Thomas Wils

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Das Foto macht in erster Linie das Auge des Fotografen

Wahrlich hoch hinaus musste Thomas Wils für die Aufnahme „SPITZENFOTO“, um die außergewöhnliche Lichtstimmung für dieses Motiv festzuhalten. Ganz nach vorne brachte Thomas Wils seine Aufnahme in der bundesweiten Endausscheidung von „Blende 2015“ wo er den 32. Platz belegte. Morgenstund hat sprichwörtlich Gold im Mund und so können auch Berggipfel goldig aussehen. Für Thomas Wils sind Berge zu jeder Tageszeit faszinierend, denn ihre Erscheinung variiert mit der Tageszeit.

Was war es für ein Gefühl, als Sie die Nachricht erreichte, dass Sie in der bundesweiten Endausscheidung von “Blende 2015” erfolgreich waren?

Freude… Geduld wurde belohnt. Andere Betrachter haben Gefallen an „meiner“ Sichtweise gefunden und so meine Gedanken zum Motiv bestätigt.

Beim Betrachter erweckt Ihre Aufnahme “Spitzenfoto” den Eindruck, dass Sie alles exakt durchgeplant haben, um diesen Bildeindruck zu erzeugen – ist dem so?

Ein deutliches „Jaein“! Natürlich habe ich schon sehr viele stimmungsvolle Landschaftsbilder dieser Art von anderen Fotografen betrachtet und mir gewünscht, diese Situation auch einmal vorzufinden. Naturfotos sind aber nur bedingt planbar. Man kann sich begünstigte Tageszeiten aussuchen, Wettersituationen in der Vorhersage beobachten, das Motiv im Kopf skizzieren…aber der richtige Augenblick für das Auslösen geschieht meist zufällig. So war es auch in diesem Fall: Das Foto entstand nach dem ersten Blick des Tages aus dem Fenster unserer Urlaubspension in den Dolomiten. Eigentlich wollte ich die Wettersituation betrachten, um den Tag zum Bergwandern vorzuplanen – dabei bot sich mir diese einmalige Licht- und Wolkensituation.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei dieser Aufnahme und wie viele Anläufe waren notwendig, bis Sie Ihr Motiv so im Kasten hatten?

Die größte Herausforderung in diesem Fall ist die Zeit. Die Sonne geht, die Wolken ziehen vorbei oder verdecken die Berggipfel wieder. Man wünscht sich, den perfekten Augenblick festzuhalten. Also heißt es: Kamera, Stativ und Fernauslöser suchen, Motiv beobachten und dabei den besten Bildausschnitt finden, die Kamera einrichten… und auslösen. Ich habe sieben Aufnahmen gemacht.

Was begeistert Sie selbst an Ihrer Aufnahme “Spitzenfoto”?

Mir selbst gefällt der Bildschnitt, die räumliche „Tiefe“ und die wunderschöne Lichtstimmung.

Was können Sie jedem, der sich dieser Art der Landschaftsfotografie zuwenden möchte, als Tipp mit auf den Weg geben?

Geduld. Offene Augen für’s Motiv und die Kamera greifbar… Hilfreich ist es immer, in der Dämmerung und/oder blauen Stunde ein Stativ zu nutzen.

Sie geben an, seit 2003 zu fotografieren. Wie sind Sie zur Fotografie gekommen und was begeistert Sie daran?

Kameras hatte ich auch vorher schon. Jedoch wurde weniger gezielt nach Motiven gesucht, eher geknipst. Eigentlich ist es widersprüchlich, denn die analoge Fotografie war kostenintensiver. Die Fotografie begann für mich „richtig“ mit meiner ersten digitalen DSLR 2003. Ich sah mir sehr viele Fotografien an, in Büchern oder online – dabei habe ich meine Sichtweise und den Blick für das Motiv geschult.

Sie fotografieren heute mit einer digitalen Spiegelreflexkamera – welche Vorteile sehen Sie für sich in der Spiegelreflexfotografie?

Ich bin fasziniert von den Möglichkeiten der digitalen Fotografie. Da ich vorher bereits eine analoge Spiegelreflex besaß, entschied ich mich wieder für eine Spiegelreflexkamera und wollte das Handling ausbauen und verbessern. Besonders Spaß macht es mir, die Motive am PC zu betrachten und technische (oder meine) Schwachstellen anschließend über Bildbearbeitung zu korrigieren.

Wie wichtig ist für Sie die Bildbearbeitung mit Programmen wie Photoshop oder Lightroom?

Sehr wichtig. Wie bereits erwähnt, ist man durch die digitale Bildbearbeitung nicht mehr auf die Zuarbeit eines Labors angewiesen und kann Schwachstellen des Fotos direkt selbst korrigieren oder die „gesehene“ Situation, die eigene Inspiration für ein Motiv noch verstärken bzw. herausarbeiten.

Wo sehen Sie Ihre fotografischen Schwerpunkte und was ist für Sie die größte Herausforderung?

Ich bin kein Spezialist für ein bestimmtes Genre, sondern versuche mich vielschichtig. Möglicherweise ist diese Denkweise nicht gut, um perfekte Bilder zu fotografieren…. Aber es macht mir eben so Spaß, und das ist mir wichtig: die Freude. Als große Herausforderung sehe ich die Menschenfotografie, Porträts und Akt.

Wenn Sie ein fotografischer Einsteiger fragt, welches Kamerasystem er sich zulegen sollte, was würden Sie ihm raten?

Das kommt auf den Menschen und seine Vorstellungen von der Fotografie an. Welche Ziele verfolgt man, wieviel soll investiert werden, wieviel Ausdauer hat er/ sie um eine komplette Fotoausrüstung zu tragen (auch wenn DAS Motiv mal wieder nicht im Sucher war etc.) Dem einen gefällt es nicht, durch einen Sucher sehen zu müssen, dem anderen ist eine Kamera zu groß, zu klein, zu schwer oder auch zu leicht. Zum Einstieg würde ich eine Bridgekamera empfehlen, die sind heute technisch sehr ausgereift. Das Foto macht in erster Linie das Auge des Fotografen… nicht die Technik, sie ist das Hilfswerkzeug.

Ich empfehle, in das Fotofachgeschäft zu gehen und die Haptik verschiedenster Kameras zu testen, die fotografischen Ziele zu bedenken und danach selbst eine Entscheidung zu fällen.

Was war Ihre erste Kamera?

Altix V, ein Erbstück meines Vaters, danach eine Kompaktkamera von Kodak – die zauberte zwar plötzlich Farbe ins Bild, überzeugte aber nicht in den anderen Qualitäten. Danach folgte ein weiteres Erbstück, die Praktica MTL 5b.

Was sind Ihre fotografischen Ziele?

Ohne Druck und „Drang nach oben“ möchte ich weiterhin fotografieren, diese Bilder vorstellen (in Wettbewerben und/oder auf Ausstellungen, online) und damit gleichgesinnte zum Betrachten, kritisieren und diskutieren einladen.

Wie stehen Sie der Fotografie mit dem Smartphone gegenüber?

Technisch ist die Smartphonefotografie inzwischen erstaunlich ausgereift. Für mich jedoch nur ein Hilfsmittel auf dem Weg – ich werde weiterhin mit meiner Kamera fotografieren. So der heutige Stand.

Was denken Sie über die Aufzeichnungstechnologie wie 4K und die Möglichkeit hochauflösende Standbilder aus Videomaterial herauszuziehen?

Ebenso verblüffend wie beim Smartphone – die Möglichkeiten sind genial und die Entwicklung geht immer weiter. Wer kommerziell arbeiten möchte oder muss wird hier sicher eher investieren. Ich bleibe da zurückhaltend und beobachte zunächst aus der zweiten Reihe.

Seit wann suchen Sie bei Wettbewerben wie “Blende” den Wettstreit und was ist Ihre Motivation?

Ich nehme seit 2006 am Blende-Wettbewerb teil und war im bundesweiten Endausscheid im Jahr 2007 auf Platz 89, 2011 auf Platz 100 sowie 2014 auf Platz 69. Motivation? Spaß an der Freude!

Was begeistert Sie speziell an unserem Fotowettbewerb “Blende”?

Interessante Themenauswahl und Preise.

Welchen Tipp können Sie Ihren Mitstreitern für “Blende” geben?

Niemals aufgeben, immer neues probieren sowie Geduld und Spaß an der Fotografie.

Portfolios 08 / 2016

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