Fernoptik - Liebe auf den ersten Durchblick

Noch nie war die Auswahl an Fernoptiken so vielfältig – Trends im photokina-Jahr

Fernoptik - Liebe auf den ersten Durchblick
Seit gut 400 Jahren werden Fernoptiken gebaut. Trotz des hohen Niveaus, das die Entwicklung inzwischen erreicht hat, sorgen die Hersteller immer wieder mit der Botschaft für Erstaunen: Es geht noch ein bisschen besser. Ferngläser und Spektive bestechen im photokina-Jahr 2012 durch kompromisslose Qualität und bieten höchsten Bedien- und Beobachtungskomfort. Und den Designmodellen unter den Ferngläsern sieht man die 400 Jahre Geschichte gar nicht mehr an. Egal, ob wegen äußerer oder innerer Werte: Jeder findet seine Liebe auf den ersten Durchblick. Das Angebot ist so vielfältig wie nie zuvor. Ein Überblick über Trends bei Feldstechern & Co.:

Trend Nummer eins: Komfort. Das menschliche Auge ist das Maß aller Dinge. Das Einblickverhalten in Fernoptiken entscheidet über Spaß oder Frust. Moderne Ferngläser und Spektive zwingen den Benutzer nicht mehr, den Augapfel fast bis auf Anschlag an die hinteren Linsen zu schieben. Der Augenabstand ist bei hochwertigen Gläsern selbst für Brillenträger angenehm. Moderne Materialien ermöglichen es, robuste Gehäuse zu fertigen und gleichzeitig Gewicht zu sparen. Auch größere Kaliber müssen nicht wie Hanteln gestemmt werden. Dabei hat sich auch die Bedienung verbessert. Zeitgemäße Gläser für beidäugige Beobachtungen sind nicht nur an die Augen angepasst, sondern auch an die Finger. Das spürt man beim Einstellen des passenden Augenabstands oder beim Fokussieren, also dem Scharfstellen, über butterweich laufende Einstellräder.

Trend Nummer zwei: Qualität. Glaslinsen zusammenzusetzen ist keine Kunst mehr; schon die Piraten der Karibik erspähten ihre Beute durch primitive Fernoptiken. Heute sorgen allerdings hochgenaue Herstellungsverfahren bei Linsen und Prismen sowie die Verwendung von Spezialgläsern für brillante Bilder, von denen Jäger, Vogelkundler oder Seefahrer noch vor Jahrzehnten nur träumen konnten. Wesentliche Verbesserungen hat es bei der Oberflächenbehandlung der optischen Elemente gegeben. Linsen und Prismen sind bei hochwertigen Ferngläsern aufwändig vergütet – ein klares Unterscheidungsmerkmal zu Billigware. Derart veredelte Fernoptiken zeigen deutlich hellere Bilder bei besserer Bildschärfe und brillanten Farben.

Trend Nummer drei: Design. Ferngläser für zweiäugiges Beobachten waren zwar immer schon anwenderfreundlich. Zwei Augen und zwei Hände, das passte zusammen. Doch die Ergonomie lässt sich weiter verbessern, wie die Hersteller mit innovativen Lösungen beweisen. Durchdachte Gehäuse überzeugen durch eine Form, die sich dem natürlichen Griffmuster der Finger anpasst. Das traditionell in der Mitte angebrachte Fokussierrad macht teilweise einem Durchgriff Platz oder wird durch einen breiten Steg ersetzt, auf dem sich die Finger quasi ausruhen können. Eine hochwertige Gummierung sorgt für eine angenehme haptische Wahrnehmung des Geräts; es lässt sich zudem stabiler und sicherer halten. Und selbst bei der Farbauswahl hat sich einiges getan. Zu den klassischen Farben Schwarz und Olivgrün gesellen sich immer öfter ein edles Silbergrau, ein stylisches Weiß oder auffällige Rot-, Orange- oder Blautöne.

Trend Nummer vier: Ruhe im Bild. Bei ihrer Markteinführung stießen Bildstabilisatoren in Ferngläsern vielfach auf Skepsis. Doch der Erfolg der Anti-Wackel-Automatik gibt den Entwicklern Recht. Wie bei Fotoobjektiven, wo die Technik bereits weiter verbreitet ist, sorgen winzig kleine Messgeräte und Hochleistungsmotoren an Linsen im Inneren des Glases dafür, dass das natürliche Zittern der Hände ausgeglichen wird. Je nach Größe, Gewicht und Griffigkeit eines Fernglases sowie individuellem Geschick des Besitzers kann man ohne Stabilisatoren Vergrößerungen bis etwa zehnfach oder knapp darüber ruhig halten. Bei stärkeren Vergrößerungen leidet der Beobachtungsgenuss unter mangelnder Ruhe im Bild. Die zusätzliche Vergrößerung kann kaum sinnvoll genutzt werden, es sei denn, ein Stativ oder eine andere Ablagemöglichkeit kommt zum Einsatz. Die beste Lösung für den flexiblen Einsatz ist allerdings der Bildstabilisator. Inzwischen hat die Technik auch im Bereich der Spektive Einzug gehalten. Diese monokularen Fernoptiken sind für wesentlich höhere Vergrößerungen ausgelegt als die meisten Ferngläser für zweiäugiges Beobachten. Und sie sind die bevorzugten Optiken für das Digiscoping, also der Fotografie durch Fernoptiken mit gewaltigen effektiven Brennweiten im Bereich von teilweise mehr als 1.000 Millimeter. Bildstabilisatoren schaffen in diesem Grenzbereich der Fotografie die nötige Ruhe im Bild: für eine hohe Ausbeute auf der Pirsch zu Eisvogel, Waldkauz & Co.

Trend Nummer fünf: Beobachten und fotografieren oder beobachten und filmen. Erstere Kombination ist bekannt als Digiscoping, die zweite als Videoscoping. Und sie sind ihren Kinderschuhen entwachsen. Die Hersteller haben nicht nur Optiken und Aufnahmegeräte immer besser aufeinander abgestimmt. Inzwischen verschmelzen die Techniken immer mehr zu kompakten Einheiten. So lassen sich Augenlinsen (Okulare) durch Kameras ersetzen, die zur Bild- oder Videoaufnahme dienen, mit ihrem LCD-Bildschirm aber gleichzeitig auch zur Betrachtung der angepeilten Szenerie. Spektive mit eingebauten Kameras ermöglichen Digiscoping aus einem Guss. Ein und dasselbe Bild wird durch ein Okular zum Auge sowie an einen CCD-Sensor geschickt. Mehr Komfort geht nicht. Kamera-Ferngläser für zweiäugiges Beobachten verfügen über eine etwas andere Aufnahmetechnik. Bei ihnen sitzt ein zusätzliches Kameramodul mit eigener Optik zwischen den beiden Hälften des Glases und zeichnet das Geschehen auf, das der Besitzer gerade beobachtet.

Wie eine Zukunftsvision wirken digitale Ferngläser. Bei ihnen wird konsequent auf einen Strahlengang verzichtet, welcher im Auge endet. Stattdessen erzeugen zwei Kameras Bilder, die über elektronische Sucher betrachtet werden. Das Prinzip erinnert an zwei parallel montierte Camcorder, und entsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten. Bildstabilisatoren sind ebenso an Bord wie die Möglichkeit, hochauflösende Aufnahmen als Standbilder oder Videos zu erzeugen. Die beiden Kameras im Augenabstand zueinander können zudem Videos in 3-D erzeugen.

Ob klassisch oder visionär: Einen umfassenden Überblick über das Angebot an Fernoptiken gibt die photokina 2012 vom 18. bis 23. September in Köln. Alle namhaften Hersteller sind auf der World of Imaging vertreten. Der photokina-Rahmenprogrammpunkt „Weitblick“ mit der beim Publikum beliebten Greifvogelschau ist dem Thema Fernoptik gewidmet. Die eindrucksvollen Vögel und ihre spektakulären Flugshows sind über die fernoptischen Geräte von der Bühne zum Greifen nah zu beobachten.

Fernoptik 08 / 2012

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