Videotipp - Eine Seefahrt, die macht lustig

© Fotograf: Juliane Keller, Ein Schiff wird kommen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Juliane Keller, Ein Schiff wird kommen, Blende-Fotowettbewerb
Kreuzfahrten liegen absolut im Trend, und zwar generationsübergreifend. Je nach Kreuzfahrtschiff ist man von 3.000 und mehr Menschen umgeben – das löst für Nichtkenner mitunter Beklemmungen ebenso aus wie Langeweile. Beides – und vor allem letzteres – scheint aber wohl nicht der Fall zu sein, denn sonst wären Kreuzfahrten nicht so angesagt. Für Foto- und Videobegeisterte sind sie ein nicht enden wollendes Eldorado an Motiven, und zwar nicht nur an Bord, sondern auch bei den diversen Landgängen.

Ausrüstung

Dem Filmvergnügen kann mit einer Action Cam, einem Camcorder ebenso nachgegangen werden wie mit einer Kamera. Ob Kompaktkamera, kompakte Systemkamera oder Spiegelreflexkamera – nahezu alle aktuellen Kameramodelle verfügen heute über eine Videofunktion. Hollywoodqualitäten erreichen hochwertige Kompaktkameras sowie kompakte System- und Spiegelreflexkameras. Aktuell kommen immer mehr Kameras auf den Markt, die 4K zu bieten haben. Das ist natürlich derzeit das Nonplusultra an Qualität. Der eine oder andere mag sich fragen, warum derzeit in 4K zu investieren, wo es doch noch nicht so viele Optionen der 4K-Präsentation gibt. Nun die Vorteile liegen auf der Hand, denn man investiert in die Zukunft – 4K wird sich immer mehr durchsetzen. Als filmbegeisterter Fotograf hat man mit 4K zudem die Option, qualitativ hochwertige Standbilder aus den Videosequenzen ziehen zu können. Ein Stativ gehört in jedem Fall mit an Bord. An das Reinigungsset ist ebenso zu denken wie an Ersatz-Akku, Ersatzspeicherkarten, Ladegeräte und, sofern vorhanden, Filter. Bei Fotografen, die mit Kameras mit Wechseloptik fotografieren und filmen, gehört auch noch eine Auswahl an Objektiven in die Reisetasche. Das Normalobjektiv darf unserer Ansicht nach ebenso wenig in der Fototasche fehlen wie das Weitwinkel- und Teleobjektiv.

Zubehör für den Dreh

© Fotograf: Michael Kummer, Welches ist nun das Richtige?, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Michael Kummer, Welches ist nun das Richtige?, Blende-Fotowettbewerb
Das Angebot an Zubehör für den Dreh wird immer umfangreicher und das ist auch gut so, denn dadurch erweitern sich die Möglichkeiten, die im Video später sicht- und hörbar sind. Aber nicht nur das, sondern das Zubehör stellt auch eine wichtige Erleichterung für den Filmer dar, denken wir hier beispielsweise an den externen Monitor, der größer als das Kameradisplay ist und dadurch eine bessere Bildkontrolle zulässt. Ein Stativ oder Rig entlastet nicht nur die Arme, sondern sorgt auch für eine optimale Kameraposition. Was nützt einem das beste Filmmaterial, wenn der Ton grottenschlecht ist – Abhilfe schaffen externe Mikrofone.

Schutz der Ausrüstung

Je nach Wetterlage kann es bei Kreuzfahrten recht rau zugehen und damit ist auch ein hohes Maß an Feuchtigkeit verbunden. Genauso wie man sich als Mensch vor Wind und Wetter schützt, so gilt es, auch seine Kameraausrüstung zu schützen, sie zu pflegen und das nicht erst am Ende der Kreuzfahrtrundreise. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man seine Kamera vor Salzwasser und der der salzhaltigen Luft mit einem Unterwassergehäuse schützt. Je nach Schiff lauert die Gefahr von Feuchtigkeit nicht nur über, sondern auch unter Deck. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit auf See können sich im schlimmsten Fall Schimmel und Pilze speziell auf das Objektivglas setzen. Es gilt, seine Fotoausrüstung häufig zu nutzen und sie frischer Luft und auch Sonnenlicht auszusetzen. In die Fototasche und oder das luftdichte Behältnis gehört Silikagel. Wenn Silikagel trocken ist, dann ist es von tiefblauer Farbe. Hat es der Umgebung Feuchtigkeit entzogen, so verfärbt es sich rosa und wird wirkungslos. Der Vorgang ist umkehrbar. Wer sich längere Zeit an Bord eines Schiffes aufhält, der sollte in regelmäßigen Abständen die Fotoausrüstung direktem Sonnenlicht aussetzen, denn UV-Licht tötet zuverlässig aufkeimenden Schimmel und Pilze ab.

© Fotograf: Heiko Wenzel, Schiff , Ahoi, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Heiko Wenzel, Schiff , Ahoi, Blende-Fotowettbewerb
An Bord bleibt es also nicht aus, dass sich Wasser auf der Kamera und der Optik niederschlägt. Wichtig ist es, die Feuchtigkeit mit einem weichen Tuch oberflächlich zu entfernen, bevor die Kamera in der Fototasche verstaut wird. Nach der Fototour gilt es, die Fotoausrüstung aus der/dem Fototasche/Fotorucksack zu nehmen und an einem warmen Ort, zum Beispiel in der Nähe eines Heizkörpers, trocknen zu lassen. Die Optik an kompakten Systemkameras und Spiegelreflexkameras sollte man am Aufnahmegerät belassen, da ansonsten die Gefahr besteht, dass Staub in das Innere der Kamera gelangt.

Filmtipps:

  • „Darf es etwas mehr sein“ ist die richtige Devise beim Fotografieren und Filmen, auch wenn dies bedeutet, während und/oder nach der Reise mehr Datenmaterial sichten zu müssen. Ein Mehr stellt sicher, dass man in jedem Fall ausreichend Filmmaterial für den anschließenden Videoschnitt hat.
  • Chronologie – auch wenn diese an einen Schulaufsatz erinnert, so hilft sie, in den eignen Videodreh Struktur hineinzubekommen und nichts zu vergessen. Mit dem Filmen sollte nach Möglichkeit schon gleich begonnen werden, wenn man sich dem Kreuzfahrtriesen nähert und/oder unmittelbar vor ihm steht. Auf Deck hat man alle Freiheiten, was man in seinen Videos festhält. Aus unserer Sicht gehören die ersten Schritte an Deck ebenso gefilmt wie die Kabine, das Verlaufen an Deck, das Büfett, die Sicherheitsübung, das Zusammentreffen mit dem Kapitän – und eventuell darf man ja sogar mit auf die Brücke, das Freizeitprogramm bis hin zum Sonnenuntergang beziehungsweise -aufgang und natürlich die Landgänge.
  • Videotagebuch – auch, wenn ein Bild mehr als 1.000 Worte sagt und ein Video dementsprechend zigtausend Worte zu sagen hat, empfehlen sich gerade bei den Landgängen Notizen. Also ein kleines Büchlein nicht vergessen, denn so sind Verwechslungen der Filmszenen beim anschließenden Videoschnitt ausgeschlossen.
  • © Fotograf: Günther Scholz, ab in die Ferne, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Günther Scholz, ab in die Ferne, Blende-Fotowettbewerb
    Dynamik im Video wünscht sich jeder. Gerade Einsteiger sind vielfach der Ansicht, diese mit wilden Schwenks – horizontale beziehungsweise vertikale Bewegung der Kamera während der Aufzeichnung – zu erzielen. Da wird die Kamera mit einer hohen Geschwindigkeit von rechts nach links oder unten nach oben gezogen, in der Annahme, die Dynamik im Video zu erhöhen. Dem ist bei Weitem nicht so. Wer seine Zuschauer und sich selbst bei der Betrachtung von Videos nicht in die Flucht treiben möchte, der sollte die Schwenks ganz behutsam einsetzen. Weniger ist in diesem Fall immer mehr. Wichtig ist also, die Schwenks langsam, gleichmäßig und ruhig durchzuführen. Unerlässlich sind dafür ein stabiles Stativ und ein Fluid-Videostativkopf. Dieser garantiert dem Anwender, dessen Friktion – Wiederstand – dosieren zu können.
  • Einstellungen – Die einzelnen Filmeinstellungen sollten nicht zu kurz und auch nicht zu lang sein. Wie lang die einzelnen Szeneeinstellungen dauern, hängt natürlich vom Inhalt ab. Es ist beispielsweise nicht sonderlich spannend, wenn man eine Szenerie von 10 Sekunden und mehr hat, in der lediglich zu sehen ist, wie dem Kapitän die Hände geschüttelt werden. Man sagt, dass schon ab 10 Sekunden oder mehr Einstellungen langweilig wirken. Löst man stattdessen die Situation auf und fängt die sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Bildausschnitten ein, so ist das schon die halbe Miete für den Erfolg. Dabei sollte man darauf achten, nicht zwischen zu ähnlichen Einstellungen zu wechseln. Beim Filmen desselben Motivs aus verschiedenen Perspektiven muss außerdem die „continuity“ beachtet werden. Das bedeutet, dass alle Details von einer Einstellung zur nächsten zueinander passen.
  • Kameraposition, das A und O – Schon vor dem Dreh sollte man sich, neben dem Bildausschnitt, Gedanken über die Kameraposition machen. Der Videofilmer hat die gleichen Optionen wie der Fotograf. Wichtig ist es mitunter, mit einer ungewöhnlichen Kameraposition aufzuwarten, die dem Filminhalt mehr Spannung verleiht. So entspricht die Vogelperspektive – von oben nach unten – alles andere als unseren Sehgewohnheiten, und darin liegt das Besondere und Reizvolle. Die Vogelperspektive vermittelt einen interessanten Überblick und besondere Aspekte. Wird genau senkrecht nach unten gefilmt, so wirken die Filmaufnahmen besonders verblüffend. Entscheidet man sich dazu, aus Augenhöhe zu filmen, so ist das nicht immer spannend, wenn auch am häufigsten verwendet. Unter Subjektiven versteht man eine Kameraposition beziehungsweise -einstellung in Augenhöhe, die die Sichtweise des Darstellers verdeutlichen soll. Das kann ein Mensch genauso sein wie ein Tier oder beispielsweise eine Maschine. Soll die Größe eines Motivs hervorgehoben beziehungsweise gesteigert werden, so fällt die Wahl auf die Froschperspektive – auch als Untersichtige bezeichnet – es wird von unten nach oben gefilmt. Kommt diese Kameraposition in geschlossenen Räumen zu Einsatz, so ist auf die Zimmerdecke zu achten, die zwangsläufig in der Aufnahme zu sehen ist.
  • Filmschnitt – „In der Kürze liegt die Würze“, das wusste schon Shakespeare. Wie man allerdings bei einem Film mehrere Stunden Realtime kürzen kann, ohne, dass seltsame Lücken oder Sprünge sichtbar sind, darauf hatte Shakespeare keine Antwort – wir hingegen schon. Um beim Schnitt mehrerer Stunden Realtime ein optimales Ergebnis, das heißt Übergänge, die zueinander passen, zu erhalten, genügt es nicht, die Kamera einfach nur „draufzuhalten“ und dann das Filmmaterial wahllos aneinander zu reihen. Ein Plan – im Fachjargon als „Storyboard“ bezeichnet – ist ein Garant dafür, dem Film die nötige Struktur zu verleihen. Wichtig ist ein fesselnder Filmanfang – dann hat man später den Betrachter schon auf seiner Seite. Natürlich setzt dies voraus, über das entsprechende Filmmaterial zu verfügen.

Video 08 / 2015

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2 Kommentare

Umweltverschmutzung ist ein ganz anderes Thema. Wenn es danach geht dann dürften wir auch nicht Fliegen usw.

von Pia
12. August 2015, 12:47:51 Uhr

Der "generationsübergreifende Trend" zu Kreuzfahrten hat allerdings eine höchst bedenkliche Folge : kein Verkehrsmittel verschmutzt die Umwelt so wie Kreuzfahrtschiffe. Für ökologisch verantwortungsvolle Fotografen sollte wenigstens ein Gedanke "verschwendet" werden an die Frage nach dem Verhältnis zwischen der potentiellen fotografischen "Ausbeute" und den mitverursachten Schäden für die sog. natürliche Umwelt und für die Gesundheit der Menschen in den Hafenstädten und in deren Umland. Rolf Prim

von Rolf Prim
12. August 2015, 10:46:57 Uhr

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