Close Up: Filmproduktion - Grundsätzliches

Mit der Videofunktion an Spiegelreflex- sowie kompakten Systemkameras, die je nach Modell Filmqualitäten à la Hollywood ermöglichen, und mit Internetportalen wie youTube und MyVideo, steigt die Zahl derer, die sich aktiv der Filmproduktion hingeben. Die uns zur Verfügung stehende Technik, die so leicht in der Bedienung ist, suggeriert uns, dass die Erstellung eines eigenen Videos ein Kinderspiel sei. So einfach gestaltet sich die Realität aber nicht. Aus einem guten Drehbuch kann man durchaus einen schlechten Film machen, aber aus einem schlechten Drehbuch wird niemals ein guter Film! Diesen Spruch hat jeder Filminteressierte sicherlich schon mindestens einmal im Leben gehört. In Bezug auf die Produktion eines Filmwerkes gilt dieser Spruch im Grunde genommen gleichsam für jedes stilistische oder produktionsspezifische Detail.

Film und Fotografie – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Film und Fotografie haben das Malen mit Licht und die kunstvolle Inszenierung von Bildern gemein. Der Fotograf denkt in Einzelbildern – der Filmemacher in Sequenzen. Je höher der qualitative Anspruch an das jeweilige Resultat, umso höher ist der zu betreibende Aufwand. Beide Medien unterscheiden sich grundlegen, bei einem genaueren Blick hinter die Kulissen. Während jeder von uns bereits recht professionelle Fotografien zustande bringt, so ist für einen halbwegs fachmännischen Film stets eine Gruppe von Menschen benötig. Beim Medium Film entsteht zudem ein deutlich höheres Volumen an Daten, die bearbeitet werden müssen. Erschwerend kommt schließlich noch hinzu, dass ein Film den Rezipienten nicht nur mit visuellen, sondern auch akustischen Reizen ansprechen will.

Die Filmgeschichte hat immer wieder gezeigt, dass es nicht die eine, pauschal richtige Herangehensweise gibt, um ein ambitioniertes Filmprojekt zu realisiert. Da es vielmehr eine unterschiedliche Anzahl von Möglichkeiten gibt, sind nachstehend die vordinglichsten Aspekte ein wenig detaillierter beschrieben.

Erste Entscheidung: Dokumentation oder Fiktion

Wenn sich die Idee für einen Film konkretisiert, muss sich der Filmemacher zunächst fragen, ob diese Idee als Dokumentation (= Abbildung der Realität) oder als Fiktion (= Schaffung einer Illusion/Realität) umgesetzt werden soll. Diese doch recht banale Entscheidung ist von immanenter Bedeutung, denn dadurch wird festgelegt, wie und in welchem Umfang die Wahrheit mit filmischen Mitteln präsentiert wird.

Eine Dokumentation, wie die einer Hochzeit, sollte in allen Belangen stets wahr sein, sie erzählt ihre Geschichte anhand von „journalistisch“ aufbereiteten Informationen und versucht einen realen Vorgang – oder Teile davon – möglichst genau wiederzugeben. Auch wenn es durchaus zu einer Mischung von erklärenden und erzählenden Elementen kommt, steht bei einem Dokumentarfilm immer der Anspruch auf Authentizität und Nichtfiktionalität im Vordergrund.

Eine Fiktion hingegen muss dies nicht zwingend, da auch das reinste Seemannsgarn gesponnen werden kann. Grundsätzlich gilt, dass eine Fiktion ihre eigene Welt mit eigenen Regeln schafft, welche der Rezipient als real anerkennt. Sollte ein Spielfilm also mit der Phrase „Basierend auf einer wahren Begebenheit“ beginnen, dann nur deshalb, weil das Medium von Grund auf manipulativ ist und diesen angeblichen Wahrheitsbezug nutzt, um eine spannende Geschichte noch realer wirken zu lassen.

Langspielfilme – Wegen Kapital- und Zeitmangel in der Regel kein Thema für Amateure

Ob nun die Entscheidung für ein dokumentarisches oder fiktionales Filmwerk getroffen wird, ist eigentlich unerheblich, denn in der Summe zeigt die Erfahrung, dass abendfüllende Filmprojekte im Amateurbereich – insbesondere Langspielfilme – nahezu unmöglich realisierbar sind. Zwei Gründe sind hierfür maßgeblich: Zum einen der Mangel an Kapital und zum anderen die Unvereinbarkeit der beteiligten Personen, die alle zeitgleich in ihrer Freizeit verfügbar sein müssen. Wer also plant, einen Spielfilm mit abendfüllender Länge zu realisieren, sollte sich zunächst um die umfassende Finanzierung kümmern und sicherstellen, dass die reinen Dreharbeiten in einem Zeitfenster von maximal drei Wochen durchführbar sind. Als Voraussetzung gilt hier selbstredend, dass alle Beteiligten diesen Zeitraum blocken können und Urlaub nehmen dürfen. Bei einer unzureichenden Finanzierung – insbesondere im Bereich von no-budget und low-budget Produktionen – ist man vielfach zur Improvisation gezwungen. Beispielsweise wird versucht, das Urlaubsproblem mit Wochenend-Shootings zu umgehen, wobei die Dreharbeiten dann schnell einen Zeitraum von weit über einem Jahr einnehmen können. Man kann nur den Hut vor einem solch anspruchsvollen Projekten ziehen, da alle Beteiligten nicht nur jede Menge Herzblut, sondern auch einen Großteil ihrer Wochenenden in das Filmwerk investieren. Langspielfilme sind daher im Amateurbereich eher die Ausnahme und so bleibt dem ambitionierten Filmemacher eigentlich nur die Option eines Kurzfilms, der vergleichbar weniger aufwändig in Bezug auf Drehzeit, Kosten und Produktionsumfang ist.

Video 12 / 2015

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1 Kommentare

Guter Einstiegsartikel in das Thema. Ich hoffe es kommt noch eine Fortsetzung im Bereich Praxis. Insbesondere der Passage zu „Basierend auf einer wahren Begebenheit“ kann ich vollkommen zustimmen.

von Jan N.
09. Dezember 2015, 10:26:30 Uhr

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