Die Videokamera als Schnittwerkzeug

Leben und leben lassen Bildgalerie betrachten

Blende ,“Leben und leben lassen”
Wolfgang Wüstefeld

Dem Filmvergnügen kann heute mit unterschiedlichen Systemen - VHS-C, Video8, Hi8, Digital8 oder beispielsweise MiniDV, DVD - und den Aufzeichnungsvarianten analog und digital nachgegangen werden. Es ist technisch ein leichtes, die aufgenommenen Filmsequenzen auf einen PC zu überspielen, um sie zu bearbeiten. Um sich viel Zeit und Mühe zu ersparen, ist es sinnvoll und empfehlenswert, schon während des Drehs beispielsweise auf die Kameraeinstellung, Szenenlänge, Beleuchtung, Bildausschnitt und Perspektive zu achten.

Der Kamerastandpunkt sollte nach Möglichkeit so gewählt werden, daß er die Filmidee voran bringt und für den Zuschauer interessante Bilder garantiert. Es ist ratsam, eine Position einzunehmen, die es erlaubt, Handlungsabläufe optimal im Bild festzuhalten. Hat man als Kameramann/frau kein gutes Blickfeld, so wird man die gewünschte Szene auch nicht optimal einfangen können. Auf Standortwechsel ist dann zu verzichten, wenn sie für den Zuschauer nicht nachvollziehbar sind. Auch die beste Videoschnittsoftware kann fehlerhafte beziehungsweise ungenügende Kamerastandpunkte nicht mehr revidieren.

In der Kürze liegt die Würze, dies trifft besonders auf den Film zu. Filmszenen sollten also kurz sein, denn nur dann gelingt es, den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Wichtig ist die Erzeugung von Spannung. Dies erreicht man beispielsweise durch Szenenwechsel. Längere Aufnahmesequenzen bieten sich dann an, wenn Bilder interessant sowie spannend und ein Standortwechsel sowie unterschiedliche Kameraeinstellungen nicht möglich sind. Während der Aufnahme selbst spielt die Szenenlänge eine untergeordnete Rolle, denn mittels Videobearbeitung kann korrigierend eingegriffen werden. Wer über ausreichend Filmmaterial verfügt, hat den Vorteil, den interessantesten Teilabschnitt auswählen zu können.

Kamerabewegungen bieten sich beispielsweise für Motive an, die selbst statisch sind. Aktionsgeladene Filmsequenzen können durch das Mitziehen der Kamera oder das Zoomen untermauert werden. Es gilt, nicht zu übertreiben und mit Kameraschwenks sowie mit dem Zoom sparsam umzugehen. Zwischen den Schwenks sollten ruhende Bildszenen stehen, es sei denn, die Schwenks selbst behalten Richtung und Geschwindigkeit bei. Bevor in ein Motiv hineingezoomt wird, sollte die Totale dem Zuschauer einen Überblick ermöglichen, damit dieser den Bildausschnitt besser zuordnen kann. Eine besonders ruhige Hand ist bei Kamerafahrten und beim Filmen im gehen Voraussetzung.

Die richtige Beleuchtung ist das A und O eines guten Films und unterstreicht die Filmaussage. Unterbelichtete Filmsequenzen, dunkle Bereiche mit Kunstlicht ausgeleuchtet oder beispielsweise die Aneinanderreihung von zu vielen Gegenlichtaufnahmen erweisen sich als nicht vorteilhaft und ermüden den Zuschauer. Videoschnittprogramme erlauben zwar eine Korrektur an Helligkeit, Kontrast und Farbe, die Möglichkeiten sind jedoch begrenzt.

Der gewählte Bildausschnitt entscheidet darüber, ob die Filmszene den Zuschauer zu überzeugen versteht. Man sollte nach Möglichkeit darauf achten, daß das Motiv, unabhängig davon ob dieses steht oder in Bewegung ist, bevorzugt zentriert aufgenommen wird. Bildaussagen sollten in jedem Fall durch Aufnahmen untermauert werden, die zeigen, wo der Ausschnitt liegt. Die Videobearbeitungssoftware bietet die Option, je nach Bedarf die Totale als Eingangsszene beziehungsweise -szene nutzen zu können.

Mit der Perspektive sollte in jedem Fall gespielt werden. Motive gilt es, aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit der Videokamera zu betrachten und, sofern es die Situation zuläßt, auch aus mannigfachen Perspektiven zu filmen. Oftmals sieht man erst während des Videoschnitts, daß die Szene, beispielsweise von oben eingefangen, eine sehr viel stärkere Aussagekraft hat.

Videokameras verfügen über zahlreiche Funktionen wie Überblendeffekte, Titel-, Vorschau- oder beispielsweise Löschfunktionen. Durch Videoschnittprogramme ist es jedoch nicht mehr notwendig, daß Fehlaufnahmen über die Videokamera gelöscht und Effekte oder auch Titel nicht mehr per Kamera zugeordnet werden müssen. Es ist sogar meist ratsamer auf die erweiterten Kamerafunktionen zu verzichten, da diese oftmals beim Schnitt wieder eliminiert werden müssen, da sie nicht in das im Schnittprogramm gewählte Schnittprogramm passen.
 

Video 01 / 2006

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