Jens Gutberlet

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Für gute Aufnahmen sollte man neugierig durchs Leben gehen und die normale Herangehensweise verlassen

In der bundesweiten Endausscheidung von Blende 2015 belegte Jens Gutberlet mit seiner Aufnahme „Blitzkarriere“, die er zur thematischen Vorgabe „Nachtaufnahme/Wenig Licht“ einreichte, den 6. Platz. Der Blende-Fotograf und Bauingenieur bricht mit seiner Aufnahme eine Lanze für das Bauhandwerk und zeigt dem Betrachter eine Welt, die so mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Jens Gutberlet lebt im Thüringer Wald. Ihn begeistert an Blende, die große und für die Teilnehmer herausfordernde Themenvielfalt und deren visuelle Umsetzung der Mitstreiter.

Was war es für ein Gefühl, als Sie die Nachricht erreichte, dass Sie in der bundesweiten Endausscheidung von Blende 2015 den sechsten Platz belegt haben?

Ein Glücksmoment der bis heute anhält. Stolz bin ich schon einwenig, dass das Bild selbst unter vielen sehr guten Bildern ausgesucht wurde.

Sie haben sich mit der Aufnahme „Blitzkarriere“ einem besonderen Motiv der Porträtgrafie gewidmet – was war Ihr Ansporn für dieses Motiv?

Es war der Ansporn die berufliche Tätigkeit mit der privaten Fotografie zu verbinden – Motive zu suchen die nicht alltäglich sind und nicht jedem üblicherweise vor dem geistigen Auge erscheinen.

Für den Betrachter erweckt Ihre Aufnahme „Blitzkarriere“ den Eindruck, dass Sie alles exakt durchgeplant haben, um diesen Bildeindruck zu erzeugen – ist dem so?

Auf einer Baustelle im Vorfeld alles exakt zu planen, ist kaum möglich. Dafür sind die Bedingungen von Mal zu Mal zu verschieden. Ein spannendes Thema für einen Fotografen ist natürlich das Thema Licht in all seinen Facetten. Dieses Bild entstand bei der Schweißung einer 1.000 mm Trinkwasserrohrleitung. Ein paar Wochen zuvor machte ich bei einer ähnlichen Schweißaktion auf einer anderen Baustelle ein paar Testaufnahmen, um die Wirkung des Funkenfluges und der grellen Blitze zu testen und die Einstellungen an der Kamera mit Blende und Verschlußzeit festzulegen.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei dieser Aufnahme und wie viele Anläufe waren notwendig, bis Sie Ihr Motiv so im Kasten hatten?

Die größte Herausforderung war nicht direkt auf das Motiv zu schauen. Wie man weiß ist das grelle Licht beim Schweißen sehr schädlich für die Augen, so dass die volle Konzentration auf den Monitor der Kamera gerichtet war. Von dieser Einstellung machte ich eine Serie von ca. 5 Bildern und wählte das aus meiner Sicht Gelungenste aus.

Was begeistert Sie selbst an Ihrer Aufnahme „Blitzkarriere“?

Der Beruf des Schweißers wird nicht gerade mit Eleganz und Schönheit in Verbindung gebracht. Hier wird dem Betrachter eine Welt gezeigt, die er mit bloßem Auge so niemals sehen kann. Wie mag wohl ein Schweißer seine Arbeit empfinden und kann er die wunderschönen Blitze selbst so wahrnehmen? Außerdem finde ich, dass das Bild dazu beiträgt, den Bauberuf die Wertschätzung zu geben, die er verdient hat, gerade in einer Zeit wo viele Jugendliche dem Handwerk den Rücken kehren.

Was können Sie jedem, der sich vergleichbaren Motiven zuwenden möchte, als Tipp mit auf den Weg geben?

Sucht Euch Motive heraus, die nicht alltäglich sind. So werdet Ihr automatisch die Aufmerksamkeit anderer Betrachter erlangen. Spielt mit Euren Ideen und seid bereit, für eine gute Aufnahme neugierig durchs Leben zu gehen und die „normale“ Herangehensweise zu verlassen.

Sie geben an, seit 2008 zu fotografieren. Wie sind Sie zur Fotografie gekommen und was begeistert Sie daran?

Mitte der 90er Jahre widmete ich meine Aufmerksamkeit der Videoaufnahme. Ich merkte dann aber doch, dass ein Bild bei weitem mehr Emotionen bewirken kann als ein Film. Ein gutes Bild ist eine eingefrorene Ablichtung unterschiedlichster Facetten des Lebens. Faszinierend für mich ist, dass beim Auslösen der Kamera das Motiv kurzzeitig eingefroren wird und danach diese Szene wohl nie wieder so passiert.

Sie fotografieren heute mit einer kompakten Systemkamera Olympus OMD E-M5 – welche Vorteile sehen Sie in diesem Kameramodell?

Diese Kamera ist meine Zweitkamera, die ich im Auto habe und immer einsatzbereit sein muss. Meine erste Kamera ist eine Nikon D 800. Die Vorteile der Olympus ergeben sich natürlich aus dem geringen Gewicht, (passt fast in jede kleine Tasche), der Möglichkeit ungewöhnliche Perspektiven umsetzen und hohe Verschlußzeiten aus der Hand realisieren zu können.

Wenn Sie ein fotografischer Einsteiger fragt, welches Kamerasystem er sich zulegen sollte, was würden Sie ihm raten?

Angefangen habe ich mit der Nikon D90, eine gutmütigen Kamera, die einiges verzeiht und trotzdem sehr gute Bilder macht. Heute würde ich bei Einsteigern eine Systemkamera mit Standardobjektiv empfehlen, da sie wie schon erwähnt ein geringes Gewicht besitzt und überall mitnehmbar und somit ideal zum Üben ist. Bei ambitionierten Einsteigern besteht dann die Möglichkeit, sich später gute Wechselobjektive anzuschaffen, die der Neigung und dem Geldbeutel eines jeden entsprechen.

Wo sehen Sie Ihre fotografischen Schwerpunkte und was ist für Sie die größte Herausforderung?

Zurzeit ist ein fotografischer Schwerpunkt die Nodal/ Panoramafotografie. Hierbei gehe ich jedes Mal auf Entdeckungsreise, da das Ergebnis nicht voll vorhersehbar erscheint. Die 360 Grad Panoramafotografie fasziniert mich immer wieder auf neue Weise. Mit dem Verschieben des Zentrums des Bildes ist eine ganz andere Bildaussage möglich. Besonders beim Umwandeln des Bildes in „little planets“ ergeben sich so verschiedene Blickrichtungen auf das Motiv.

Sehr gern fotografiere ich auch Menschen in der Streetfotografie, aber auch die Eventfotografie ist ein Steckenpferd von mir. Menschen in ihrer Umgebung zu zeigen ist ein Lieblingsschwerpunkt meiner Arbeit, aber auch bewegte Objekte reizen mich.

Was sind Ihre fotografischen Ziele?

Meine Ziele sind übliche fotografische Wege zu verlassen, das Besondere zu suchen, den besonderen Moment einfangen zu dürfen und nicht stehen zu bleiben.

Haben Sie fotografische Vorbilder – Woher holen Sie sich Ihre Inspiration?

Hierzu zitiere ich Christian Regelien, der sagte: „Ich möchte allein sein und brauche dazu Gesellschaft.“ Der Satz bringt es auf den Punkt. Meine Inspiration kommt vom Umfeld in dem ich lebe, die Landschaften, die Menschen aber auch die Fotoklubs in Themar und Suhl und deren Mitglieder mit denen man sich austauscht und Neues entdecken kann. Musikalisch mag ich Herbert Grönemeyer, der in seinem Lied „Bleibt alles anders“ textet „Stillstand ist der Tod, Geh voran, bleibt alles anders.“ Ich glaube, das trifft es im Kern.

Wie stehen Sie der Fotografie mit dem Smartphone gegenüber?

Ich selbst mache den schnellen Schnappschuß mit dem Smartphone und bin immer wieder erstaunt, welche Schärfentiefe, diese Bilder besitzen, mehr aber auch nicht. Für anspruchsvolle Fotografie sind die Einstellungsmöglichkeiten sehr begrenzt. Nichtsdestotrotz ist diese Art der Fotografie nicht mehr wegzudenken und manchmal ist ja auch der richtige Schnappschuß dabei.

Seit wann suchen Sie bei Wettbewerben wie Blende den Wettstreit und was ist Ihre Motivation?

Seit 2010 nehme ich jedes Jahr am Wettbewerb Blende teil. Zweimal konnte ich den ersten Platz bei unserer hiesigen Tageszeitung „Freies Wort“ erreichen. Der Erfolg ist die Motivation. Ein gutes Abschneiden bei Wettbewerben ist die Bestätigung der eigenen Arbeit und der Umsetzung der eigenen Ideen.

Was begeistert Sie speziell an unserem Fotowettbewerb Blende?

Die Begeisterung liegt in der Vielfalt der Themen und der Suche nach deren Umsetzung. Außerdem gefällt mir der Modus. Zuerst gibt es eine Art Qualifikation bei der eigenen Tageszeitung und danach die Kür deutschlandweit.

Welchen Tipp können Sie Ihren Mitstreitern für Blende geben?

Um vorn dabei zu sein reicht es nicht, mal in seinen Archiven der letzten Jahre zu kramen und ein paar Bilder rauszusuchen. Das Beschäftigen mit dem eigentlichen Thema steht als Grundvoraussetzung, dann kommt die Ideensuche und letztendlich die Verwirklichung.

Portfolios 06 / 2016

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