen, wodurch tolle Freundschaften entstehen können.

Was war Ihre Motivation, bei „Blende“ den Wettstreit und die Herausforderung anzunehmen?

© Fotograf: Dennis Stracke, Its raining Man, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Dennis Stracke, Its raining Man, Blende-Fotowettbewerb
Ich habe mitgemacht, weil ich wissen wollte, ob meine Bilder auch anderen gefallen und berühren. Zudem wollte ich wissen, ob ich mit meinen Bildern auch was erreichen kann.

Was begeistert Sie speziell an unserem Fotowettbewerb „Blende“?

Die Vielfalt an Bildern, die eingesendet werden. Es ist beeindruckend, wie weit ein Thema von Fotograf zu Fotograf ausgelegt wird. Man nehme zum Beispiel das Thema “Rot” – was da an unterschiedlichen Bildern eingesandt wurde.

Welchen Tipp können Sie Ihren Mitstreitern für „Blende“ geben?

Einfach mitmachen und Bilder einsenden.

Was sind in nächster Zeit Ihre fotografischen Ziele?

Meine Ziele sind vielfältig – Timelapse (Zeitraffer Aufnahmen), Luftaufnahmen mit Drohnen und People-Fotografie.

Portfolios 08 / 2015

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