Close Up: Filmproduktion

Close Up: Filmproduktion
Wenn alle Szenen am Set abgedreht sind und sich das Filmteam wieder in alle Winde verstreut hat beginnt im Schnittraum die Montage der Szenen. Während die Dreharbeiten eine gewisse Öffentlichkeit und Prominenz genießen, ist die Post-Production etwas das hinter verschlossenen Türen und sprichwörtlich im Dunklen geschieht.

Die Post-Production umfasst die Arbeiten in all jenen Bereichen, die für die Fertigstellung des Filmwerkes maßgeblich sind. Angefangen vom Filmschnitt über die Bildbearbeitung und das Einbringen von visuellen Effekten bis hin zur Tonspur und den Intro-/Abspann-Titeln. Jeder Aspekt wird unter der kreativen Leitung des Regisseurs genau geplant und ausgeführt. Die Arbeit an den individuellen Teilbereichen kann im Regelfall erst beginnen, wenn die Dreharbeiten abgeschlossen sind und das Filmmaterial vorliegt.

Das Rohmaterial wird zunächst in eine bearbeitbare Form für das verwendete Schnittsystem gebracht. Wurde mit VHS, Mini-DV und Beta gefilmt, muss das Material zunächst digitalisiert werden, um im nicht-linearen Schnitt bearbeitet werden zu können. Realfilm mit 8mm, 16mm, 35mm oder gar 70mm muss zunächst digital abgetastet werden, bevor die Arbeit im digitalen Schnittraum beginnen kann. Der erste Schritt ist nun die Selektion, bei der Aufnahme für Aufnahme gesichtet wird. Takes mit Versprechern, Lachanfällen und ähnlichem werden meist für das Bonusmaterial separiert. Takes mit inhaltlichen Fehlern bei Dialog und Handlung fallen unter den berühmten Schnitt-Tisch.

Anhand der vorgenommenen Auswahl von verwendbaren Aufnahmen wählt der Regisseur die Takes aus, die für eine betreffende Szene verwendet werden sollen, aber auch solche, die als Alternative eingesetzt werden können. Der Cutter (= Schnittmeister) fügt die Aufnahmen zu den Szenen zusammen, kombiniert mit verschiedenen Übergängen die Szenen miteinander, wodurch der Rohschnitt des Filmes entsteht. In Abstimmung mit dem Regisseur wird anschließend der Feinschnitt der einzelnen Sequenzen und Szenen vorgenommen. Dabei wird ebenfalls festgelegt ob eventuell Aufnahmen durch alternative Takes ersetzt werden müssen oder auch eine ganze Szene gestrichen wird, da diese dem gewünschten Tempo der Handlung nicht entspricht. Dieses Schicksal hat schon so mancher Darsteller in einer Big-Budget-Produktion erleiden müssen – beispielsweise wurde Harrison Ford als Schuldirektor aus der ursprünglichen Fassung von „E.T. – Der Außerirdische“ entfernt.

Der Feinschnitt stellt nun die Grundlage für die Bearbeitung des Bildmaterials und der Tonspur dar. Waren bei den Dreharbeiten besondere VFX (visual effects) vorgesehen, meist kam hierfür eine blue- oder green-screen zum Einsatz, müssen die betreffenden Bildbereiche durch CGI (computer generated images) ergänzt und gefüllt werden. Mit digital matte paintings werden komplette Bildbereiche überlagert, sodass die gefilmte Handlung in eine Fantasylandschaft eingebunden werden kann. Weiterhin wird das Colorgrading vorgenommen, Kontraste verstärkt, die Körnigkeit bestimmt, die Färbung und Sättigung festgelegt, wodurch jede Sequenz einer Szene ihren eigenen Filmlook bekommt.

Das Bildmaterial dient ebenfalls als Basis für das Sound Design und die Erstellung des Soundtracks. Dieser ist eben nicht nur die Filmmusik, sondern beinhaltet alle akustischen Elemente. Die Tonspur spannt den emotionalen Bogen für die Handlung, die auf der Bildebene transportiert wird. Wurde ein Dialog am Set mit störenden Umgebungsgeräuschen aufgenommen, so muss die Sprache per ADR (additional dialogue recording) erneut im Studio aufgenommen werden. Manche Szenen machen es sogar nötig, dass der Sounddesigner das Geräuschumfeld vollständig entwickelt und nachstellt. Weiterhin wird die Filmmusik passend auf das Filmmaterial komponiert, wodurch die Emotionen des Zuschauers angesprochen werden sollen. Der letzte Schritt im Sound Design ist schließlich die Tonmischung, die je nach Art und Umfang von 2-Kanal Stereo über 5.1 Dolby Surround bis hin zu 7.1 SDDS Mehrkanal Ton ausfallen kann.

Parallel zur Arbeit am Bildmaterial und der Tonspur findet die Erstellung der Intro Sequenz und des Abspanns statt. Gerade für Intro-Sequenzen haben sich Firmen spezialisiert, die diese Einleitungen in die Filmische Handlung in besonders künstlerischer Weise vornehmen. An den End Credits wird schnell die große Anzahl der an einer Big Budget Produktion beteiligten Personen deutlich.

Mit dem Final Cut werden schließlich alle Elemente zusammengefügt und der Film wird auf das Präsentationsmedium ausgegeben. Nimmt man all diese einzelnen Aspekte und Arbeitsschritte zusammen wundert es kaum, dass die Produktionszeit für einen aufwändigen Spielfilm mehrere Jahre betragen kann und unzählige Menschen mit ihrem kreativen Input daran beteiligt sind.

Video 07 / 2016

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