Filmfehler - Man kann nicht auf alles achten

Filmfehler - Man kann nicht auf alles achten
Ein Filmfehler (engl. goof) liegt immer dann vor, wenn im Verlauf des Filmes ein markantes Detail auffällt, das sich während der Dreharbeiten unbemerkt eingeschmuggelt hat. Ein solches Detail kann irritierend oder störend wirken, für manche Zuschauer aber auch belustigend. Irgendwann ist jedem von uns schon mal ein solcher Fehler aufgefallen. Der klassische Filmfehler tritt als Anschlussfehler (engl. continutiy) in Erscheinung: Sei es das nahezu leere Sektglas, das plötzlich wieder voll ist oder ein vermeintlich Toter, der plötzlich wieder atmet. Manchmal ist ein Teil vom Filmequipment sichtbar – die Tonangel kommt ins Bild oder man sieht die Kamera samt Crew in einer Spiegelung – aber auch Anachronismen, logische Handlungsfehler, falsche Fakten, Namen und Orte können ursächlich für einen Filmfehler sein.

Ein Filmfehler liegt hingegen nicht vor, wenn die Einbringung eines betreffenden Details aufgrund der dramaturgischen Notwendigkeiten vorgenommen wurde. Exemplarisch sei hierbei das großzügige Aushebeln der physikalischen Gesetze in Actionfilmen genannt. Reine Schnittfehler – so wie Bild- und Achsensprünge, unlogische oder ermüdende Schnitte – stellen somit keine Filmfehler im Sinne einer Unachtsamkeit der Conitnutiy oder der Gegebenheiten am Filmset dar.

Was für den Filmemacher ärgerlich ist, scheint für manchen Filmfreak mit großer (Schaden-)Freude verbunden, da es weltweit eine Fangemeinde gibt, die jedweden aktuellen oder klassischen Film auf Filmfehler hin sichtet. Es gibt online Plattformen, auf denen sich Filmfehler von neuen Blockbustern wie Lauffeuer verbreiten. Diese werden mitunter auch von den Filmstudios frequentiert, um besagte Fehler bei der Zweitauswertung auf BluRay und DVD digital zu korrigieren. Grund genug also, um sich etwas näher mit diesem Thema zu beschäftigen.

Anschlussfehler

Es besteht kein Zweifel daran, dass Anschlussfehler am häufigsten in Erscheinung treten. Eine Szene wird am Set in verschiedenen Einstellungen aufgenommen und erst im Schnitt zur eigentlichen Filmszene zusammengesetzt. Es kann vorkommen, dass zwischen zwei zusammenhängenden Einstellungen mehrere Stunden oder auch Tage liegen. Je größer das Set und je umfangreicher die Requisiten in einer Szene, umso mehr Details gibt es für die Continuity zu beachten, um mögliche Anschlussfehler zu vermeiden. Schauspieler werden kostümiert, frisiert und erhalten womöglich ein spezielles Make Up, sitzen in der Szene mit einem Glas Wein beim Candle Light Dinner. Schon diese wenigen Details reichen aus, um Filmfehler entstehen zu lassen, denn am Getränk wird genippt, das Essen wird verspeist und die Kerze brennt unaufhaltsam herunter.

Vor allem in Actionfilmen sind sichtbare Wunden normal. Ebenso normal ist aber auch deren vortreffliche Heilung innerhalb kürzester Zeit. Häufig lassen Wetterphänomene wie plötzlicher Platzregen einen Protagonisten förmlich baden gehen. Binnen kürzester Zeit – also nur ein paar Einstellungen später – ist die Kleidung wieder trocken, meist sogar frisch gebügelt und die Frisur sitz perfekt. Mal ist es eine Zeitung, die unter den rechten Arm geklemmt in der anschließenden Szene unter dem linken Arm getragen wird, dann ist es wieder das Hemd, das lässig geöffnet und kurz darauf bis zum Kragen zugeknöpft ist.

Technische Filmfehler

Diese Art von Filmfehlern reißen uns förmlich aus der Illusion heraus, die ein Film für den Zuschauer aufzubauen versucht. Hier werden eben jene Details sichtbar, die das Medium Film und dessen Entstehung reflektieren. Angefangen von einem Mikrofon, das am oberen Bildrand auftaucht über Kabel, Stative, Scheinwerfer oder andere Teile des Filmequipments, die im Bildraum sichtbar werden. Bisweilen kommt es vor, dass selbst Personen der Filmcrew zu sehen sind. Meist in solchen Fällen, wenn Spiegel oder spiegelnde Flächen von Requisiten im Bildraum positioniert sind und parallel die Kamera bewegt wird.

Inhaltliche Fehler

Inhaltliche Filmfehler beziehen sich auf Details, die der Filmhandlung widersprechen und somit Verständnisfragen aufwerfen. Eine Diskrepanz zwischen dem Spielort oder der Zeit mit einem Detail der Handlung ist hierfür ausschlaggebend. So kann es sich um wissenschaftliche Errungenschaften drehen, die ihrer Erfindung vorweggenommen werden oder historische Fakten, die in einem falschen Zusammenhang verwendet und dargestellt werden. Auch das Abweichen von der Realität und die darauf basierende Schaffung von Halbwahrheiten wird als inhaltlicher Fehler gewertet.

Logische Fehler

Logikfehler werden vor allem von den Fans eines besonderen Genres als am schlimmsten empfunden. Im Gegensatz zu den bereits benannten Filmfehlern können logische Fehler die gesamte Filmhandlung unglaubwürdig machen. Im Film werden Details bekannt, die in absolutem Kontrast zur bereits bekannten Handlung oder gemachten Erfahrungen stehen. Der Zuschauer lässt sich auf die Realität der Filmwelt ein und akzeptiert diese. Werden durch Prequels oder eine Fortsetzung jedoch Details bekannt, die dieser Realität entgegen stehen oder sie gar aushebeln, verliert der Zuschauer die Akzeptanz.

Anachronismen

Zeitliche und dramaturgische Ungereimtheiten sind vor allem bei den Fans von Filmfehlern stets ein Grund zur Freude. Im Mittelalter hat ein Kind eine Zahnspange im Mund, in der Antike trägt ein Mann eine Armbanduhr, bei einem Piratenfilm ist ein Dampfschiff am Horizont auszumachen, bei Ausgrabungen in Ägypten um 1920 sind Fernsehantennen auf den Häuserdächern zu sehen. Weiterhin lässt sich ein Radio sowohl mit einer Knopfdrehung nach links als auch nach rechts ausschalten. Eine Person im Bildraum hält sich die Ohren zu, noch bevor auf den Protagonist geschossen wird. Im Bildhintergrund fährt ein moderner Sportwagen vorbei, welcher im Film noch eine Zukunftsvision ist. Alternativ ist auch die Nennung zeitlich nicht korrekter Ortsnamen als Anachronismus aufzuführen.

Video 04 / 2016

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4 Kommentare

Schöne Filmfehler findet ihr auch bei www.dieseher.de

von Max
07. April 2016, 17:18:33 Uhr

Beispiele gibt es auf www.filmfehler.tv

von Dirk
06. April 2016, 18:58:29 Uhr

Hi Jamie, stimme Dir zu. Toll wären Bildbeispiele aus den von Dir genannten Filmen. Darf man bestimmt aus Urhebeschutzgründen nicht bringen Gruß Chris

von Chris
06. April 2016, 17:10:58 Uhr

Schöner Artikel, aber ich hätte mir einige Standbilder zu den Fehlern gewünscht. Vor allem bei der Aufzählung der Anachronismen. Hier ist doch jedem Filmfan klar, dass es um Filme wie Fluch der Karibik, Ben Hur, oder Indiana Jones geht.

von Jamie
06. April 2016, 16:58:20 Uhr

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