Elisa Vollrath

Kein Bild wird so zweimal geschossen – vielleicht ähnlich, aber nie mit denselben Gefühlen

© Fotograf: Elisa Vollrath, Phantom der Stadt, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Elisa Vollrath, Phantom der Stadt, Blende-Fotowettbewerb
Elisa Vollrath ist eine neugierige Autodidaktin, die ihre große Liebe für die Fotografie vor drei Jahren entdeckt hat und dieser mit ihren 16 Jahren intensiv nachgeht. Ihr Großvater schenkte ihr zur Konfirmationen eine Nikon D5300 – „Meine erste richtige Kamera“ wie Elisa Vollrath ausführt. Ursprünglich hat die Nachwuchsfotografin gemalt – das war ihr zu zeitaufwendig weswegen sie jetzt lieber der Fotografie nachgeht. In der bundesweiten Endausscheidung von „Blende 2015“ wurde Elisa Vollrath mit dem 2. Sonderpreis ausgezeichnet. Die Jury würdigte die Aufnahme „Phantom der Stadt“, die von der Schülerin aus Jülich zum Thema „Auf der Straße“ eingereicht wurde, da ihr durch die richtige Wahl des Kamerastandpunktes eine beeindruckende Bildkomposition gelungen ist.

Was war es für ein Gefühl, als Dich die Nachricht erreichte, dass Du bei „Blende 2015“ den 2. Sonderpreis gewonnen hast?

Ich war total überrascht, da ich gar nicht damit gerechnet hatte. Es war ein wirklich tolles Gefühl, so viel Anerkennung für ein Foto zu bekommen. Als ich das Foto dann auf der Webseite gesehen hatte war ich sehr stolz auf mich und habe mich gefreut, im Bereich der Fotografie etwas erreicht zu haben.

Was begeistert Dich selbst an Deiner Aufnahme „Phantom der Stadt“?

Mir persönlich gefällt dieses Bild gut, weil ich es interessant finde und man den Blick nicht sofort abwenden kann und so mindestens einen zweiten Blick darauf werfen muss. Trotz der Tatsache, dass es ein Bild an der Wand ist, sieht es aus wie eine richtige Person, die durch die Stadt läuft. Außerdem mag ich, dass man mit den Augen der türkiesen Linie folgen muss, um von der Person zu der Katze zu kommen, umso das ganze Bild zu sehen.

Was war für Dich die größte Herausforderung bei diesem Foto?

Bei diesem Foto war es wichtig erst einmal dieses Motiv zu entdecken, da in Großstädten so viele Eindrücke auf einen einwirken. Man muss unterscheiden, was durch die Linse der Kamera interessant aussieht. Ich habe auch mehrere Kamerastandpunkte ausprobiert, um das Bild möglichst sehenswert aussehen zu lassen.

Wie bist Du auf Dein Motiv „Phantom der Stadt“ gestoßen?

Das Foto ist in Italien während eines Urlaubs entstanden. Nach der Erkundung der mehr touristischen Straßen bin ich durch die etwas kleineren Straßen gelaufen, habe das Bild an einer Hauswand gesehen und wollte es sofort fotografieren.

Du gibst an, seit drei Jahren zu fotografieren, also mit 13 Jahren angefangen zu haben. Wie bist Du zur Fotografie gekommen und was begeistert Dich daran?

© Elisa Vollrath
© Elisa Vollrath
Ich habe früher viel gemalt, besonders mit Acrylfarbe auf Leinwand. Da ich aber ein sehr ungeduldiger Mensch bin, war es mir mit zunehmender Zeit lästiger und ich habe langsam den Spaß daran verloren. Ich wollte die Kunst aber nicht komplett aufgeben und so kam ich zur Fotografie. Es ist immer noch eine Form von bildgebender Kunst, macht Spaß, man hat viel künstlerische Freiheit und es geht schnell. Man muss aber trotzdem meistens viel Zeit investieren, um gute Ergebnisse zu bekommen. Auf der anderen Seite finde ich, sind ungeplante Schüsse gut von Situationen, die nie wieder kehren. So kann man Momente im Leben festhalten und sich an den Bildern immer wieder in die Momente reinversetzen. Das Faszinierende an Fotografie ist, dass es so viele unterschiedliche Gebiete gibt und jeder so seinen eigenen Stil entwickeln kann, denn kein Bild wird so zweimal geschossen – vielleicht ähnlich, aber nie mit denselben Gefühlen.

Mein Opa war früher ambitionierter Fotograf und unterstützt mich sehr dabei. An meiner Konfirmationen hat er mir eine Nikon D5300 geschenkt. Meine erste richtige Kamera. Zuvor habe ich an Weihnachten eine Kompaktkamera bekommen, aber ich habe mich damit nicht anfreunden können, da man keine Kontrolle über das Foto hat und die Kamera für einen das Bild macht.

Wie stehst Du der Fotografie mit dem Smartphone gegenüber?

Ich glaube nicht, dass man die Fotografie mit dem Smartphone mit der Fotografie einer Spiegelreflexkamera vergleichen kann – es ist einfach ein komplett anderer Ansatz von Fotografie. Smartphone-Fotografie ist nicht dafür gedacht, möglichst grandiose Ergebnisse zu erzielen und das Maximum an Qualität rauszuholen. Vielmehr steht der Aspekt der Dokumentation persönlicher Erinnerungen im Vordergrund und diese dann schnell mit Freunden sowie Familie anzuschauen, aber auch übers soziale Netzwerk zu teilen. Man hat nicht immer eine große Kamera dabei, deswegen ist das Smartphone eine gute Alternative, besonders um Selfies mit Freuden zu machen. Ich glaube, dass das eine schöne Sache ist, aber nie an die Momente mit einer Kamera rankommt, denn mit ihr denkt man mehr über den Moment nach und hat ihn so besser in Erinnerung.

Welchen Rat kannst Du all jenen mit auf den Weg geben, die als Einsteiger die Fotografie für sich entdecken?

Am Anfang habe ich viel im automatischen Modus fotografiert, aber nach einer Weile wurde ich neugierig was die DSLR-Kamera von einer Digitalkamera (Kompaktkamera) unterscheidet und was sich hinter all den Knöpfchen verbirgt. Also habe ich mir Youtube Videos angeschaut und Bücher gelesen, um alles zu verstehen. Ich glaube, der erste wichtige Punkt ist es, neugierig zu sein und sich nicht nur auf den Automatik-Modus zu verlassen. Ich habe viel durch das Equipment von meinem Opa gelernt. Durch seine alten Objektive habe ich gelernt, mit dem manuellen Modus umzugehen. Ich habe kaum mit dem Kit-Objektiv fotografiert, um die Kamera genau zu verstehen. Übung macht den Meister und man darf auf keinen Fall enttäuscht sein, wenn es nicht sofort klappt. Man lernt nie aus! Außerdem muss man sich vor jedem Bild überlegen, was dieses Bild besonders machen könnte und so seine Einstellungen und die Perspektive wählen.

Wie wichtig ist Dir die digitale Nachbearbeitung der Bilder, beispielsweise mit Photoshop oder Lightroom?

© Elisa Vollrath
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Ich glaube, dass durch die digitale Bearbeitung mit Lightroom die Bilder ihren speziellen Touch bekommen. Viele Bilder sehen so viel besser und interessanter aus, wenn man die Farbgebung und Belichtung etwas verbessert. Denn man verändert das Bild eigentlich nicht, man bearbeitet nur die Informationen, die schon im Bild sind. Durch die Nachbearbeitung kann man dem Bild seine persönliche Note verleihen. Allerdings finde ich, dass man seine Bilder so fotografieren sollte, sodass möglichst wenig Korrektur vorgenommen werden muss. Meist fällt es negativ auf, wenn Dinge komplett verändert werden.

Wo siehst Du Deine fotografischen Schwerpunkte und welche Motive haben es Dir aus fotografischer Sicht am meisten angetan?

Da ich immer noch stark in der Phase des Lernens bin, habe ich mich noch nicht wirklich spezialisiert, damit ich in möglichst vielen Bereichen lernen kann. Besonders cool finde ich Makrofotografie, weil man normalerweise nicht so an die Objekte, wie zum Beispiel Blumen und Insekten rankommt und sie so aus einem anderen Blickpunkt sehen kann. Portraitfotografie ist auch super, weil ich meine Freunde und meine Familie mit schönen Bilden von ihnen selber beglücken kann. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Ich mag wirklich viele Bereiche, wie zum Beispiel auch Reisefotografie oder Streetphotography. Aber was ich nicht besonders spannend finde, sind Panoramas oder Bilder, bei denen ich nicht viel Freiheit für die Bildkomposition habe.

Hast Du aktuelle Fotoprojekte oder was sind in nächster Zeit Deine fotografischen Ziele?

Im Moment interessierte ich mich für die analoge Fotografie. Mein Opa hat mir seine alte Nikon FE2 geschenkt und es ist nochmal ein ganz anderes Gefühl von Fotografie und ganz andere Aspekte sind wichtig. Vor kurzem habe ich mir meinen ersten Schwarzweißfilm entwickeln lassen und es war wirklich eine Überraschung, die Ergebnisse zu sehen. Leider sind mir einige Fotos kaputt gegangen und nicht alle Fotos sind so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe, aber es macht Spaß sich damit zu beschäftigen und die Fehler auszubügeln. Man kann einfach das Fotografieren nochmal ganz von vorne lernen und man wird das Konzept der Fotografie nochmal besser verstehen.

Wo holst Du Dir fotografische Anregungen?

Auf sozialen Netzwerken hole ich mir viel Anregung und drucke mir das ein oder andere Bild aus, um es so in etwa nachzustellen, um es besser zu verstehen, was wichtig bei der Komposition und den Einstellungen war. Generell ist man ja im Alltag immer von Fotos umgeben. Ich schaue Bilder auf Werbebannern und auf Zeitschriften ganz genau an, um zu verstehen, wieso gerade das Foto groß rausgebracht wurde und wie es bearbeitet wurde.

Was begeistert Dich speziell an unserem Fotowettbewerb “Blende”?

© Elisa Vollrath
© Elisa Vollrath
Ich finde „Blende“ super, weil es Erwachsenen, sowie Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gibt, ihr Talent zu zeigen. Man kann sich von anderen Fotografen inspirieren lassen und sich über Themen informieren. Besonders interessant fand ich zum Beispiel den Artikel zur Bildanalyse.

Welchen Tipp kannst Du Deinen Mitstreitern für „Blende“ geben?

Ich denke, dass es das wichtigste ist, dass man bei dem Foto den Aspekt der Kreativität sehen kann und dass über das Bild nachgedacht wurde. Es sollte kein 08/15 Bild sein, sondern auf seine ganz besondere Art besonders sein und den Betrachter fesseln. Sich was trauen und nicht nur die klassisch schönen Bilder einsenden halte ich für einen wichtigen Aspekt.

Portfolios 07 / 2016

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