Zum eigenen Zeitraffer-Film in 3 Schritten

Zeitraffer-Aufnahmen sind faszinierend, da sie Abläufe sichtbar machen können, die uns mit dem menschlichen Auge gar nicht auffallen. Sie zeigen etwa, dass Blumen sich auch in der Vase noch bewegen und wie Hefeteig aufgeht. Auch können mit Zeitraffervideos selbst lange Bauprojekte, wie etwa die Elbphilharmonie, in einem Kurzfilm dargestellt werden.

Dies gelingt, indem die Einzelaufnahmen im Verhältnis zur Realität schneller abgespielt werden als bei einem normalen Video. In der Vergangenheit war es technisch recht aufwendig, einen Zeitraffer-Film selbst zu erstellen. Praktischerweise bringen moderne System- und Spiegelreflexkameras mittlerweile meist einen entsprechenden Modus mit, der einem vor allem die aufwändige Videomontage erspart. Auch einige Kompaktkameras, Smartphones und vor allem die immer beliebter werdenden Action Cams bieten einen Zeitraffer-Modus. So gelingt es auch technisch nicht Versierten, einen eigenen Zeitraffer-Film zu erstellen. Wir zeigen in 3 Schritten, wie leicht es geht:

1. Schritt: Vorbereitung

Ein guter Zeitraffer-Film beginnt mit sorgfältiger Planung. Zunächst sollte man ein passendes Motiv wählen. Ein beliebtes Objekt für Einsteiger sind Wolken, da sie fast immer verfügbar und in Bewegung sowie belichtungstechnisch recht gut zu meistern sind. Generell geben aber nahezu alle bewegten Objekte einen interessanten Film ab.

Schwieriger zu meistern sind Abläufe, die unter wechselnden Lichtverhältnissen stattfinden. Ein Bauprojekt etwa, der Sonnenuntergang oder das Wachstum von Pflanzen ist daher eher etwas für Fortgeschrittene (siehe dazu auch nächsten Punkt „Richtige Voreinstellungen“). Das Motiv alleine macht es aber noch nicht: Auch der richtige Ausschnitt will gewählt werden. Gut ist es, das bewegte Objekt vor oder mit einem unbewegten abzubilden, denn dann wird der Ablauf noch deutlicher. Bei insgesamt bewegten Objekten wie etwa einer Wasseroberfläche wird das Bild schnell zu unruhig. Noch ein Tipp für Langzeit-Zeitraffer: Man sollte den Bildausschnitt lieber etwas weiter als zu eng wählen. Wenn man etwa das Wachstum von Pflanzen fotografiert, bewegen sich diese erstaunlich stark und können dann leicht aus dem ursprünglichen Bildausschnitt ragen. Auch sollte man nicht vergessen, im Querformat aufzunehmen, da die meisten Abspielgeräte darauf ausgelegt sind.

Nach der Motivwahl gilt es, sich mit der Zeitraffer-Funktion des Aufnahmegerätes vertraut zu machen. Die wichtigsten systemübergreifenden Einstellungen erläutern wir im nächsten Punkt, aber Kamera-spezifische Besonderheiten wie etwa, wo die Zeitraffer-Funktion überhaupt zu finden ist, müssen in der Regel im Handbuch nachgeschlagen werden. Wessen Kamera keinen Zeitraffer-Modus bietet, muss übrigens oft dennoch nicht darauf verzichten. Für System- und Spiegelreflexkameras sind bei den meisten Modellen spezielle Fernauslöser mit Zeitraffer-Funktion erhältlich. Für Smartphone-Kameras können entsprechende Apps nachgeladen werden.

Fehlt als letzte Vorbereitung noch ein stabiler Stand. Ein Stativ ist dazu dringend anzuraten, denn die Kamera sollte sich zum Einstieg nicht zwischen den einzelnen Aufnahmen bewegen. Erst weit fortgeschrittene arbeiten mit ruhigen Bewegungen über eine Achse, die spezielle Slider-Stative ermöglichen.

Nun muss man nur noch dafür sorgen, dass genug Platz auf der Speicherkarte ist und die Akkus voll aufgeladen sind und dann kann es schon losgehen.

2. Schritt: Richtige Voreinstellungen

Ist alles bereit, geht es an die richtigen Einstellungen. Die beginnen damit, die Kamera auf manuelle Belichtung und manuellen Fokus umzustellen. Automatiken führen nämlich leicht zu anderen Einstellungen von Bild zu Bild. Dies zeigt sich im Film nicht nur als unschöner Hell-Dunkel- beziehungsweise Fokusunterschied, sondern schlimmstenfalls als „Flackern“. Wer sich unsicher ist, welche Werte er einstellen soll, schaut sich an, welche die Automatik vorschlägt und wählt diese manuell. Es kommt beim Zeitraffer-Film nämlich vor allem auf die Konsistenz an. Minimal zu helle oder zu dunkle Belichtungen in Teilen des Filmes fallen deutlich weniger auf als sich ändernde Einstellungen.

Aufnahme-Intervall
Als nächstes geht es in die eigentlichen Zeitraffer-Einstellungen. Herzstück ist die Wahl des Aufnahme-Intervalls.

System- und Spiegelreflexkameras bieten in der Regel die Möglichkeit es frei zwischen 0,1 Sekunden bis hin zu 99 Minuten zu wählen. Kompaktkameras oder Actions Cams offerieren zum Teil nur eine eingeschränkte Auswahl wie etwa 10 Sekunden, 30 Sekunden oder überhaupt keine Einstellungsmöglichkeit. Welches Intervall das Beste ist, hängt vom eigenen Motiv und dem gewünschten Look ab. Als Faustregel gilt: Je kürzer das Intervall ist, desto flüssiger wirkt der Film und desto weniger beschleunigt. Das Intervall hat außerdem einen Einfluss auf die Länge des Films. Da man einen Film in der Regel mit 25 oder 30 Bildern pro Sekunde zeigt, entstehen bei einem Intervall von 10 Sekunden in 10 Minuten gerade mal 20 Sekunden Film (bei 30 Frames/Bildern pro Sekunde). Wer es genau machen will, rechnet sich vorher das richtige Intervall aus. Da das gar nicht so trivial ist, bietet es sich für die ersten Projekte an, einfach mit 1, 5 oder 10 Sekunden zu starten. Das sind für die meisten kürzeren Abläufe gute Werte, denn sie ermöglichen es einem, relativ schnell erste Ergebnisse zu sehen und ein Gefühl für die eigenen Präferenzen zu bekommen.

Bild-Anzahl
Wie die Formel schon zeigt, ist neben dem Aufnahmeintervall die Anzahl an Fotos entscheidend. Sie ist daher in der Regel der zweite Parameter, der sich in den Zeitraffer-Einstellungen wählen lässt. Bei Kompaktkameras ist zum Teil auch automatisch ein festes Intervall von z.B. 100 hinterlegt. Meist lässt sich jedoch ein Wert zwischen 1 und 9999 einstellen. In wenigen Fällen kann auch die Start- und Endzeit eingegeben werden oder sie wird mindestens angezeigt. Das ist eine gute Hilfe, um einzuschätzen, ob die Einstellungen für das gewählte Motiv sinnvoll sind. Für erste Tests empfiehlt es sich, eher kleinere Werte wie zum Beispiel 100 zu wählen, damit man nicht zu lange warten muss, bis man die ersten Ergebnisse in Augenschein nehmen kann.

3. Schritt: Aufnahme

Sind die Voreinstellungen getroffen und steht die Kamera stabil auf dem Stativ, kann die Aufnahme gestartet werden. Dann muss man nur noch ruhig neben der Kamera sitzen bleiben und aufpassen, dass sie keiner stiehlt. Geübte Zeitraffer-Fans haben übrigens meist etwas zu lesen oder eine zweite Kamera dabei, um die Zeit zu nutzen. Muss eine Aufnahme mal abgebrochen werden, bieten die Kameras beziehungsweise Apps in der Regel auch dafür die Möglichkeit. Ansonsten wird meist angezeigt, wie viele Aufnahmen noch programmiert sind, so dass man abschätzen kann, wie lange man noch bis zum fertigen Film warten muss. Der wird bei den Zeitraffer-Anwendungen dann automatisch aus den Einzelbildern erstellt und wie ein normales Video abgelegt.

Für Profis: Die manuelle Variante

Wer über die Zeitraffer-Funktion der Kamera Spaß am Thema gefunden hat, kann mit manueller Aufnahme per Zeitraffer-Fernauslöser sowie manueller Montage noch deutlich professionellere Filme erreichen. Inspiration liefern Zeitraffer-Cracks wie Gunter Wegner und die Teilnehmer des von ihm ausgeschriebenen Wettbewerbs (siehe für die Gewinner 2014 z.B. http://gwegner.de/allgemein/die-gewinner-unseres-zeitraffer-wettbewerbs-2014-stehen-fest/). Übrigens sei nicht verschwiegen, dass die Zeitraffer-Funktion bei intensiver Nutzung den Verschluss der Kamera stark beansprucht und früher zum Verschleiß bringen kann. Wer sich ins Thema verliebt, sollte daher entweder eine hochwertige DSLR verwenden, deren Verschlüsse auf starke Beanspruchung ausgelegt sind, oder eine sehr preisgünstige, wo es nicht so darauf ankommt, wenn der Verschluss aufgibt.

Video 02 / 2015

10 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden