Photographieren für Tier- und Naturschutz

Der Schutz der Umwelt spielt in unserer Zeit eine immer wichtigere Rolle. Viele Tier- und Pflanzenarten würden ebenso wie zahlreiche Landschaftsformen einfach verschwinden, wenn sich Menschen und Organisationen nicht für ihren Erhalt einsetzten. Auslöser für viele Engagements sind Photographien, die Missstände aufdecken oder in eindrucksvoller Weise die Schönheiten zeigen, die es auf unserem Erdball zu erhalten gilt.

Wer war nicht voller Mitleid für das kleine, einsame Robbenbaby, das der Photograph Fred Bruemmer 1965 aufnahm? Sein Bild wurde weltweit abgedruckt und hat wesentlich zu den Protesten gegen die grausame Robbenjagd beigetragen. Das Magazin „Life“ zählte die Aufnahme später zu den hundert Photographien, die die Welt veränderten.

Gerade, wenn es darum geht, Menschen aufzurütteln und emotional anzusprechen, bewahrheitet sich das Sprichwort „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Photos lassen sich nicht so leicht ignorieren wie Texte - sie erreichen quer durch alle Altersgruppen und Schichten einen Aufmerksamkeitsgrad, wie es Worte kaum schaffen. Bilder haben die Kraft und die Macht. Dafür gibt es eine Vielzahl an Beispielen.

Einer, der die Macht der Bilder nutzte, um seinem Engagement für den Naturschutz Nachdruck zu verleihen, war Bernhard Grzimek. Mit den faszinierenden Aufnahmen der ostafrikanischen Serengeti-Steppe hat der Zoologe sowohl mit seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ als auch mit dem Buch „Kein Platz für wilde Tiere“ weltweit Aufsehen erregt. Sein Wirken hat erheblich zur Einrichtung von Naturreservaten in Afrika beigetragen. Ebenfalls schon mehrere Jahrzehnte ist es her, dass die Elefanten als Elfenbeinlieferanten vor allem in Ostafrika abgeschlachtet wurden und sich der Bestand um 80 Prozent verringerte. Die Aufnahme der öffentlichen Verbrennung von 12 Tonnen Elfenbein, entzündet vom kenianischen Staatspräsidenten Daniel Arap Moi, sensibilisierte die Weltöffentlichkeit gegen die Wilderei der grauen Riesen. Im gleichen Jahr wurden bei der Konferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen Elefanten auf die Liste bedrohter Tierarten gesetzt und dadurch der Handel mit Elfenbein unterbunden. Es waren die Satellitenbilder des brennenden Regenwaldes, die das Ausmaß der Katastrophe, die sich im Amazonasgebiet anbahnte, zeigten. Bis heute konnte zwar die Rodung des wertvollsten Regenwaldes der Erde nicht gestoppt werden, aber die Bemühungen um den Erhalt sind vor allem auch auf die bildliche Dokumentation der Zerstörung zurückzuführen. Mit ihrem niedlichen Aussehen haben es Pandabären auf viele Magazinseiten geschafft. Der WWF hat den Bären als Patentier auserkoren und fand durch die Popularität viel Unterstützung beim Aufbau von Naturschutzallianzen für den Erhalt der Pandabären in freier Wildbahn.

Zu verheerenden Umweltverschmutzungen führten und führen auch immer wieder Tankerunglücke. In den daraus folgenden Ölpesten verendeten mehrere hunderttausende Seevögel und Meeressäuger. Letztendlich waren es auch die Bilder, die zu einem Umdenken führten und zu einem Gesetz der EU, das eine Verschärfung der Kontrollen in Seehäfen vorschreibt. Schiffen in einem schlechten Zustand wurde das Einlaufen - zumindest in den meisten europäischen Häfen - für die Zukunft unersagt.

Sind die Alpen noch zu retten? Diese Frage hat 1993 schon der Tierfilmer und Naturschützer Heinz Sielmann in einer mit dem WWF gemeinsam produzierten Fernsehsendung gestellt. Breite Aufmerksamkeit fand dieses Thema durch die Aufnahmen der Gletscher in Vergleichen zwischen Jahrzehnte auseinander liegenden Photographien und förderte das Nachdenken über die Folgen des Klimawandels. Einen Antrieb gaben die bildlich dargestellten Veränderungen der Alpen auch dafür, sich um eine Tourismusentwicklung mehr im Einklang mit der Natur zu bemühen.

Was oft verborgen blieb oder auf andere Weise nicht so überzeugend und glaubhaft hätte vermittelt werden können, haben Naturphotographen und -filmer rund um den Erdball mit ihren Kameras aufgenommen und damit viele Probleme ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Beeindruckende Photographien von Tieren, Pflanzen und Landschaften haben die Menschen nicht nur immer wieder tief bewegt, sondern auch vieles in Bewegung gesetzt - von der Einrichtung von Naturreservaten über den Erhalt bedrohter Tierarten bis zu einem sich verändernden Verhalten in Sachen Klima- und Umweltschutz.

Pressemeldungen 09 / 2008

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