Stefan Klingenberger und sein Infrarotfotoprojekt - Im Sommer den Winter sehen …

Stefan Klingenberger - Im Sommer den Winter sehen
Herr Klingenberger, im vergangenen Jahr hatten wir über Ihr Fotoprojekt – „little planet“ Technik – 360-Grad-Aufnahmen berichtet, wir sind nun auf Ihr aktuelles Infrarotfotoprojekt aufmerksam geworden. Sie sind leidenschaftlicher und studierter Fotograf.

Wie sind Sie dazu gekommen, sich der Infrarotfotografie zu stellen?

Meine Intention stammt wohl daraus, dass ich Lust hatte, ein weiteres Fotoprojekt über meine Heimatstadt zu machen. Es sollte die Stadt Nürnberg genauso außergewöhnlich darstellen wie meine erste Serie (www.stadtplaneten.de). So gesehen ist die Infrarotfotografie eine Weiterentwicklung meiner kreativen Möglichkeit, besondere Fotos zu machen.

Worin sahen Sie für sich die größte Herausforderung bei der Umsetzung Ihres Infrarot-Fotoprojektes?

Stefan Klingenberger - Im Sommer den Winter sehen
Es gibt zwei Aspekte, die mich bei dieser Art von Fotografie begeistern: Zum einen muss man das Sehen erst neu erlernen, was bedeutet, interessante Motive in einer anderen Farbenwelt zu erkennen. Zum anderen muss man das fertige Bild bereits gedanklich vor sich haben, da das Endergebnis erst mit der Nacharbeitung zu sehen ist.

Welche technischen Voraussetzungen waren notwendig?

Infrarotes Licht kann vom Menschen nicht gesehen werden. Mit Infrarotfilmen oder heutzutage wohl eher mit Digitalkameras kann dieses Spektrum aufgezeichnet werden. Blattgrün erscheint im nahen Infrarot strahlend Weiß. Dieser Effekt wird als „Wood-Effekt“ bezeichnet. In meinem Fall hatte ich das Glück, dass ich mir eine umgebaute Kamera von zwei guten Freunden und Fotografen ausleihen konnte. Nötig war dann noch ein roter Objektivfilter. Der große Vorteil an der umgebauten Kamera ist eine normale Belichtungszeit, sodass man ohne weiteres aus der Hand fotografieren kann.

In welcher Art und Weise wurde die Kamera für die Infrarotfotografie umgebaut?

Stefan Klingenberger - Im Sommer den Winter sehen
Bei jeder Digitalkamera ist vor dem Sensor ein Sperrfilter eingebaut. Bei meiner Kameras wurde der Sperrfilter durch eine Glasscheibe ersetzt und zusätzlich noch ein Infrarot-Durchlassfilter verwendet.

Kann jeder seine Kamera so umbauen oder sollte man das dem Fachmann überlassen?

Auf keinen Fall sollte man als Laie den Umbau selbst vornehmen. Es gibt zwar im Internet diverse Seiten, die den Vorgang beschreiben, aber man kann sich denken, dass jegliche Garantie verloren geht.

Kann man die Kamera wieder zurückbauen?

Stefan Klingenberger - Im Sommer den Winter sehen
Theoretisch JA, aber der Umbau kostet bis zu 500,— €. Das wäre dann ein teurer Spaß. Ich denke, ein Umbau lohnt sich bloß, wenn man sich sehr ausführlich mit der Infrarotfotografie beschäftigt. Wer es einfach mal ausprobieren möchte, sollte einen passenden Infrarotfilter sowie ein Stativ kaufen. Das kommt wesentlich günstiger.

Was kostet so ein Umbau und welche Kameras eignen sich dafür?

Der Umbau kostet zwischen 200,— bis 500,— € und ob die Kamera infrarottauglich ist, kann man mit einem simplen Test prüfen. Man hält eine Fernbedienung in Richtung der Kamera. Drückt man eine Taste und sieht auf dem Display ein weißes Licht kann die Kamera Infrarotlicht aufzeichnen. Um sicherzugehen kann man aber im Internet nachschauen oder fragt bei seinem Händler nach.

Was würden Sie all jenen empfehlen, die der Infrarotfotografie nachgehen möchten?

Stefan Klingenberger - Im Sommer den Winter sehen
Viel Zeit und Spaß am Experimentieren. Außerdem schönes Wetter und viel Sonne, denn so lassen sich die besten Ergebnisse erzielen.

Wie kann man seinen Blick für die Infrarotfotografie schärfen?

Bei der Nachbearbeitung am Computer erkennt man langsam, welche Objekte sich am besten für die Infrarotfotografie eignen. Bäume, Wiesen und Pflanzen lassen das Grün bei Infrarotaufnahmen Weiß erscheint. Ein blauer Himmel hat häufig einen dunkleren Touch mit schönen Farbverlauf. Ein paar Wolken bringen einen tollen Kontrast. Glatte Seen oder Wasser wirken leicht ölig und spiegeln.

Was fasziniert Sie an der Infrarotfotografie?

Hat man das „Sehen“ erst einmal neu erlernt, geht man viel gezielter auf Motivsuche. Man entwickelt ein neues Feingefühl, was einen bei der alltäglichen Fotografie sehr weiterbringt. Ich denke, es ist ein toller Schritt, seine kreative Möglichkeit weiter auszubauen.

Portfolios 02 / 2014

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