Ralf Mohr - Fotografische Leidenschaft

© Fotograf: Ralf Mohr, Tänzerin, Photoglobus
© Fotograf: Ralf Mohr, Tänzerin, Photoglobus
Ralf Mohr, Sie haben mit Ihren Fotoprojekten wie „Naked Dance and Gymnastics“ oder „Pregnant beauties – Sensitive Nude Portraits of Expectant Woman“ für Aufsehen und dementsprechend für Diskussionsstoff gesorgt. Eine Ihrer fotografischen Leidenschaft ist die Aktfotografie mit einer unverwechselbaren Bildsprache, die sehr viel Persönliches von Ihren Modellen, aber auch von Ihnen preisgibt. Seit geraumer Zeit bieten Sie auch Workshops an, in denen Sie die Teilnehmer an Ihrer fotografischen Philosophie teilhaben lassen.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Als Kind und Jugendlicher habe ich gemalt – Bleistift, Öl, Buntstifte, Kreide. 1984 stand ich das erste Mal in einer Dunkelkammer für Schwarzweiß bei meinem Freund Gerd Köberich (Fotomeister) – wir spielten zusammen in einer Mannschaft Basketball. Da war es um mich geschehen. Er ist Fotograf und er wurde zu meinem Fotomeister Nr 1. Bei Rockmusik und Bier haben wir Nächte mit dem Entwickeln von Bildern verbracht. Es musste also eine Kamera her. Ich wollte selbst fotografieren. Was für eine, fragte ich ihn und er antwortete: „Womit Du fotografierst, ist egal. Was Du fotografierst, ist wichtig.“ Mein Meister halt. Kurz Zeit später richtete mein Bruder in unserem Elternhaus auch eine Dunkelkammer ein und ich habe sie mir buchstäblich unter den Nagel gerissen. Meine Lektüre war „Das Negativ” und „Das Positiv” Ansel Adams, das Zonenmesssytem habe ich in mich aufgesogen und damit kamen die Stifte erst einmal in den Schrank.

Wie war Ihr Werdegang, Sie sind ja kein ausgebildeter Fotograf?

© Fotograf: Ralf Mohr, Tänzerin, Photoglobus
© Fotograf: Ralf Mohr, Tänzerin, Photoglobus
Ich bin Autodidakt und mein großes Glück war mein Freund und Fotomeister Gerd Köberich. Bei dem gemeinsamen Hantieren in der Dunkelkammer habe ich unendlich viel gelernt, auch, wenn ich zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht fotografiert habe. Förderlich für meinen Werdegang war sicherlich auch die Liebe zur Malerei, denn dadurch habe ich mich mit Motiven auseinandergesetzt. Große Maler sind für mich Egon Schiel, Max Ernst und Michelanglo. In Hannover habe ich eine Lehre als Schriftsetzer gemacht, dann Grafikdesign mit Schwerpunkt Foto und Film bei Knut Giebel in Hannover studiert. Im Bereich der freien Kunst habe ich alle Seminare besucht, die ich bei Heinrich Riebesehl ergattern konnte. Dann habe ich 1,5 Jahre bei Marc Theis als Assistent gearbeitet, mein Fotomeister 2.

Was sehen Sie als die größte Herausforderung als Fotograf?

Das kann ich kurz beantworten und dennoch sagt es soviel:
Ich sehe es wie die Indianer.
Fotografie kann die Seele stehlen.
Ich möchte sie von meinem Gegenüber geschenkt bekommen.

Sie scheinen die Aktfotografie zu lieben – warum?

© Fotograf: Ralf Mohr, Akt, Photoglobus
© Fotograf: Ralf Mohr, Akt, Photoglobus
Michelangelo und auch Leonardo haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um Leichen zu sezieren. Sie taten dies, um die menschliche Anatomie zu erforschen, im Dienst der Kunst um den Menschen, seinen Körper, Gottes Gefäß darstellen zu können. In diesem Sinne ist die Aktfotografie für mich die Meisterklasse. Sie ist so unmittelbar, intim, erotisch, erregend. Ein authentisches Aktbild zu schaffen, ist die größte Herausforderung, was die Seele betrifft und ich mag Herausforderungen.

Haben Sie noch andere fotografische Schwerpunkte?

Mein Schwerpunkt ist Menschen zu fotografieren. Die Aktfotografie ist nur ein Teil davon.

Hatten Sie schon einmal den Gedanken, den Beruf als Fotograf aufzugeben?

© Fotograf: Ralf Mohr, Akt, Photoglobus
© Fotograf: Ralf Mohr, Akt, Photoglobus
Ja. Seit meinen zweiten Semester 1991 arbeite ich als freiberuflicher Grafiker und Fotograf. Kunst kommt nicht von Können und so kann, im Sinne von Joseph Beuys, sicherlich auch jeder Künstler sein. Im Zeitalter der digitalen Fotografie und vor allem der digitalen Bildbearbeitung, sehe ich mich konfrontiert mit einer gigantischen Bilderflut. Jede Kamerabesitzerin und jeder Kamerabesitzer glauben, Bilder machen zu können. Und wenn sie nicht gelingen, wird es Photoshop schon richten. Oder noch schlimmer, dass Bilder in Photoshop so lange gequält werden, bis sie dann wirklich fürchterlich sind. Was für mich auf der Strecke bleibt, ist das Warum und was wir fotografieren, und somit leider auch die Wertschätzung für Bilder. Das ist anstrengend, tut zu weilen auch sehr weh und gibt dem Gedanken Raum, die Stifte wieder rauszuholen und jobmäßig was anderes zu machen.

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf als Fotograf?

© Fotograf: Ralf Mohr, Akt, Photoglobus
© Fotograf: Ralf Mohr, Akt, Photoglobus
Jeder Tag ist anders.

Was ist für Sie ein gutes Foto?

  • Wenn es mit mir spricht
  • Wenn es mir die Tränen in die Augen treibt
  • Wenn mein Puls hochgeht
  • Wenn ich einfach immer wieder hinschauen möchte!

Was treibt Sie immer wieder an, zu fotografieren?

Das Abenteuer Mensch.

Was ist für Sie die größte Herausforderung bei den Fotoworkshops, die Sie geben?

© Fotograf: Ralf Mohr, Schwanger, Photoglobus
© Fotograf: Ralf Mohr, Schwanger, Photoglobus
Mein großer Vorteil ist, dass ich das Abenteuer Mensch so liebe und dadurch sehr schnell einen Zugang zu den Workshopteilnehmern erhalte. Auch hier muss, wie so oft in der Fotografie, das Eis zunächst gebrochen werden. Aber nicht nur das.

Vor den eigentlichen Workshopinhalten geht es zunächst um die Vermittlung dessen, was für mich wichtig beim Ablichten von Menschen, und erst recht bei wenig bekleideten beziehungsweise nackten, ist.

Oft wollen die Teilnehmer erst einmal nur wissen, wie aus technischer Sicht die Fotografien gelingen. Das reicht mir nicht aus, denn das könnte man auch in einem Buch nachlesen. Meine Workshopteilnehmer lernen im ersten Schritt den Mut zu entwickeln, sich selbst zu hinterfragen. Das ist absolut spannend, dann wird es mitunter allerdings auch Therapie. Das ist auch gut so, denn sie lernen sich so auf eine andere Art und Weise kennen, die zu Fotografien beflügelt, die sie vorher so nie für möglich gehalten hätten.

Was sind Ihre nächsten fotografischen Projekte und Ziele?

Mich dem Nichts zu stellen, um dem nächsten Thema Raum zu geben, sich zu entwickeln und zu zeigen.

Portfolios 03 / 2014

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