Karsten Jipp - Fotografische Inszenierungen, die Geschichten erzählen

© Karsten Jipp
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Bei „Blende 2013“ belegte Karsten Jipp mit seiner Aufnahme „Frühlingsbote“ in der bundesweiten Endausscheidung den 7. Platz. Hauptakteur ist eine nicht kenntliche Person in einem Morphsuit, der durch seine Handlung und durch die perfekte fotografische Inszenierung von Karsten Jipp eine wunderbare Geschichte zu erzählen weiß. Wir haben beim Fotografen nachgefragt, wie er auf diese Bildidee gekommen ist und ob sein „Außerirdischer“ auch künftig in seinen Fotografien auftreten wird.

Herr Jipp – Sie verstanden es, mit Ihrem „Frühlingsboten“ die Jury der bundesweiten Endausscheidung von „Blende 2013“ in den Bann zu ziehen. Wie sind Sie auf diese Bildidee gekommen, die auch eine große Portion Humor beinhaltet?

Inspiriert zu dem Bild hat mich ein Graffiti des Street Art Künstlers Bansky. Auf dem Graffiti wirft ein Demonstrant einen Blumenstrauß wie einen Molotowcocktail. Ich wollte dieses Bild, welches für mich eine tolle Dynamik und Bildaussage hat, in meine Fotowelt übersetzen und die Idee von Bansky so ein Stückchen weiter drehen.

Warum war und ist es für Sie wichtig, dass Ihr „Frühlingsbote“ nicht kenntlich ist?

Nichts lenkt ab von dem kleinen Farbtupfer der kleinen Blume in der Hand des „Frühlingsboten“. Durch die Weite im Bild und die silberne Haut des Anzugs wirkt das Bild „kalt“ und anonym. Das verstärkt den Kontrast zu der kleinen Topfpflanze, die wie eine Art Molotowcocktail in die noch leblose Landschaft geworfen wird, um dort alles zum Blühen zu bringen.

Inwieweit durfte sich Ihr „Frühlingsbote“ selbst mit Ideen einbringen?

Zu 100 Prozent, da der Frühlingsbote ich selbst bin und das Bild mit Selbstauslöser gemacht wurde. Viele meiner Bilder mache ich mit Selbstauslöser. Es reizt mich, das „perfekte Foto“ in diesen 10 Sekunden, die der Selbstauslöser meiner Kamera mir gibt, hinzubekommen.

Hatten Sie beim Fotoshooting mit Ihrem „Frühlingsboten“ stille Beobachter und wenn ja, war Ihnen das unangenehm und verlangte dies möglicherweise nach Erklärungen?

© Karsten Jipp
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Das Foto habe ich an einem kalten Sonntagmorgen gemacht. Ein paar Spaziergänger wunderten sich zwar, sind aber nur grinsend vorbeigegangen. Bei anderen Bildern zu meiner Serie „Silversurfer“ gab es auch schon mal Applaus von einem Balkon. Das ist aber eher selten. Normalerweise warte ich immer günstige Momente ab und durch die 10 Sekunden sind diese Aktionen ja auch immer zeitlich sehr begrenzt.

Wie viele Anläufe waren notwendig, bis Sie Ihre Bildidee mit dem „Frühlingsboten“ so wirkungsvoll im Kasten hatten?

Wie schon gesagt, es war sehr kalt und in dem dünnen, silbernen Anzug hält man es bei zirka minus 8 Grad nicht lange aus. Ich habe für das Foto etwa 10 Minuten gebraucht. Vorher habe ich natürlich ein paar Tage überlegt, wie ich mir die Szenerie ungefähr vorstelle, wo ich den Blitz positioniere, welche Körperhaltung, wie zur Kamera gedreht am wirkungsvollsten aussehen könnte.

Was raten beziehungsweise empfehlen Sie anderen aus Ihren Erfahrungen heraus bei der Umsetzung solcher Bildideen?

Die meisten Bildideen kommen mir beim Fahrradfahren. Hier kann ich abschalten und den Kopf frei bekommen. Ob das auch bei anderen wirkt, auf solche Bildideen zu kommen, kann ich nicht sagen.

Hat Sie der 7. Platz in der bundesweiten Endausscheidung von „Blende 2013“ zu weiteren Inszenierungen mit Ihrem „Silversurfer“ ermuntert?

Natürlich war der 7. Platz eine super Bestätigung und Motivation für mich. Ich hätte nie damit gerechnet, mit meinem Bild so weit vorne zu landen. So etwas motiviert einen, diesen Weg weiter zu denken und die Serie „Silversurfer“ zu erweitern.

Welche Botschaften verfolgen Sie mit Ihren Inszenierungen oder ist es vorrangig der Spaß an den fotografischen Umsetzungen, der Sie motiviert?

Es geht mir in erster Linie um die Inszenierung eines Fotos. Für mich ist die Fotografie wie eine Theaterbühne, die auch von ihrer Inszenierung lebt. Betrachter dürfen darin gerne eine Botschaft erkennen, aber darum geht es mir nicht wirklich. Ich will starke, stimmungsreiche, humoristische Bilder machen.

Wird der „Silversurfer“ auch künftig vor Ihrer Kamera posieren und haben Sie schon konkrete weitere Ideen?

Ja natürlich. So lange, wie das Thema für mich interessant ist und ich der Meinung bin, dass es noch nicht ausgereizt ist. Ich lass mich da gerne von mir selbst überraschen.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

© Karsten Jipp
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Mit 15 oder 16 Jahren hatte ich meine erste Kamera von meinen Eltern zum Geburtstag bekommen. Während meinem Grafikdesign-Studium in Pforzheim konnte ich die Fotografie vertiefen. Beruflich arbeite ich sehr viel mit Fotografen zusammen und habe mich so immer mehr für die Fotografie interessiert. Seit 2006 bin ich bei www.photocase.de/kallejipp als Fotograf aktiv und verkaufe dort meine Bilder. Bei Photocase konnte ich viel übe Fotografie von anderen Fotografen aus der Community lernen und mich so fotografisch weiterentwickeln.

Was fasziniert Sie an der Fotografie?

Der Augenblick, der Blickwinkel, die Perspektive, das Licht, der Bildausschnitt, der Fokus, das Erzählen, die Idee.

Was ist Ihr fotografisches Motto?

Ich sehe was, was Du nicht siehst.

Welchen fotografischen Tipp geben Sie Dritten mit auf deren fotografischem Weg?

Habe immer deine Kamera dabei – egal, wo du bist.

Portfolios 07 / 2014

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