Videotipp: Freie Musik für die eigenen Videos

Freie Musik für die eigenen Videos
Wer testweise bei einem spannenden Film den Ton abschaltet, wird feststellen, wie wichtig Musik für den Gesamteindruck ist. Da liegt es nahe, sich auch für eigene Videoaufnahmen einer Musikuntermalung zu bedienen. Vor allem bei Motiven, die keine nutzbare Tonspur mitbringen, wie etwa Zeitlupen- oder Zeitraffer-Filme, ist das sinnvoll. So einfach, dass man seine eigenen Lieblingssongs verwenden und das Ganze ins Internet stellen könnte, ist es aber nicht. Man verstößt dann nämlich nicht nur gegen das Urheberrecht, sondern muss auch eine Lizenzvergütung an die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) zahlen. Das kann teuer werden.

GEMA-Freie Musik finden

Jamendo
Praktischerweise findet man jedoch auch viele legale Quellen zum kostenlosen Download von sogenannter „GEMA-freier Musik“ im Internet. Es gibt sogar eigene Portale, wie etwa Jamendo, die riesige Tonarchive vorhalten. Ergänzend dazu bieten auch Video-Portale wie YouTube (unter „Audio-Bibliothek“) und Vimeo (unter „Musicstore“) mittlerweile Musik-Archive mit Soundtracks für die eigenen Filme an. Und schließlich betreiben auch einige Musiker, wie etwa der bekannte Filmmusik-Komponist Kevin MacLeod mit Incompetech, Websites zum freien Herunterladen von Musikstücken.

YouTube Detailsuche
In der Regel stehen umfangreiche Detailsuchmöglichkeiten zur Verfügung, die man nutzen sollte. Es ist nämlich ziemlich zeitraubend, sich wahllos durch zahlreiche Musikstücke durchzuhören, um etwas Passendes zu finden. Empfehlenswert ist daher die Eingrenzung nach Stimmung (z.B. „fröhlich“, „dramatisch“) und auch die Wahl reiner Instrumentalstücke. Steht die Länge des Films schon fest, kann auch die Suche nach einem zeitlich passenden Stück sehr hilfreich sein.

In der Regel kann man die Suchergebnisse schon vor dem Download bequem über die Website probehören und findet dann meist auch recht schnell etwas Passendes. Heruntergeladen werden kann der gewählte Soundtrack dann oft sogar ohne Registrierung.

Nutzungsrechte beachten

Nur weil die Werke frei und kostenlos übertragen werden können, dürfen sie jedoch noch lange nicht völlig frei verwendet werden. In der Regel gibt es auch hier „Nutzungsbedingungen“. In diesem Rahmen tauchen sehr häufig die Begriffe „GEMA-Freiheit“,„royalty free“ und „Creative Commons“-Lizenzen auf, die schnell zu Verwirrung führen können. Um zu verstehen, um was es sich dabei handelt, hilft es, ein bisschen auszuholen: Ähnlich wie das Fotografieren ist auch das Komponieren und die Interpretieren von Musikstücken ein schöpferischer Akt. Die Werke unterliegen damit automatisch dem Urheberrecht. Der Urheber – also zum Beispiel der Komponist oder ein Klavierspieler – kann seine Werke aber auch zur Nutzung freigeben.

„Creative Commons“-Lizenzen verstehen

Abspann
Genau das passiert bei den so genannten „Creative Commons“-Lizenzen. Allerdings ist auch hier geregelt, in welchem Rahmen die Nutzung geschehen darf. Damit nicht jeweils individuelle Verträge ausgehandelt werden müssen, gibt es derzeit sechs verschiedene Varianten von Creative Commons-Lizenzen. Am wichtigsten für Privatleute ist zu beachten, dass bei allen der Urheber genannt werden muss. Wer also ein Video erstellt und mit Musik unterlegt, muss den Interpreten nennen. Meist wird man dazu den Abspann des Films nutzen.

Vorsicht bei kommerzieller Nutzung

Soll das Video nicht nur auf der privaten Homepage erscheinen sondern es zum Beispiel dem Chef so gut gefällt, dass er es zur Illustration auf die Unternehmens-Website nehmen möchte, liegt jedoch keine rein private Nutzung mehr vor, sondern eine kommerzielle. Ob das erlaubt ist, ist ebenfalls in der Creative Commons Lizenz festgelegt. Wo genau die „kommerzielle Nutzung“ beginnt, darüber streiten sich in den Randbereichen übrigens die Gerichte und Juristen. Wer sicher gehen will, fragt im Zweifelsfall lieber einfach beim Urheber nach, ob er das Werk verwenden darf.

CC Lizenz
Der dritte wichtige Aspekt bei CC-Lizenzen ist das Recht zur Bearbeitung. Auch das kann sich der Urheber vorbehalten. Und schließlich kann der Schöpfer des Musikstückes noch festlegen, ob ein bearbeitetes Werk nur unter gleichen Bedingungen weitergegeben werden darf. Durch die Kombination der verschiedenen Varianten (Namensnennung, kommerzielle-private Nutzung, Bearbeitung, Weitergabe) entstehen insgesamt sechs Varianten. In der Regel zeigen die Download-Portale vor dem Herunterladen an, welche Lizenz für das ausgewählte Stück gilt. Meist ist auch ein Link zu einer Erläuterungsseite hinterlegt, so dass man nachlesen kann, wenn man sich unsicher ist.

GEMA-Freiheit

Für die Nutzungsmöglichkeit eines kreativen Werkes werden normalerweise Lizenzgebühren fällig. Die können zum einen direkt vom Künstler erhoben werden oder auch von Verwertungsgesellschaften wie eben der GEMA. Verzichtet ein Künstler bewusst auf diese Gebühren, kann man die Musik wie auf den vielen „GEMA-freien“-Downloadportalen kostenfrei bekommen. Im Gegenzug sollte man so fair sein und sich an die vom Musiker gewünschten Lizenzauflagen halten und etwa den Künstlernamen nennen und die Werke nicht einfach kommerziell nutzen.

Eigene Musik / Alte Musikaufnahmen / Musik neu interpretiert

Aus dem Schneider ist jeder, der eine musikalische Ader hat und entsprechend selbst komponiert. Bedient man sich älterer Kompositionen, so sind laut Wikipedia musikalische Kompositionen und Aufnahmen 70 Jahre nach Tod des Schöpfers geschützt, danach werden sie gemeinfrei, d.h. „Es ist erlaubt, derartige Werke selbst einzuspielen, in Noten zu setzen oder als MIDI-File zu programmieren, um diese hier frei zu verwenden“. Bei Abwandlungen einer Komposition befindet man sich direkt in einer Grauzone – wenn sie signifikant genug sind, ist es eine Neuschöpfung, aber wenn nicht, dann ein Plagiat.

Video 02 / 2015

1 Kommentare

Ach die GEMA! Ich unterstütze wirklich die Rechte von Künstlern und zahle auch gerne GEZ-Gebühre für's Radio und Fernsehen. Aber als Privatnutzer wird das langsam wirklich zu viel! Zum Teil will man einfach nur Musik verbreiten (was ja im Interesse der Künstler liegt) oder einfach nur für meine Privatsammlung haben. Zum Glück gilt in Deutschland noch das Recht auf Privatkopien, sodass man mit Konvertern etc. noch legal und gratis an Musik kommen kann (http://www.flvto.com/de/how-to/is-it-legal-to-download-music-from-youtube/). Für kommerzielle Zwecke sehe ich es aber ein, Geld verdienen mit der Musik anderer sollte nicht möglich sein!

Jakob Wintermeier

von Jakob Wintermeier
25. Februar 2015, 18:04:19 Uhr

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