Speichermedien für den Videoschnitt

Speichermedien
Wenn die Kameraaufnahmen im sprichwörtlichen Kasten sind, fängt die eigentliche Arbeit an einem Filmprojekt erst an. Vorbei sind die Tage als in rauchschwangeren Kellerräumen ausbelichtete Materialschnipsel an großen Schneidetellern zu Filmrollen zusammengeklebt wurden. Der Videoschnitt wird heute an modernen Schnittplätzen vorgenommen. Auch wenn sich an der prinzipiellen Arbeitsweise nichts geändert hat, so hat die Digitalisierung zur Beschleunigung des Workflows beigetragen. Der nichtlineare Videoschnitt hat viele Prozesse vereinfacht und effizienter gemacht, da das Rohmaterial (entweder von einer analogen Quelle digitalisiert oder bereits als digitales Videoformat vorliegend) auf der Festplatte eines Rechners gespeichert und dann nichtlinear – also in beliebiger Reihenfolge – bearbeitet werden kann.

Welches Speichermedium für die Bearbeitung des Rohmaterials auf dem Computer in Frage kommt ist meist von persönlichen Vorlieben des Cutters abhängig. Prinzipiell könnte das Material bei heutigen Kameramodellen auch direkt auf der Speicherkarte geschnitten und bearbeitet werden, doch zwei Hauptargumente sprechen dagegen: Zum einen die Sicherheit der Daten vor Verlust oder Überschreiben und zum anderen die verhältnismäßig langsamen Zugriffsgeschwindigkeiten auf die Speicherkarte. Jeder Filmer kann sich die praxisnahe Faustregel einprägen, dass VOR Beginn der Videobearbeitung das gesamte Rohmaterial auf einem Speichermedium gesichert wird. Bestmöglich archiviert man dann auch noch die Speicherkarte und geht so auf „Nummer Sicher“.

Rohdaten können stationär an einem fest eingerichteten Schnittplatz oder mobil per Notebook bearbeitet werden. Für den jeweiligen Arbeitsplatz gibt es interne und externe Speicherlösungen, die als HDD (Hard Disk Drive, Permanent-/ Massenspeicher) oder SSD (Solid-State-Drive bzw. Disk, Halbleiterlaufwerk) erhältlich sind. Weiterhin wäre die Arbeit über ein NAS (Network Attached System) denkbar.

Wird mit großen Datenmengen hantiert, die sich schnell bei Aufnahmen in 4K-Auflösung summieren, ist die Verwendung einer SSD mit USB-3.0 Anschluss eine gute Voraussetzung für die Schnittarbeit. In Bezug auf erforderliche Datenraten beim nichtlinearen Videoschnitt ist vor der Anschaffung einer SSD mit USB-2.0 Anschluss oder gar einer Speicherkarte abzuraten. Bei Rohmaterial mit einer Auflösung bis zu Full-HD kann hingegen auf eine reguläre Festplatte zurückgegriffen werden, USB-3.0 sollte sich als Standard inzwischen herumgesprochen haben. Mit einem Speichervolumen von 1 Terabyte kommt man sicher gut über die Runden. Wer entsprechend vorsorgen will, kann auch zwei oder mehr externe Speichermedien verwenden. Allerdings sollte man der Grundregel folgen, dass ein Videoprojekt immer nur von einem Speicherort aus bedient wird. Ergo wird für ein Projekt nur eine Festplatte oder SSD verwendet.

Ob intern verbaut oder als externes Medium angeschlossen, gegenwärtig als vorteilhaftester Speicher ist eine SSD anzusehen, da diese keine mechanischen Teile haben – wodurch die Haltbarkeit höher und die Gefahr des Datenverlustes infolge Defekt oder Beschädigung geringer ausfällt – und sie eine geringere Zugriffszeit und höhere Lesegeschwindigkeit als Festplatten besitzen. Bei einem stationären Profi-Schnittplatz ist es inzwischen Usus, dass das gesamte System SSD-gestützt arbeitet. Meist in der Form, dass eine SSD das Betriebssystem und die entsprechenden Programmen rund um den Videoschnitt und die Nachbearbeitung beherbergt und eine zweite SSD, auf der die Auslagerungsdateien von Rendering und Dateiexport landen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass sich bei einem Schnittplatz – ob nun stationär oder mobil – die verwendeten Komponenten ergänzen und miteinander kompatibel sind. Die schnellste, größte und beste USB-3.0 Festplatte nutzt nichts, wenn der Rechner nur über USB-2.0 Anschlüsse verfügt, der Prozessor entsprechende Zugriffsgeschwindigkeiten nicht unterstützt oder der RAM-Speicher der Grafikkarte zum Flaschenhals wird. Gerade wenn Bildeffekte (CGI, aufwändige Übergänge, Color-Grading etc.) in das Videomaterial integriert werden sollen ist vor allem Rechenleistung gefragt, die ein Rendering in vertretbarem Zeitrahmen ermöglicht.

Video 10 / 2017

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