Heinz Fahrion (Sieger von Blende 2014) – Man lernt in der Fotografie jeden Tag hinzu

Heinz Fahrion
Heinz Fahrion
Heinz Fahrion gewann bei „Blende 2014“ den 1. Platz – jenen Platz also, den alle Teilnehmer im bundesweiten Wettstreit von Europas größtem Fotowettbewerb für Amateurfotografen alljährlich mit ihrer Teilnahme anstreben. Die Eßlinger Zeitung wählte für ihre Publikation die treffende Überschrift „Federleicht aufs Siegertreppchen“, denn seine Aufnahme trägt den Titel „Flügel Ballett“ und zeigt das Spiel dreier Möwen in der Luft. „Blende“ wurde vor über 40 Jahren ins Leben gerufen, um die Amateurfotografie auf breiter Basis zu fördern, indem ihr ein Forum geboten wird. Wir haben uns künftig auf die Fahne geschrieben, nicht nur die grandiosen Bildeinsendungen unserer „Blende“-Teilnehmer zu veröffentlichen, sondern verstärkt auch die Fotografen hinter der Kamera vorzustellen. Dass wir bei Heinz Fahrion, dem Sieger von „Blende 2014“, nachgefragt haben, versteht sich da von selbst.

Herr Fahrion, seit wann fotografieren Sie?

Ich fotografiere schon recht lange. Bis vor wenigen Jahren waren meine Aufnahmen, trotz meines Alters von inzwischen 69 Jahren, nur für den Hausgebrauch bestimmt. Mein inzwischen verstorbener Freund Heinrich Gieseler hat mich dazu inspiriert, dass ich der Fotografie und der Wettbewerbsfotografie intensiver nachgehe. Das war im Jahr 2008 und ich kann nur sagen, dass ich ihm so dankbar dafür bin und dass man nie zu alt ist für die Fotografie und den Spaß daran. Natürlich habe ich heute auch den großen Vorteil, mehr Zeit für die Fotografie zu haben und mich in ihr stärker ausleben zu können.

Wie ist es zu Ihrer Aufnahme Flügel Ballett gekommen?

Linkes Bild: Blende 2014, 1. Preis © Heinz Fahrion, Flügel Ballett Rechtes Bild: © Heinz Fahrion, Flügel Ballett in Farbe
Linkes Bild: Blende 2014, 1. Preis
© Heinz Fahrion, Flügel Ballett
Rechtes Bild: © Heinz Fahrion, Flügel Ballett in Farbe
Ich befand mich im Ostseebad Zingst und wollte eigentlich Kraniche ablichten, die dort vor ihrem Weiterflug immer Station machen. Das Wetter – es war trübe und regnerisch – machte mir sprichwörtlich einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen suchte ich, natürlich mit meiner Kamera, die Strandpromenade auf. Wie so oft für Fotografen spielte das Glück Regie, denn hier war ein Kind mit seinem Vater, das Möwen fütterte. Vergessen waren die Kraniche, ich brachte die Kamera in Position und löste aus. Es war der entscheidende Augenblick, an dem ich mit meiner Kamera zur Stelle war. Ich habe unendlich viele Einzelaufnahmen von Möwen, aber nur eines, wo drei so schön übereinander in der Luft schweben.

Wieso haben Sie sich für Schwarzweiß entschieden?

Bei der Aufnahme handelt es sich ursprünglich um eine Farbaufnahme. Nun wurde von der Eßlinger Zeitung zu „Blende 2014“ das Thema Schwarzweiß ausgeschrieben. Ich dachte mir, dass diese Aufnahme dafür prädestiniert ist und ich war selbst überrascht über dieses Ergebnis. Die Aufnahme ist in Schwarzweiß wesentlich wirkungsvoller, weswegen mein Tipp lautet, dass es überaus lohnenswert sein kann, seinen Aufnahmen auch mal die Farbe zu entziehen. Das funktioniert aber nicht mit jeder Aufnahme – Fotografen müssen manchmal auch Tüftler sein und mit ihren Möglichkeiten auch das Experiment suchen wollen. Hier hilft mir übrigens unser „Treffpunkt Digitale Fotografie“, der seinerzeit von meinem Freund Heinrich Gieseler gegründet wurde.

Was zeichnet den “Treffpunkt Digitale Fotografie” denn aus?

© Heinz Fahrion, Küchenschelle
© Heinz Fahrion, Küchenschelle
Wir kommen aus einem Umkreis von zirka 50 km in Leonberg zusammen, um über digitale Fotografie zu sprechen. Wir, das sind zumeist Mitglieder von Fotoclubs aus der Region, wie Fotoclub Leonberg, Blende 96 Holzgerlingen, Fotoclub Nagold, Fotoclub Objektiv Herrenberg, Bosch Fotogruppe, Camera 66 und auch solche, die sich für das Thema interessieren, aber keinem Fotoclub angehören. Jeder ist willkommen. Wir nehmen uns Themen vor, zu denen dann Präsentationen gehalten werden. Themen zuletzt waren Fotobücher, Video für Fotografen, Neuerungen bei Photoshop Elements 12 und ACDSee Pro 7, Nik Filter Collcetion. Wir waren fotografieren im Monbachtal, auf dem Cannstatter Volksfest und hatten vor, bei einer Ballonveranstaltung Video- und Zeitrafferaufnahmen zu machen. Wir hatten Flug- und Bodenpersonal, alle waren bereit, aber dann hat der Wind uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kernpunkt des Digitreffs ist, jeder kann 5 Bilddateinen, Bilder oder ein kleines Video mitbringen, die dann besprochen werden. Denn Kritik, positive wie negative, hilft weiter – man lernt in der Fotografie jeden Tag hinzu. Ich freue mich immer auf diese Zusammenkünfte, die mich immer wieder inspirieren. Ich nehme Anregungen gern auf wie auch die von FotoGen. Hier hatte man mir den Tipp gegeben, als Papier doch mal FineArt-Papier zu wählen, weil damit das Motiv noch besser zur Geltung gebracht werden könnte. Ich habe diese Idee aufgegriffen und bin mehr als dankbar für diese Empfehlung. Ich glaube, ich wäre mit meinem „Flügel Ballett“ nicht so erfolgreich gewesen, wenn ich nur einen „normalen“ Papierabzug gewählt hätte. Dieses Beispiel zeigt aber auch, wie wichtig es ist, sich für die vielen Optionen in der Fotografie zu öffnen und mit seinen Erfahrungen immer wieder neue Wege zu bestreiten. Ich kann jedem nur den Tipp geben, sich beispielsweise mit FineArt-Papieren zu beschäftigen. Sie vermögen aus Fotografien noch mehr Sehenswertes herauszuholen. Und der Druck ist ein weiterer Schaffungsprozess – es ist einfach genial, wie sich die Aufnahme auf diesem Papier entwickelt. Das sind pure Glücksmomente, die lange anhalten und erst recht dann, wenn man wie ich mit solch einer Aufnahme bei einem Wettbewerb wie „Blende“ so erfolgreich ist.

Was begeistert Sie an unserem Fotowettbewerb „Blende“?

Blende 2013, 19. Preis © Heinz Fahrion, white turf
Blende 2013, 19. Preis
© Heinz Fahrion, white turf
An „Blende“ gefällt mir alles. Es beginnt bei den jährlichen Themen, die herausfordern, sich ihnen zu stellen, dem Austausch darüber in unserem „Treffpunkt Digitale Fotografie“, dann der Entscheidung bei der Zeitung, ob man es in die bundesweite Endausscheidung geschafft hat und in die Zeitungsredaktion eingeladen wird, wo die 25 besten Bilder prämiert werden. Dies hat sich in meinem Fall zu einem Ritual entwickelt, da ich die letzten Jahre fast immer dabei sein durfte. Man trifft dort alte Bekannte und auch neue Teilnehmer, und es ist immer wieder eine große Freude für alle, dabei zu sein. Man ist gespannt, welches der eingesandten Bilder ausgewählt wurde, da einem bei der Einladung zur Prämierung nur mitgeteilt wird, ob man den 1. bis 5. Preis oder einen Buchpreis gewonnen hat. Um welches Bild es sich handelt, sieht man erst bei der Prämierung. Die Bilder werden von dem jeweiligen Fotografen vorgestellt und von der Jury kommentiert. Dazu gibt es ein Gläschen Sekt und belegte Brötchen.

Blende 2011, 61. Preis © Heinz Fahrion, Beobachter
Blende 2011, 61. Preis
© Heinz Fahrion, Beobachter
Aber danach wird es bei „Blende“ erst richtig spannend. Die besten 25 Bilder der Eßlinger Zeitung werden nach Frankfurt am Main zur Prophoto GmbH geschickt, wo jedes der Bilder wieder eine neue Chance bekommt. Hier warten dann richtig tolle Preise. Aber Geduld ist gefragt, es vergehen zirka zwei Monate, bis man eine Nachricht aus Frankfurt am Main erhält.

Ist man wie in diesem Jahr bei den glücklichen 133 möglichen Gewinnern dabei, wird man gebeten, seine Bilddatei einzusenden. Man hat dann zwar registriert, dass man etwas gewonnen hat, aber es steht noch in den Sternen, welcher Preis damit verbunden ist. Verraten wird da gar nichts!!!! Und die Spannung steigt.

Blende 2009, 67. Preis © Heinz Fahrion, Da geht’s lang
Blende 2009, 67. Preis
© Heinz Fahrion, Da geht’s lang
Ich konnte in den letzten Jahren viermal einen dieser Preise gewinnen – das motiviert natürlich und es ist auch eine Bestätigung. Angefangen hat es 2009, bei meinem Einstieg in die Wettbewerbs-Fotografie, mit meinen Elefantenbild „Da geht’s lang”, gewann ich den 67. Preis. (Eßlinger Zeitung 3. Preis). Außerdem schaffte meine Aufnahme den Sprung auf das Kalenderblatt Dezember im „Blende“-Kalender 2011. Im Jahr 2011 gewann ich mit dem Bild „Beobachter” den 61. Preis – ich hatte mich also schon um ein paar Plätze zu 2009 verbessert. 2013 mit „white turf“ war ich fast schon sprachlos als ich in der bundesweiten Endausscheidung den 19. Preis belegte (Eßlinger Zeitung 1. Preis). Ja, und in diesem Jahr habe ich mit meiner Aufnahme förmlich den Vogel abgeschossen und belege mit meinem „Flügel Ballett“ den 1.Preis.

Wie treffen Sie Ihre Bildauswahl? Welches sind gute Bilder und wie erkennen Sie diese?

© Heinz Fahrion, Schneerennen
© Heinz Fahrion, Schneerennen
Wenn ich die Qual der Wahl habe, welche Bilder ich einreichen soll, frage ich meine Frau oder meine Enkel um ihre Meinung oder lade die Bilder bei fotocommunity hoch – dort schaue ich dann auf die Anzahl der Klicks. Dies gibt mir einen Hinweis darauf, ob das Bild neugierig macht oder nicht.

Man selbst ist immer geneigt, die neuesten Bilder zu Wettbewerben einzureichen, da man sich an die älteren schön gewöhnt hat. In der Regel, so meine Erfahrung, ist ein Mix aus neuen und älteren Bildern in der Regel besser. Aber diese Regeln sind es auch, die man auch brechen kann, denn bei „Blende“ ist es natürlich wichtig, sich den vorgegebenen Themen kreativ zu stellen. Hinzu kommt, dass ich mich als Fotograf auch permanent weiterentwickle, und das sieht man natürlich bei meinen neuen Werken.

Sie sagten, dass Sie bis vor kurzem nur für den Hausgebrauch fotografierten – wie hat sich denn mit Ihrer gestiegenen Begeisterung für die Fotografie Ihr Equipment verändert?

© Heinz Fahrion, Blümchen
© Heinz Fahrion, Blümchen
Eingestiegen in die digitale Fotografie bin ich zum Hausgebrauch mit der Pentax Optio 550. In den Jahren 2006 bis 2008 sammelte ich erste Erfahrungen mit Bildbearbeitung (Photoshop) über meinen Freund Heinrich Gieseler, der im Jahr 2008 den 1. Preis bei „Blende 2008“ in der bundesweiten Endausscheidung belegte. Im Jahr 2008 erwarb ich als neue Kamera die Lumix FZ 50 und es folgte die erste Teilnahme an Fotowettbewerben, wie der „Blende“ und beim DVF. Seit 2010 habe ich dies intensiviert und war bei „Blende“, dem DVF, FotoGEN und GIP aber auch bei Foto Koch in 2014 mit dem 1. Platz für meine Aufnahme „White turf” erfolgreich. Ich bin durch diese Auszeichnungen im Fotofieber und in 2011 erwarb ich die Canon EOS 60D mit den Objektiven Canon EF 100 mm 2,8 Makro und Canon EF 70 – 200 mm 4,0L, danach das Canon EF-S 10 – 18 mm STM. Ja, und im Jahr 2014 folgte die nächste Anschaffung, und zwar die Lumix FZ 1000. In was ich in der nächsten Zeit investieren werde, muss ich mal sehen. Die kompakten Systemkameras reizen mich. Die Sony Alpha 7 oder die Olympus OMD 1. Ich habe jetzt ja die Samsung Fotoausrüstung NX30 mit Objektiven gewonnen. Da würde die NX1 gut dazu passen. Aber da kann man sich leicht verrückt machen.

Was sagt denn Ihre Frau dazu, dass Sie in regelmäßigen Abständen in neues Kameraequipment investieren?

Für meine Frau ist das ok. Das ist ja auch noch im Rahmen und erstreckt sich über einen längeren Zeitraum, und ab und zu gewinne ich auch mal etwas. Ich zeige ihr ab und zu, was die anderen Fotografen so an Ausrüstung mit sich herumtragen. Da kostet das Stativ schon mehr als meine ganze Fotoausrüstung.

Wo sehen Sie denn Ihre fotografischen Schwerpunkte?

Ich fotografiere eigentlich alles, was mir vor die Linse kommt. Meine große Vorliebe habe ich für Blumen und Insekten, aber auch für die Sport- und Zoofotografie ebenso entdeckt wie für das Fotografieren von Vögeln.

Was sind Ihre fotografischen Ziele?

Schöne Bilder machen. Mein Traum ist es, einen eigenen Stil zu entwickeln, an dem meine Fotografien erkannt werden. Das ist ein weitgestecktes Ziel, denn davon bin ich leider noch weit entfernt.

Portfolios 04 / 2015

4 Kommentare

Ein guter und informativer Artikel den ich mit viel Interesse gelesen habe. Glückwunsch an den Fotografen für seine großartige Arbeit. Viele Grüße Wolfgang

Wolfgang Fried

von Wolfgang Fried
07. Mai 2015, 10:36:15 Uhr

fantastisches interview, und durchaus interessante sichtweisen. ich gratuliere von herzen gerne zu beidem - interview als auch dem fotografen zum gewinn grüsse aus dem süden

michael trencavel

von michael trencavel
04. Mai 2015, 17:28:48 Uhr

Danke für Ihren Zuspruch. Das Interesse an Blende ist beeindruckend und sehr, sehr gut auch wenn beispielsweise in den Blende-Galerien mit den Preisträgerbildern nur zurückhaltend Ansichten zum Ausdruck gebracht werden.

Prophoto-Team

von Prophoto-Team
30. April 2015, 07:44:01 Uhr

Eine sehr gute Idee von Euch mal zu zeigen wer hinter den Fotos steht denn das interessiert mich fast genau so sehr wie das Bild ! Was ich sehr bedaure ist das scheinbar nur geringes Interesse sowohl an den platzierten Bildern als auch an den Fotografen , vermute ich zumindest mal , denn Kommentare sind hier eine Seltenheit .... schade eigentlich aber schauen wir mal was die Zukunft bringt. LG

hans Lachmann

von hans Lachmann
29. April 2015, 18:36:48 Uhr

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