Klaus Weissborn - Für ihn ist die digitale Fotografie Fluch und Segen zugleich

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„Fotografie bildet“, so Klaus Weissborn, Preisträger in der bundesweiten Endausscheidung von „Blende 2014“, wo er die Juroren mit seiner Aufnahme „TaT’s – Tropfen auf Tropfen“ zu überzeugen verstand und den 5. Platz belegte. Klaus Weissborn ist ein Tüftler, der nicht nur seine eigene „Tropfenmaschine“ entwickelt hat, sondern gerade am Nodalpunktadapter arbeitet. Fotografieren bedeutet für ihn, sich mit seinen Motiven auseinanderzusetzen und mehr über sie in Erfahrung zu bringen.

Was war das für Sie für ein Gefühl, als Sie die Nachricht erhalten haben, dass Sie bei „Blende 2014“ in der bundesweiten Endausscheidung den 5. Platz belegen?

Die Freude war selbstredend groß! Wer würde sich nicht freuen, von zirka 80.000 eingesendeten Fotografien, den 5. Platz zu belegen. Zwei Jahre „Arbeit“ haben sich gelohnt und Anerkennung gefunden. Das motiviert. Auch noch mehr, wenn darauf die Aachener Zeitung ein zweistündiges Interview mit mir führte, eine ganze Seite damit füllt und das wiederum Ausstellungen zur Folge hat!

Was begeistert Sie selbst an Ihrer Aufnahme „Tat’s – Tropfen auf Tropfen“ und was waren für Sie die Herausforderungen, die es zu meistern galt?

Mich fasziniert, fotografisch festzuhalten, was mit dem bloßen Auge kaum oder gar nicht sichtbar ist. Hinzu kommt, dass man sich nicht nur mit der Fotografie zu beschäftigen, sondern auch sich mit vielen, vielen weiteren Techniken auseinander setzen muss. Ich kann nur sagen: Fotografieren bildet!

Da ich meine „Tropfenmaschine“ selbst gebaut habe, war die Herausforderung, dass ich mich u.a. ein wenig mit Elektrotechnik, Viskosität von Flüssigkeiten, Abbrennzeiten von Blitzlichtern etc. beschäftigen musste. Der Vorteil der heutigen Zeit ist ganz klar das Internet und die digitale Fotografie! Ohne diese beiden Medien wäre es für mich nicht möglich gewesen, Wassertropfen zu fotografieren. Die größte Herausforderung und auch der wichtigste Parameter ist und bleibt die Viskosität des Wassers!

Was fasziniert Sie an der Fotografie und was sind Ihre Beweggründe zu fotografieren?

Den vielleicht einmaligen Augenblick festzuhalten. Weitere Beweggründe sind auch nicht nur zu fotografieren, sondern sich auch mit dem Motiv auseinanderzusetzen. Als Bespiel möchte ich aufführen, dass ich vor kurzem mal den Mond fotografiert habe. Dann kommt die Frage auf „Was sind denn das für Flecken auf dem Mond?“, und schon, wiederum Dank Internet, beschäftigt man sich mit dem Mond. Fotografieren bildet!

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Ich der Fotografie schon mit zirka 20 Jahren verfallen. Dies geschah zur Zivildienstzeit in einer Jugendherberge. Kollegen fotografierten bereits und haben mich angesteckt. Hinzu kam, dass in der Jugendherberge ein kleines Fotolabor aufgebaut war und wir Zivildienstleistenden den Besuchern der Herberge ein Fotokurs anbieten konnten. Daher „musste“ ich mich mit der Fotografie beschäftigen. Irgendwann war dann die analoge Zeit vorbei und schlief ein. Vor zirka 5-6 Jahren fing ich wieder mit einer Bridgekamera an. Ich hatte mir geschworen, nie mehr so viel „Fotokram“ mitzuschleppen. Und Heute… Zwei DSLR´s mit jede Menge Objektive!

Was sehen Sie als die größten fotografischen Herausforderungen?

Die digitale Fotografie ist Fluch und Segen zugleich. Da heute fast jeder eine Digitalkamera besitzt (und sei es nur in Form eines Smartphones), wird die Welt mit Fotografien überschüttet und in sozialen Netzwerken verbreitet. Sich von der Masse mit außergewöhnlichen Fotos abzusetzen, ist mit Sicherheit eine Herausforderung.

Welchen Tipp können Sie denjenigen geben, die sich das Themengebiet Highspeedfotografie fotografisch erschließen möchten?

Geduld, Geduld und den Willen solche Fotos zu erstellen. Dazu den Ehrgeiz, möglichst viel selbst zu bauen. Der Lerneffekt ist riesig, macht Spaß und man versteht, was passiert. Sicherlich kann man es sich einfach machen und solche Teile fertig kaufen. Aber bei dem ersten Problem weiß man gegebenenfalls nicht, was passiert und kann somit das Problem nicht beheben. Und für diejenigen, die ein solches Projekt angehen, stehe ich gerne mit Rat und Tat zur Seite. Eine E-Mail reicht! Fotografieren bildet!

Welchen Rat können Sie all jenen mit auf den Weg geben, die die Fotografie für sich entdecken und Einsteiger sind?

Der Rat ist relativ einfach. Es kommt primär erst gar nicht auf die Kamera an. Das fotografische Auge ist wichtiger. Den Blick trainieren und ungewöhnliche Perspektiven suchen. Eine tolle Übung ist z.B. auf 6m² Wohnfläche in 60 Minuten 60 Bilder zu machen! Versuchen sie das mal….!

Aus welchen Komponenten besteht Ihr fotografisches Equipment?

Nikon D7000, Nikon D800e mit den Objektiven (fast alle Nikon) 14-24 F2,8 / 24-70 F2,8 / 70-200 F2,8 /50mm F1,4 und natürlich das von Blende 2014 gewonnene Tamron 150-600mm. Ferner noch einiges an Zubehör, wie ein Trigger, Blitze, Funkfernauslöser, Stativ(e) sowie ein kleines auf- und abbaubares Fotostudio.

Welche Motive haben es Ihnen aus fotografischer Sicht am meisten angetan?

Selbstredend sind es für mich noch immer die Wassertropfen!

Dann das allessagende Foto vom Fotograf John Stanmeyer, das zum Welt-Pressefoto des Jahres 2013 gewählt worden ist. Dieses Foto zeigt eine Gruppe afrikanischer Migranten an der Küste Dschibutis in der Nacht. Sie halten ihre Handys in die Luft, in der Hoffnung ein billiges Signal aus dem Nachbarland Somalia zu empfangen und Kontakt mit ihrer Familie aufnehmen zu können. Dieses Foto sagt mehr als tausend Worte!

Was sind Ihre aktuellen fotografischen Projekte?

Soweit es momentan die Zeit zulässt, beschäftige ich mich gerade mit der 360 Grad-Panoramafotografie. Dazu bedarf es einen Nodalpunktadapter. Auch, wenn es von so manchen nicht gerne gesehen wird, aber diesen habe ich mir auch selbst gebaut. Dies hat mit einem Prototyp angefangen und dieser ist mittlerweile recht gut geworden. Um die interaktiven Panoramabilder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, bedarf es allerdings einer eigenen Internetseite. Wer Interesse hat, kann sich diese Aufnahmen auf meiner Seite www.blendekreativ.de ansehen. Dort finden sie auch eine Anleitung, wie ich meinen ersten Prototypen Nodalpunktadapter gebaut habe. Ich hoffe, dass ich es bald schaffen werde, eine Anleitung für die fortgeschrittene Version zu schreiben!

Wie treffen Sie Ihre Bildauswahl? Was ist für Sie ein gutes Foto?

Für mich ist ein gutes Foto, wenn man sich die Aufnahme länger als 5 Sekunden anschaut. Wenn dann noch über die Aufnahme diskutiert wird, hat der Fotograf(in) schon einiges erreicht. Meine Bildauswahl treffe ich nach meinen eigenen Geschmack und schaue nicht danach, was der „Masse“ wohl gefallen könnte.

Was war Ihre Motivation, bei „Blende“ den Wettstreit und die Herausforderung anzunehmen?

Die Motivation bestand in erster Linie darin, sich mit Freunden der Fotokunst zu messen. Wo steht man? Gefällt nur mir diese Aufnahme? Diesbezüglich ist man erstmal subjektiv und bei einem Wettbewerb erfährt man, wie andere das Foto sehen. Ferner nehmen auch viele meiner Freunde am Wettbewerb teil und dort entsteht dann, im positiven Sinne, ein kleiner und spaßiger Wettstreit, bei dem alle wieder was lernen.

Was begeistert Sie speziell an unserem Fotowettbewerb „Blende“?

Dass dieser Wettbewerb bundesweit ist und es tolle Preise, also eine Belohnung der eigenen Arbeit, zu gewinnen gibt.
Welchen Tipp können Sie Ihren Mitstreitern für „Blende“ geben?
Jedem kann ich nur empfehlen, sich mit dem Thema wirklich auseinander zu setzen! Was ist die Aufgabenstellung? Sich bereits eingestellten Fotos anschauen und drüber nachdenken, was „ich“ besser machen kann. Auch, wenn man nicht unter den Gewinnern ist, heißt es nicht, dass das Foto schlecht ist und man aufgeben sollte. Etwas Glück und der Geschmack der Juroren gehört auch dazu.

Portfolios 09 / 2015

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