Thomas Gärtner

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Fotografieren entspannt und befreit den Kopf

Thomas Gärtner mit seinen 18 Jahren belegte in der 41. Runde des großen Zeitungsleser-Fotowettbewerbes Blende den 70. Platz in der bundesweiten Endausscheidung. Der Student aus Berlin fotografiert seit 5 Jahren und ist mehr als glücklich über die Platzierung mit seiner Aufnahme „Zahnlos“, die er als Versinnbildlichung der thematischen Vorgabe „Zahn der Zeit“ einreichte. An „Blende“ begeistert ihn immer wieder, dass so viele Bilder zu sehen sind und der Wettbewerb ein so breites Spektrum bietet. Hervorragend findet er es, dass gerade Hobbyfotografen sehr gute Chancen haben und alle Teilnehmer einen unglaublichen Fundus an kreativen Ideen präsentieren.

Was war es für ein Gefühl, als Dich die Nachricht erreichte, dass Du bei der bundesweiten Endausscheidung von Blende 2015 den 70. Platz belegt hast?

Ich war in diesem Moment total überrascht. Ich hatte damit nie im Leben gerechnet, da ich andere Aufnahmen kannte und die sehr beeindruckend fand. Da das Niveau bei diesem Wettbewerb sehr hoch ist, war ich natürlich überglücklich, einen Preis bekommen zu haben.

Wie bist Du auf Dein Motiv „Zahnlos“ gestoßen?

Das Motiv ist mir relativ spontan in den Sinn gekommen. Ich hatte mir überlegt, was ich mit dem Thema „Zahn der Zeit“ assoziiere. Da kam mir das Thema Vergänglichkeit in den Sinn und ich suchte nach einem Motiv, was dies darstellt. Ich fand einen verstaubten Schädel in dem Schrank meiner Mutter, welchen sie für ihr Medizinstudium zum Lernen nutzte. Erst fotografierte ich diesen im Bücherregal, später versuchte ich andere Perspektiven für eine optimale Komposition.

Was war für Dich die größte Herausforderung bei diesem Foto?

Die größte Herausforderung war für mich, die geeignete Perspektive zu finden, um den Schädel in Szene zu setzten. Ich probierte viele verschiedene Plätze aus – mal erfolgreich, mal eher nicht.

Was begeistert Dich selbst an Deiner Aufnahme „Zahnlos“?

Ich finde an diesem Bild die Szene interessant: Ein Schädel auf dem Nachttisch. In der Tat ein makabres Motiv, aber es soll die Vergänglichkeit verdeutlichen.

Du gibst an, seit fünf Jahren zu fotografieren, also mit 13 Jahren angefangen zu haben. Wie bist Du zur Fotografie gekommen und was begeistert Dich daran?

Mein Bruder (damals 30 Jahre) hat sich zu dieser Zeit das erste Mal eine Spiegelreflexkamera gekauft und ich fand zu dieser Zeit die Urlaubsfotos sehr imposant. Ich fing an, mit einer alten Kamera von meiner Mutter zu fotografieren und später sparte ich auf meine eigene Kamera. Ich habe angefangen mich dafür zu interessieren, Momente festzuhalten und Stimmungen auszudrücken. Nach und nach lernte ich durch Probieren dazu und nahm an Fotowettbewerben teil.

Welchen Rat kannst Du all jenen mit auf den Weg geben, die als Einsteiger die Fotografie für sich entdecken?

Ich würde euch raten, viele Sachen auszuprobieren. Bei einem Motiv können viele Perspektiven interessant sein, welche man am Anfang gar nicht sieht. Umso mehr man ausprobiert, desto mehr kann man seinen eigenen Stil finden und ein Blick für interessante Bilder entwickeln.

Kannst Du Dich an Deine erste Kamera erinnern?

Selbstverständlich. Ich habe Monatelang mein Taschengeld gespart, um mir eine Einsteiger-Spiegelreflexkamera zu kaufen. Dazu ein Standart-Kit-Objekt und ich fing an, meinen Eltern mit Fotos auf die Nerven zu gehen.

Wo holst Du Dir fotografische Anregungen?

Oftmals durch den Alltag. Ich überlege, was mich warum fasziniert und setze dies in Szene. Dabei spielt für mich das Alltägliche zum Außergewöhnlichen zu machen eine Rolle, aber auch einfach persönliche Moment, die mich freuen, festzuhalten.

Hast Du aktuelle Fotoprojekte oder was sind in nächster Zeit Deine fotografischen Ziele?

Mein aktuelles fotografisches Ziel ist es, professioneller zu werden. Da ich neben Fotos auch noch Videos und andere kreative Aufgaben für die Band Sonic Jam meines Bruders mache, möchte ich mich auch in dieser Richtung weiterentwickeln.

Wo siehst Du Deine fotografischen Schwerpunkte und welche Motive haben es Dir aus fotografischer Sicht am meisten angetan?

Ich liebe es, nachts zu fotografieren. Es ist ruhiger als am Tag und man kann die Zeit einfach genießen. Ich nutze die Zeit, um mich zu entspannen und mein Kopf frei von anderen Dingen zu bekommen. Ansonsten bin ich auch auf Konzerten unterwegs und probiere die Energie, die da herrscht, aufzufangen.

Wie stehst Du der Fotografie mit dem Smartphone gegenüber?

An sich sehe ich Smartphones als machtvolles Objekt. Ich selber benutze es oft für private Erinnerungen, aber durch die offene Blende und die Linse kann man hervorragend Nahaufnahmen schießen. Mir ist dennoch eine Spiegelreflexkamera lieber, da man so mehr das Bild beeinflussen kann. Dazu zählen zum Beispiel Blende und ISO, aber auch die Fähigkeit, in RAW zu fotografieren und so Bilder optimal zu bearbeiten. Zudem experimentiere ich zurzeit viel mit Langzeitbelichtungen, was mit einem Smartphone einfach technisch nicht möglich ist.

Wie wichtig ist Dir die digitale Nachbearbeitung der Bilder, beispielsweise mit Photoshop oder Lightroom?

Da ich in RAW fotografiere, nutze ich immer Lightroom oder Photoshop. Aber neben Farben und Belichtung korrigiere ich selten etwas. Zum Beispiel Sommersprossen oder andere „Schönheitsfehler“ gehören zum Motiv dazu und machen es gerade dadurch oftmals interessanter.

Welchen Tipp kannst Du Deinen Mitstreitern für Blende geben?

Überlegt euch bevor ihr Fotos macht, was ihr damit eigentlich ausdrücken wollt und legt das in den Vordergrund. Durch eine spannende Komposition wird das Bild interessanter. Es muss nicht perfekt von der Ausführung sein, sondern etwas ausdrücken. Daher schnappt Euch Eure Kamera und probiert alles aus, was Euch in den Sinn kommt.

Portfolios 06 / 2016

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