Marc Böhning

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© Blende, Marc Böhning, Zwischen den Welten

Sein Ansporn: Momente und Erlebnisse zu konservieren und für andere erfahrbar machen

Beim Fotowettbewerb „Blende 2015“ belegte Marc Böhning mit seiner Aufnahme „Zwischen den Welten“ den 26. Platz in der bundesweiten Endausscheidung. Den 25 jährigen Fotograf aus Fulda begeistert „Blende“, weil Nachwuchs- und Hobbyfotografen in verschiedenen Kategorien um das „perfekte Bild“ wetteifern können und der Wettbewerb ein Niveau präsentiert, das der professionellen Fotografie vielfach in nichts nachsteht.

Was begeistert Sie selbst an Ihrer Aufnahme „Zwischen den Welten“?

Das Bild lebt von seinen Kontrasten: Weichgezeichnetes Wasser umfließt dynamisch hartes Gestein, die entstehende weiße Gischt kontrastiert stark mit dem dunklen Untergrund und die rote Färbung des Abendhimmels komplementiert den grünen, umgebenden Grasbewuchs. Wie passend also, dass der Öxarárfoss selbst in der Grabenzone zwischen der eurasischen und amerikanischen Kontinentalplatte liegt.

Was war es für ein Gefühl, als Sie die Nachricht erreichte, dass Sie in der bundesweiten Endausscheidung von „Blende 2015“ den 26. Platz belegt haben?

Es war ein Gefühl der unverhofften Freude, hatte ich im Regionalausscheid doch nur den letzten Platz innerhalb der Bilder belegt, die überhaupt zur Endausscheidung zugelassen wurden.

Wie sind Sie auf Ihr Motiv „Zwischen den Welten“ gestoßen und was war ihr Ansporn für diese Aufnahme? Wie viel Planung und Vorbereitung steckt in Ihrer Aufnahme „Zwischen den Welten“?

Das Bild entstand während einer Reise durch Island. Bei der Vorbereitung der Reise bin ich bereits auf den Wasserfall gestoßen und wollte daher von ihm unbedingt ein gutes Bild mit nach Hause bringen.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei dieser Aufnahme und wie viele Anläufe waren notwendig, bis Sie Ihr Motiv so im Kasten hatten?

Eine echte Herausforderung war das Wasser, das durch die geringe Entfernung vom Wasserfall und den Wind ständig auf Equipment und Fotografen einprasselte. Da hieß es schnell sein, bevor Filter und Objektiv wieder von einem dichten Wasserfilm überzogen waren! Nach mehreren vergeblichen Versuchen, gefolgt von ständigem Trockenwischen von Kamera und Filter, war das Bild schließlich im Kasten.

Sie geben an, seit etwa neun Jahren zu fotografieren. Wie sind Sie zur Fotografie gekommen und was begeistert Sie daran? Was sind Ihre fotografischen Ziele?

Mein richtiger Einstieg in die Fotografie erfolgte im Grunde erst mit dem Aufkommen der Digitalfotografie. Ich schätzte die Möglichkeit, verschiedene Einstellungen und Perspektiven einfach ausprobieren zu können und das entsprechende Ergebnis direkt auf dem Display betrachten zu können. Mich begeistert es, in Form eines Fotos Momente und Erlebnisse konservieren zu können und damit auch für andere erfahrbar zu machen.

Wo sehen Sie Ihre fotografischen Schwerpunkte und was ist für Sie die größte Herausforderung?

Mich fasziniert vor allem die Landschafts- und Tierfotografie.

Wie stehen Sie der Fotografie mit dem Smartphone gegenüber?

Smartphones schaffen es inzwischen doch überraschend häufig, passable Bilder hervorzubringen. Daher zücke ich in manchen Situationen für den einen oder anderen Schnappschuss der Einfachheit halber auch gerne mal mein iPhone. Besonders in der Landschafts- und Tierfotografie ist der Einsatz von Stativ, Filtern und besonderen Objektiven jedoch meistens unerlässlich – (zurzeit noch) undenkbar mit einem Smartphone!

Was denken Sie über die Aufzeichnungstechnologie wie 4K und die Möglichkeit hochauflösende Standbilder aus Videomaterial herauszuziehen?

Der Mehrwert durch den 4K Aufzeichnungsstandard ist sicherlich von der jeweiligen Disziplin innerhalb der Fotografie abhängig: Das Extrahieren von Einzelbildern aus 4K Videos mag beispielsweise für die Action- und Tierfotografie, in denen es häufig darum geht, einen bestimmten Zeitpunkt innerhalb eines sehr schnellen Bewegungsablaufs festzuhalten, durchaus gewinnbringend zu sein. Für andere Bereiche, wie z.B. die Landschaftsfotografie, bringt 4K meiner Ansicht nach jedoch keinen sonderlichen Mehrwert mit sich. Im Glauben, „Ich zieh da schon ein gutes Bild raus“, resultiert daraus dann vielmehr die Gefahr, dass der eigentlichen Komposition des Bildes deutlich weniger Aufmerksamkeit beigemessen wird.

Welchen Rat können Sie all jenen mit auf den Weg geben, die als Einsteiger die Fotografie für sich entdecken?

„Aller Anfang ist schwer’“ und „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!“ Ein Verständnis für die unterschiedlichen Einstellungen (Blende, Verschlusszeit, ISO etc.) zu entwickeln, kostet häufig Zeit und Nerven, ist aber eine essentielle Voraussetzung für überdurchschnittliche Bilder. Häufig ist man als Einsteiger überflutet von der Vielzahl an Objektiven und Zubehör. Beherrscht man die Technik, so lässt sich jedoch bereits mit einer Einsteigerkamera und einem passablen Allroundobjektiv oft schon relativ viel anfangen. Erst wenn man diese Möglichkeiten vollständig ausgeschöpft hat, kann man sukzessive gezielt in neues/besseres Equipment investieren. Am wichtigsten ist aber natürlich, den Spaß beim Fotografien nicht zu verlieren.

Wie wichtig ist für Sie die digitale Nachbearbeitung der Bilder, beispielsweise mit Photoshop oder Lightroom?

Ob Photoshop oder „nur“ Lightroom: Das Nachbearbeiten der Bilder mittels digitaler Bildverarbeitungssoftware erachte ich als einen essentiellen Schritt innerhalb eines professionellen Fotografie-Workflows. Derartige Software ermöglicht es, aus einem guten Foto ein sehr gutes zu machen. Noch wichtiger ist jedoch ein gut komponiertes Ausgangsfoto: Ist die Bildkomposition im Gesamten nicht stimmig, so kann auch die beste Software nichts mehr retten. Insgesamt vertrete ich auch die Meinung, dass die Bildbearbeitung sich stets an dem natürlichen Zustand „vor Ort“ orientieren sollte, und nicht zu seiner Entfremdung eingesetzt werden sollte. Diese Gefahr besteht insbesondere innerhalb der HDR-Fotografie.

Seit wann suchen Sie bei Wettbewerben wie „Blende“ den Wettstreit und was ist Ihre Motivation?

Generell betreibe ich die Fotografie nicht, um Wettbewerbe zu gewinnen, sondern vielmehr für mich selbst. Blende 2015 war daher der erste Foto-Wettbewerb an dem ich jemals teilgenommen habe. Es freut mich aber, dass ich es schaffen konnte, mit meinem Foto die Jury zu überzeugen. Durchaus ein Grund, im nächsten Jahr wieder teilzunehmen.

Portfolios 08 / 2016

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