Innovationen der Kameratechnik - Der Stand der Dinge

Seit dem Beginn der digitalen Revolution in der Fotografie hat dieses Medium bis heute nichts an seiner dynamischen Innovationskraft verloren. Im Gegenteil: Beinahe täglich überrascht die Fotoindustrie mit neuen Techniken, die das Fotografieren einfacher machen, die Bildqualität weiter verbessern und die Grenzen der individuellen Gestaltungsmöglichkeiten für die Fotografen kontinuierlich erweitern.

Einfach bessere Fotos
Für eine technisch perfekte Fotografie müssen an der Kamera vor dem Auslösen in Abhängigkeit vom Motiv eine Vielzahl optimal aufeinander abgestimmter Aufnahmeparameter „eingesteuert“ werden. Wie viele das sind, weiß kaum noch jemand, der heute mit seiner Kamera im Vollautomatik-Modus seine Schnappschüsse macht und damit in den meisten Fällen auch zu hochwertigen Ergebnissen gelangt. Die Kamera nimmt ihm dabei praktisch alles ab. Sie stellt automatisch scharf, sorgt für die korrekte Belichtung, wählt die passende ISO-Empfindlichkeit, steuert den Weißabgleich und gleicht sogar Kontraste aus. Für typische Motivsituationen halten die meisten Kameras zunächst noch spezielle Belichtungsprogramme parat, unter denen der Fotograf wählen kann. Doch das war gestern. Heute analysieren die Kameras selbst die Situation und wählen dazu passend die optimalen Voreinstellungen.

Intelligente Automatik
Um die richtigen Voreinstellungen für die optimale Wiedergabe eines Motivs zu ermitteln und einzustellen, benötigen die Kameras der jüngsten Generation nur noch Bruchteile von Sekunden. Dabei beschränkt sich der intelligente Autofokus nicht darauf, auf ein anvisiertes Objekt scharf zu stellen. Er erkennt auch, ob und wohin sich das Objekt bewegt und ändert entsprechend kontinuierlich seine Entfernungseinstellung. Sind Personen im Bild, werden sie über die Gesichtserkennung erfasst und automatisch im Visier behalten. Bei mehreren Personen kann der Fotograf bei manchen Kameras der jüngsten Generation sogar bestimmen, auf welche er das Hauptaugenmerk legen möchte. Die Kamera stimmt dann die Schärfennachführung automatisch auf diese Person ab. Sogar die Mimik von Personen im Bild wird von modernen Kameras analysiert. Die Ergebnisse werden dann so verwendet, dass beispielsweise nur ausgelöst werden kann, wenn die Person lächelt. Diese Funktion lässt sich auch als Selbstauslöser nutzen, wenn der Fotograf selbst mit auf das Bild möchte. Die Gruppe verkneift sich einfach das Lächeln, bis er seinen Platz vor der Kamera eingenommen hat. Noch weiterentwickelte Gesichtserkennungsfunktionen können sich Gesichter merken und erkennen diese wieder, wenn sie erneut von der Kamera erfasst werden. So lassen sich die Aufnahmen von bestimmten Personen automatisch in speziellen Ordnern ablegen, womit die Archivierung und das Wiederfinden von Aufnahmen bestimmter Personen erleichtert werden. Moderne Bewegungssensoren in der Kamera ermitteln zudem die Geschwindigkeit eines Objekts und passen nicht nur Entfernung, sondern auch Verschlusszeit und ISO-Zahl so an, dass die Gefahr von Verwacklungs- und Bewegungsunschärfen minimiert werden. Fast alle Kameras benutzen für die Ermittlung der Entfernungseinstellung Systeme mit mehreren Messfeldern. Bei hochwertigen Kameras lassen sich die Messfelder zudem individuell vom Fotografen auswählen. So kann er präzise bestimmen, auf welches Bilddetail das AF-System scharfstellen soll.

Wackelbremsen
Verwacklungsunschärfen gehörten bislang zu den häufigsten Aufnahmefehlern. Seit einigen Jahren gibt es jedoch Systeme zur Bildstabilisation, die Bewegungen der Kamera während der Aufnahme kompensieren. Dabei haben sich zwei Verfahren durchsetzen können: die optische Bildstabilisation, für den Bewegungsausgleich durch eine bewegliche Linsengruppe im Objektiv sowie die kameraseitige Bildstabilisation durch Sensorshift. Beide Systeme haben Vorteile. Die optische Bildstabilisation kann individuell optimal auf die Kamera-Objektiv-Kombination abgestimmt werden. Die Stabilisation durch Bewegungsausgleich per Sensorshift hat den Vorteil, dass sie praktisch mit allen Objektiven funktioniert, die sich an die Kamera ansetzen lassen. Moderne Systeme zur Verhinderung von Verwacklungsunschärfe kombinieren die Stabilisation durch den Bewegungsausgleich per Linsengruppe oder Sensor zudem mit der Wahl einer ausreichend kurzen Belichtungszeit und der dafür erforderlichen ISO-Empfindlichkeit. So wird automatisch ein optimaler Kompromiss für das Fotografieren aus der freien Hand mit einer möglichst langen Verschlusszeit, einer für die Bildqualität möglichst niedrigen ISO-Einstellung und der Kompensation durch das Stabilisationssystem gefunden.

Gewusst wo
Einige wenige Kameras können mithilfe integrierter oder als Zubehör ansetzbarer GPS-Module die Koordinaten des Aufnahmestandpunktes in die Exif-Datei einer digitalen Aufnahme schreiben. Zu Hause am Computer erhält der Fotograf dann über die entsprechende Software weitere Informationen über das Motiv und im Umkreis liegende kulturelle oder touristische Einrichtungen. Manche Fotohandys können schon vor Ort dem Fotografen sagen, was er gerade fotografiert und was es sonst noch in der Nähe an Attraktionen gibt.

Fotos lernen laufen
Eine der wichtigsten Fortschritte der letzten Jahre in der digitalen Spiegelreflexfotografie war die Einführung der LiveView-Funktion. Damit können jetzt auch SLR-Fotografen ihren Bildausschnitt auf dem Display wählen. Die Weiterentwicklung dieser Technik führte zur Integration der Aufzeichnung bewegter Bilder mit der Spiegelreflexkamera. Die Vorteile gegenüber den Camcordern waren flexiblere Brennweitenwahl, terte Gestaltungsmöglichkeiten mit selektiver Schärfe und erstklassige Bildqualität mit minimalem Rauschen durch die größeren Bildsensoren. Jetzt gingen die Kamerahersteller noch einen Schritt weiter und haben bei den Systemkameras den Spiegelkasten abgeschafft und die Kameras stattdessen mit einem elektronischen Echtbildsucher ausgestattet. Erstmals haben das die Systemanbieter im Four Thirds Lager realisiert. Demnächst wollen auch Hersteller anderer Aufnahmestandards folgen.

Die Innovationskraft der digitalen Revolution hat noch lange nicht ichren Zenit erreicht. Noch immer überrascht die Industrie mit Neuerungen, die das Fotografieren einfacher, sicherer sowie kreativer gestalten und die Möglichkeiten für den Umgang mit Fotos und ihre Nutzung ständig erweitern.

Pressemeldungen 07 / 2009

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