Einkauf leicht gemacht - Der Weg zur optimalen Kamera

Viele Wege führen zum Bild. Doch wer glaubt, sie beginnen mit dem Druck auf den Auslöser, irrt. Voraussetzung für gute Bilder ist die Wahl der richtigen Kamera.

Die beste Kamera, so heißt es immer wieder, sei die, die man im entscheidenden Augenblick dabei hat. Das gilt allerdings nur, wenn die Alternative gar kein Photo bedeuten würde. Ansonsten bestimmen Motiv und Qualitätsanspruch des Photographen, welche Voraussetzungen eine Kamera für optimale Ergebnisse erfüllen muss. Bedienkomfort und Preis sind weitere Entscheidungskriterien, die Einfluss auf die Wahl der für die individuellen Ansprüche optimalen Kamera haben. Deshalb sollte jedem Kamerakauf eine gründliche Gewissenserforschung vorausgehen, bei der die kreativen Ambitionen, die Anforderungen an die Bildqualität, die Ansprüche an Aussehen und Bedienkomfort sowie die finanziellen Möglichkeiten gegeneinander abgewogen werden müssen.

Immer dabei - Das Photohandy
Zu den drei Dingen, die heute fast jeder immer dabei hat, zählen der Haustürschlüssel, die Geldbörse und das Handy. Die meisten Handys verfügen inzwischen auch über eine Photofunktion und erlauben es zudem, die mit ihnen aufgenommenen Bilder direkt in das eigene Internetalbum zu stellen und dort Freunden und Bekannten zugänglich zu machen oder sie auch auf deren Handy zu übertragen beziehungsweise ihnen per E-Mail zu schicken. Allerdings unterscheiden sich die Photofunktionen der Mobiltelefone in der Qualität ihrer Bilder und den gestalterischen Möglichkeiten deutlich voneinander. Die meisten sind als photographisches Notizbuch zum Festhalten visueller Informationen ausgezeichnet geeignet. Doch in der Leistungsfähigkeit von Sensor, Prozessor, Objektiv, Blitzlicht und Belichtungsprogrammen gibt es große Unterschiede.

Kaufcheck Photohandy
Wer mehr will als ein photographisches Notizbuch, braucht ein Photohandy
  • mit einer Auflösung von mindestens fünf Megapixel
  • Integriertes Blitzlicht, um auch bei schlechten Lichtverhältnissen photographieren zu können
  • Ein hochwertiges Zoomobjektiv (am besten von einem Markenanbieter, der auch Kameraobjektive herstellt)
  • Einen großen, hellen Farbmonitor (am besten im Sonnenlicht prüfen).
  • Spaß und Komfort versprechen auch Zusatzfunktionen, wie integrierte Navigationssysteme, Joystick, Gesichtserkennung, Bildstabilisation
Auch, wenn Photohandys inzwischen über zahlreiche Features verfügen, die in Kameras zu finden sind, so stellen sie derzeit noch keine Alternative dazu dar. Photohandys stehen vor allem für den schnellen Schnappschuss.

Kompaktkameras - Wenn es ein bisschen mehr sein darf
Kleine Kameras mit großer Leistung finden sich im Bereich der digitalen Kompaktkameras. Hier fällt die Auswahl, angesichts hunderter Modelle, oft sehr schwer. Spitzenmodelle in diesem Segment liefern Bildqualitäten, die mit so mancher Einsteigerkamera der Spiegelreflexklasse mithalten können.

Kaufcheck
  • Pixel: Auch, wenn die Pixel nicht der einzige Maßstab für die zu erwartende Bildqualität sind, liefern sie die Grundlage für die Auflösung und sind ein wesentliches Kriterium für die Schärfe sowie Vergrößerungsfähigkeit des Bildes und für die nachträgliche Wahl von Bildausschnitten. Für Familien- oder Urlaubsbilder reichen 6 bis 8 Megapixel aus. Für hohe Ansprüche, große Bildformate oder Ausschnittsvergrößerungen sollten es schon mindestens 10 Megapixel sein.
  • Prozessor: Ein leistungsstarker Prozessor reduziert das Bildrauschen, beschleunigt die Verarbeitungsgeschwindigkeit und bietet eine realistische Farbwiedergabe. Hier empfiehlt es sich, auf die jüngsten Systeme der bekannten Markenhersteller zu setzen.
  • Objektive: Um die winzigen, lichtempfindlichen Pixel auf den ebenfalls relativ kleinen Sensoren der Kompaktkameras optimal ausnutzen zu können, sind hochwertige Objektive gefragt. Nur dann bekommt man Bilder, die das Rauschen - unschöne Farbsäume - verhindern. Die meisten Kompaktkameras sind mit Zoomobjektiven ausgestattet. Im Trend liegen kurze Anfangsbrennweiten ab 25 mm und kürzer. Mit ihrer Superweitwinkelwirkung lässt sich aus kurzer Entfernung mehr auf das Bild bringen. Dem Kleinbild entsprechend sollte ein Weitwinkelzoom mindestens 25 mm bis 75 mm bieten.
  • Vorsätze: Um den Tele- und Weitwinkelbereich von Objektiven zu erweitern, gibt es bei manchen Topmodellen Vorsätze als praktisches Zubehör.
  • Seitenverhältnis: Viele Digitalkameras überlassen dem Photographen für seine Aufnahmen die Wahl des Seitenverhältnisses. Dann kann zwischen 4:3 (herkömmlicher TV-Monitor), 3:2 (herkömmliche Kleinbildphotographie) oder 16:9 (entspricht den Bildschirmen moderner Flachbildfernseher) gewählt werden.
  • Bildstabilisation: Unschärfen durch Bewegung oder Verwacklung zählen zu den häufigsten Aufnahmefehlern. Gute Kompaktkameras sind mit optischen oder mechanischen Systemen zur Bildstabilisation ausgestattet und besitzen eine intelligente ISO-Automatik.
  • Geschwindigkeit: Manchmal geht es darum, die einzelnen Phasen eines Bewegungsablaufes, die Entwicklung eines Geschehens in einer Bildserie festzuhalten. Mindestens 3 Bilder pro Sekunde sollte eine aktuelle Kamera in voller Auflösung aufnehmen können. Es gibt sogar Spezialkameras, die bis zu 60 Bilder schaffen.
  • Empfindlichkeit: Nicht immer ist bei wenig Licht Blitzen möglich, erlaubt oder gewünscht. Für stimmungsvolle Photos bei schwachem Licht sind Sensorempfindlichkeiten von ISO 1.600 und mehr wünschenswert. Gute Kameras liefern sogar Empfindlichkeiten bis ISO 6.400 und mehr. 
  • Monitore: Große, helle Monitore erleichtern die Ausschnittswahl. Das Display sollte 2,5 bis 3,5 Zoll oder größer sein und eine Auflösung von mindestens 230.000 bis 300.000 Pixel liefern.
  • Optischer Sucher: Bei sehr hellem Sonnenlicht ist der Bildausschnitt auf dem Monitor oftmals schlecht zu erkennen. Ein Sucher oder ein aufsteckbarer, optischer Sucher, wie es ihn für manche Kompaktkameras gibt, erleichtert die Ausschnittswahl.
  • Kabellos: Die kabellose Datenübertragung zum PC, zum Photodrucker oder ins Internet erleichtert die Archivierung und Sicherung der Bilddaten.
  • GPS: Eine zunehmende Zahl von Kameras kann durch integrierte GPS-Module oder über Zubehör die GPS-Koordinaten des Aufnahmestandpunktes festhalten, über die sich die Photos später automatisch in Landkarten entsprechender Internetdienste einfügen lassen.
  • Die intelligente Motivautomatik erlaubt das Photographieren ohne langes Nachdenken. Nach einer Motivanalyse werden automatisch das geeignete Belichtungsprogramm gewählt und die bestmögliche Kombination von Verschlusszeit und Blende eingesteuert. Aber auch die Entfernungseinstellung, Sensorempfindlichkeit, Farbanmutung und Kontraststeuerung wird auf Basis der intelligenten Motivanalyse optimiert. Die Gesichtserkennung wird zur Interpretation der Mimik genutzt, so dass die Kamera beispielsweise nur auslöst, wenn die Personen im Bild lächeln. Die Gesichtswiedererkennung optimiert nicht nur Schärfe, Belichtung und Farbwiedergabe der Gesichter im Motiv, sondern speichert die Bilder auch automatisch mit dem Namen der photographierten Person ab.
  • Makro: Wer auch kleine Motive auf kurze Entfernungen scharf ins Bild bringen möchte, der sollte auf den Makromodus achten. Mit einer guten Kamera kann im Nahaufnahmemodus bereits aus einer Distanz von 1 cm photographiert werden.
  • Wasserfest: Nicht nur für Unterwasserfreaks ist eine wasserfeste Kamera interessant. Auch wer am Strand oder im Regen unterwegs ist, wird eine wasserfeste Kamera zu schätzen wissen. Die meisten Kameras dieser Klasse sind zudem besonders robust und stoßfest konstruiert.
  • Fernbedienung: Wer auch einmal selbst mit aufs Bild möchte, der sollte auf eine Fernbedienung nicht verzichten. Bei einigen Kameras ersetzt die Mimikerkennung die Fernbedienung: Sie lösen automatisch aus, wenn die Person oder die Personen im Bild lächeln.

Superzoomkameras - Die Brücke zwischen Kompaktkamera und SLR
Einen Kompromiss in Bezug auf Kameragröße, kreative Möglichkeiten und Bildqualität liefern die Superzoomkameras mit ihren gewaltigen Brennweitenbereichen vom Superweitwinkel bis zum Superteleobjektiv. Die auch als Bridgekameras bezeichneten vielseitigen Alleskönner bieten die Flexibilität eines ganzen Spiegelreflexsystems in einem einzigen, relativ kleinen und leichten Kameragehäuse.
  • Sensor: 10 bis 12 Megapixel oder mehr sind schon Standard bei dieser Kameraklasse.
  • Empfindlichkeit: Durch die größeren Sensoren sind auch höhere ISO-Zahlen bei der Sensorempfindlichkeit möglich. Sie liegen heute in der Regel bereits bei ISO 6.400 und in Ausnahmefällen auch deutlich höher.
  • Display: Neben großen, hellen Displays von 2,5 bis 3,5 Zoll und mindestens 230.000 Pixel bieten einige Modelle die Möglichkeit, den Monitor zu drehen und zu schwenken, so dass sich auch Aufnahmen aus ungewöhnlichen Perspektiven bequem realisieren lassen. 
  • Objektiv: Große Weitwinkelzooms bieten bis zu 20-fache Brennweitenbereiche, die schon bei 25 mm entsprechend dem Kleinbildformat beginnen. Mit den als Zubehör angebotenen Vorsatzlinsen lassen sich die Brennweitenbereiche noch erweitern.
  • Bildstabilisation/ISO-Automatik: Schon wegen der erhöhten Verwacklungsgefahr, die beim Einsatz extremer Telebrennweiten droht, sind eine effektive, optische Bildstabilisation sowie eine intelligente ISO-Automatik unverzichtbar.
  • Sucher: Bei extrem hellen Umgebungslicht erleichtert ein elektronischer Sucher die genaue Kontrolle des Bildausschnitts.
  • Blitz: Als Zubehör werden externe Blitzgeräte mit höherer Leistung angeboten, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn zusätzlich zum integrierten Blitz noch mehr Licht benötigt wird.
  • Automatik: Für die Belichtungsmessung und Belichtungssteuerung sowie die automatische Scharfstellung werden ähnliche Automatiken angeboten, wie sie auch bei den Kompaktkameras zu finden sind. Meist kann man aber auch, zur Umsetzung individueller, kreativer Absichten, alle Funktionen manuell steuern.
  • Prozessor: Gefragt sind leistungsstarke Prozessoren für die kameraseitige Bildverarbeitung und eine effektive Rauschunterdrückung. Die Mindestanforderungen entsprechen der Topklasse im Kompaktkamerabereich, die meisten orientieren sich aber an den Anforderungen der SLR-Kameras. 

Spiegelreflex - Das Werkzeug für die kreative Photographie
Höchste Qualität und Flexibilität für die Umsetzung photographischer Aufgaben bietet die Spiegelreflexphotographie. Ihre Stärke liegt in dem Systemaufbau, der den Einsatz von Wechselobjektiven mit verschiedenen Brennweiten und umfangreichem Systemzubehör zur Lösung einer Vielzahl photographischer Aufgaben erlaubt. Für ein optimal gestaltetes, technisch perfektes Photo bleibt die Spiegelreflexausrüstung das Werkzeug der Wahl. Zunehmend geht der Trend im SLR-Markt zu kleineren Kameras und Objektiven.
  • Pixel: 10 bis 12 Megapixel oder mehr
  • Bildstabilisation: optisch, mechanisch kombiniert mit einer intelligenten ISO-Automatik
  • Display: Dreh- und schwenkbar, 2,5 bis 3,5 Zoll oder größer, Auflösung mindestens 230.000 Pixel
  • Prozessor: Er sollte leistungsstark genug sein, um schnelle Bildfolgen von mindestens drei Aufnahmen pro Sekunde zu ermöglichen und zudem auch für eine effektive Rauschminderung sorgen.
  • Empfindlichkeit: Hohe Sensorempfindlichkeit bis mindestens ISO 1.600; wünschenswert sind aber ISO 3.200 bis ISO 6.400.
  • „Live View“-Funktion: Spiegelreflexkameras der jüngsten Generation bieten meist neben dem optischen Sucher auch die Möglichkeit, über die sogenannte „Live View“-Funktion den Bildausschnitt am Kameradisplay zu bestimmen. Wenn sich der Monitor auch noch drehen und schwenken lässt, ist das Photographieren aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, wie etwa aus Bodennähe, aus der Vogelperspektive oder auch über die Schulter nach hinten möglich. Große Unterschiede gibt es bei den SLR-Kameras mit „Live View“ im Hinblick auf die AF-Steuerung. Wer vorzugsweise diese Funktion nutzen möchte, sollte sich daher für schnelle AF-Systeme entscheiden.
  • Automatiksteuerungen: Intelligente Automatiken steuern Scharfstellung, Belichtung und Weißabgleich. SLR-Kameras erlauben die Speicherung der Bilder im RAW-Format, das sich vor allem für nachträgliche Bildkorrekturen empfiehlt.
  • Sensor: Entscheidenden Einfluss auf die Baugröße, Rauschverhalten und Brennweitenwirkung haben die Sensorgrößen der SLR-Kameras. Je größer der Sensor, umso mehr Pixel lassen sich auf ihm unterbringen und je größer die Pixel, desto weniger droht bei hohen Empfindlichkeiten das gefürchtete Rauschen. In letzter Zeit kommen vermehrt auch SLR-Kameras mit Sensoren im vollen Kleinbildformat auf den Markt. Ihr Vorzug liegt auch in der hohen Lichtempfindlichkeit. Als Nachteil ergeben sich größere Kameras und Objektive.
  • Objektive: Werden an Kameras mit kleineren Sensoren für das Kleinbildformat gerechnete Objektive verwendet, so verlängert sich die Brennweitenwirkung. Beim „Four Thirds“-Format wirkt beispielsweise ein 100-m- Objektiv wie ein 200-mm-Tele beim Kleinbild. Doch was sich bei den Telebrennweiten positiv auswirkt, macht sich auf den ersten Blick bei den Weitwinkelbrennweiten negativ bemerkbar. Ein für das Kleinbildformat extremes Weitwinkelobjektiv mit 14 mm Brennweite liefert im „Four Thirds“-System die Wirkung eines 28-mm-Objektivs. Ähnliches gilt für die SLR-Kameras mit APS-C großen Sensoren. Hier entspricht die Bildwirkung dem Äquivalent einer 1,5x bis 1,6x längeren Brennweite beim Kleinbild.
  • Video: Auch Videoaufnahmen mit Digitalkameras werden immer interessanter. Hier sollte man beim Kauf unbedingt darauf achten, dass die Qualität dem hoch auflösenden Fernsehen und das Seitenverhältnis ebenfalls wie bei HDTV 16:9 entspricht. Für die verlustfreie Datenübertragung zum Fernseher ist auch eine HDMI-Schnittstelle empfehlenswert.
  • Ausbaumöglichkeiten: Die Entscheidung für eine digitale SLR-Kamera ist immer auch eine Entscheidung für ein System von Wechselobjektiven und weiterem Zubehör. Deshalb sollten nicht nur die Kamera, sondern auch die Ausbaumöglichkeiten der Gesamtausrüstung mit in die Kaufentscheidung einbezogen werden. Schließlich müssen bei einem Systemwechsel auch die Objektive, Blitzgeräte und anderes Aufnahmezubehör neu angeschafft werden. Bleibt man bei einem System, kann auch bei der Anschaffung eines höherwertigeren oder neueren Kameramodells das Systemzubehör meist weiter verwendet werden.
  • Four Thirds: Wer nach einem möglichst leichten und kompakten System sucht, wird automatisch auf die Kameras des „Four Thirds“-System stoßen. Dieses System wurde für die digitale Photographie entwickelt und bietet durch Sensoren, die nur halb so groß sind wie das Kleinbildformat, die Voraussetzung für die Konstruktion kleinerer und leichterer Kameras und Objektive. Ein weiterer Nutzen des „Four Thirds“-Standards liegt in der Kompatibilität der Produkte unterschiedlicher Hersteller zueinander.
  • Four Thirds Micro: Eine neue Variante des „Four Thirds“-Standards wurde jetzt als „Four Thirds Micro“ vorgestellt. Trotz gleichbleibender Sensorgröße erlaubt diese Konstruktion noch kleinere Kameras und Objektive, weil kameraseitig auf einen Rückschwingspiegel verzichtet wurde. Statt eines optischen Reflexsuchers kommt hier ein elektronischer Sucher zum Einsatz.

Beim Kauf einer Kamera ist es wichtig abzuwägen, welche Funktionen gewünscht und für die häufigsten Motive benötigt werden. Deshalb steht am Anfang immer die Frage: „Was will ich Photographieren?“ Erst dann ergibt sich, was die Kamera können sollte, welcher Kameratyp sich anbietet, welches Design dem eigenen Geschmack gefällt und ob das optimale Kameramodell auch wirklich für den Käufer „tragbar“ ist - das gilt für das Gewicht und den Preis gleichermaßen.

Pressemeldungen 09 / 2008

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