So großartig kann kompakt sein
Digiscoping setzt seine Erfolgsgeschichte fort

„Digi- was?!“, fragten noch vor zwei Jahren gestandene Photographen, wenn man mit ihnen über den neuen Trend „Digiscoping“ fachsimpeln wollte. Und Internet-Suchmaschinen förderten kärglich wenig brauchbare Anlaufstellen zutage. Nimmt man das Netz zum Maßstab, so hat das Digiscoping, also die Kombination kompakter Kameras mit Spektiven oder Ferngläsern, einen rasanten Siegeszug erlebt, wie selten zuvor eine Innovation in der Photographie. Heute brüstet sich eine Suchmaschine mit mehr als zwei Millionen Treffern zum Stichwort „Digiscoping“. Das liegt zum einen an den vielen Angeboten der Hersteller in diesem Bereich, zum anderen an sensationellen Bildern in Foren und auf privaten Homepages. Aber auch ein wenig am Erklärungsbedarf, den dieser noch junge Zweig der Photographie mit sich bringt. Dabei ist vieles einfacher geworden.

Hersteller von Optiken und Kameras bieten immer mehr maßgeschneiderte, aufeinander abgestimmte Lösungen für die Verbindung der Geräte an. Dabei geht aber der Charme keineswegs verloren, der hinter der Idee steckt, digitalen Winzlingen den Bereich des Superteles zu erschließen, einfach indem man zwei Geräte kombiniert.

Wer sich noch nicht mit der Digiskopie, so der weniger gängige deutsche Begriff, befasst hat, - hier noch einmal das „Geheimnis“ der digitalen Revolution: Digiscoping meint die Photographie mit einer meist kompakten „digi“-talen Kamera durch eine Fernoptik (Tele-„skop“ oder englisch tele-„scope“) wie ein Spektiv oder einen Feldstecher. Das funktioniert im einfachsten Fall derart, dass die Digitalkamera mit ihrem Objektiv so hinter dem Okular des Spektivs angebracht wird, dass die Kamera das Bild der Fernoptik erfasst und scharf abbilden kann.

Was so technisch klingt, ist ganz simpel, wenn man es ausprobiert. Man hält eine Digitalkamera ans hintere Ende eines Fernglases, stellt an der Optik grob scharf und verfolgt, was am Bildschirm passiert. Die Kamera findet per Autofokus die perfekte Schärfe, mit dem Zoom sucht man den passenden Ausschnitt, und - „klick“ - hat man mit seiner Hosentaschenkamera ein formatfüllendes Bild eines 20 m entfernt sitzenden Vogels gezaubert.

Digiscoping liefert durch das Prinzip der sogenannten afokalen Projektion, je nach Kombination der Geräte, extreme Brennweiten von mehr als 1.000 mm umgerechnet auf das Kleinbildformat. Selbst die immer hochwertigeren Handykameras können mit solchen Superteles kombiniert werden. Auch Besitzer von Spiegelreflexkameras können Digiscoping teilweise nutzen, wenn ihr Spektiv über ein abnehmbares Okular verfügt, und an das Gehäuse ein Adapter zur Kamera angeschlossen werden kann. Solche Lösungen und viele andere Neuheiten rund um Fernoptiken und Digiscoping erhalten Interessierte auf der photokina 2008, der weltgrößten Messe rund um das Bild, vom 23. bis 28. September in Köln. Dort können Messebesucher unter anderem clevere Komplettsysteme erleben: Spektive mit eigens dafür entwickelten Kameras, mit denen zum Beispiel Naturbeobachter unkompliziert und bequem ihre Entdeckungen dokumentieren können. Und natürlich immer bessere kompakte Digitalkameras und Adaptionslösungen.

Damit gerüstet kommen vor allem Outdoorphotographen auf ihre Kosten, wenn sie einige Tipps beherzigen. Digiscoping ist wegen seiner gigantischen Brennweiten trotz aller technischen Neuerungen immer noch Photographie im Extrembereich. Das liegt an der starken Vergrößerung, die das Photographieren anfällig für Verwacklungen macht. Das Spektiv gehört beim Digiscoping auf ein Stativ oder einen anderen kleinen Helfer wie die praktischen Bohnensäcke. Auslösen sollte man am besten mit einem Fern- oder dem Selbstauslöser.

Ausprobieren ist der Schlüssel zum Erfolg und Photospaß beim Digiscoping. Die Technik ist zwar kein echter Ersatz für Spiegelreflexkameras mit Superteles. Aber sie eröffnet den immer besser gewordenen Kompakten neue Horizonte - und das zum vergleichsweise günstigen Preis, vor allem, wenn Naturfreunde die Teleoptik auch gleich zum Beobachten nutzen können.

Viele Herausforderungen dieser spannenden Technik lassen sich mit etwas Übung meistern - außer eine: schlechter Qualität. Die Vielzahl der Linsen in Kombination von Fernoptik und Kameraobjektiv führt nämlich dazu, dass sich Gütefehler summieren. Eine große Auswahl hochwertiger Geräte zum Ausprobieren wird es auf der photokina 2008 geben. Bei der Neuauflage der Veranstaltung „Weitblick Look and See" werden die tierischen Flugkünstler des Wildgeheges Hellenthal in diesem Jahr ihre Kreise über der „Piazza" innerhalb des Freigeländes der Koelnmesse ziehen. Besucher der photokina können die rasanten Tiere wieder mit hochempfindlichen Ferngläsern führender Hersteller der Fernoptik beobachten. Dieses Schauspiel sollte man sich nicht entgehen lassen, nicht nur weil die Aktion „Weitblick" während der photokina 2006 ein wahrer Publikumsmagnet war, sondern weil man sich hier einen umfassenden Überblick über das Angebot und die Leistungsfähigkeit aktueller Ferngläser verschaffen kann. Digiscoping zum Anfassen und Ausprobieren, das bietet die photokina 2008 allen Messebesuchern.

Pressemeldungen 09 / 2008

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