Fernoptiken - Eine Typberatung

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Fernoptiken - Eine Typberatung

Sommerzeit ist Fernglaszeit. Zu sehen gibt es zwar in jeder Jahreszeit genügend, aber jetzt zieht es uns verstärkt ans und aufs Wasser, in die Berge, in den Wald. Die Dämmerungen sind lang, die Zwitscherkonzerte der Vögel ausgiebig, und in lauen Nächten steht die Milchstraße am Himmel. Jetzt findet jeder sein Lieblings-Beobachtungsobjekt. Noch mehr Spaß macht die Entdeckungstour mit der dafür idealen Fernoptik. Für jeden Einsatzzweck gibt es das passende Glas, es kommt nur darauf an, was man vorhat. Eine kleine Typberatung.

Ich will einfach ein gutes Fernglas für alle Fälle haben

Allround-Ferngläser sind nicht zu klein und nicht zu groß. Die Vergrößerungen liegen im Mittelfeld und ihr Gewicht auch. Das macht sie zu einem Kompromiss, und zwar zu einem guten. Der typische Feldstecher hat Vergrößerungen von 8- bis 10-fach, die sogenannte Öffnung, also der Durchmesser der vorderen Linsen, liegt zwischen 40 und 50 Millimetern. Beide Werte werden bei der Typbezeichnung von Ferngläsern üblicherweise kombiniert. Somit heißen die Modelle dann zum Beispiel 8 × 42 für ein Glas, das 8-fach vergrößert und 42 Millimeter große Frontlinsen hat, oder 10 × 50 für ein Glas mit 10-facher Vergrößerung und 50 Millimeter Öffnung. Wer keine speziellen Interessen hat, ist mit solchen Ferngläsern bestens bedient. Vergrößerung, die Helligkeit des Bildes und Komfort sind ausgewogen. Die Unterschiede zwischen 8 × 42 oder 10 × 50 sind teilweise Geschmackssache. Das Gewicht und die Größe spielen hier eine Rolle.

Ich bin auf längeren Touren unterwegs und will mein Fernglas immer dabei haben

Da kommt ein kompaktes, leichtes Fernglas infrage. Klein heißt bei Fernoptiken nicht leistungsschwach. Ein kleineres, perfekt gebautes Glas kann in der Leistung größere Billigheimer in die Tasche stecken. Kompaktferngläser wie ein 8 × 22 oder ein 10 × 25 lassen sich bequem in einer größeren Jackentasche und in jedem Rucksack transportieren. Auch in Staufächern im Auto oder im Urlaubsgepäck nehmen sie nicht zu viel Platz weg. Trotzdem bieten sie ordentliche Vergrößerungen und – gute Qualität vorausgesetzt – brillante Bilder. Abstriche muss man bei schlechten Lichtverhältnissen machen.

Ich will das letzte Quäntchen Licht ausnutzen

Wer häufig in der Dämmerung, bei schlechtem Wetter oder nachts beobachtet, greift am besten zu sogenannten Dämmerungsgläsern. Sie haben das günstigste Verhältnis zwischen (geringer) Vergrößerung und (großer) Öffnung und zeigen ein erstaunlich helles Bild. Vogelbeobachter oder Jäger, die oft morgens oder abends unterwegs sind, kommen um solche Geräte kaum herum und unter einem klaren Himmel sind sie die erste Wahl für Sternfreunde. Kein anderes optisches Gerät bietet beim Blick auf die Milchstraße einen solchen Wow-Effekt. Ein typisches und beliebtes Dämmerungsglas ist das 7 × 50. Für mehr Vergrößerung muss auch die Öffnung stark ansteigen, weswegen die größeren Modelle schon bei 8 × 56 oder 9 × 60 liegen. Damit wachsen auch die Dimensionen und das Gewicht an. Längere freihändige Beobachtungen können in die Arme gehen, ein Einbeinstativ ist dann eine lohnende Investition.

Ich brauche höchste Vergrößerungen für Sport- oder Tierbeobachtungen

Lange Zeit waren für Naturbeobachter Spektive die einzige Wahl, wenn sie hohe Vergrößerungen erzielen wollten. Im Bereich der Maximalvergrößerung gilt das immer noch. Wer 30- oder 60-fache Vergrößerungen benötigt, muss zu den einäugigen Teleoptiken greifen. Der Markt bietet inzwischen alle erdenklichen Preislagen und Ausstattungsvarianten an. Besonders komfortabel sind Zoomokulare an Spektiven und, je nach Einsatzzweck, Okularansätze mit schrägem Einblick. Bei den hohen Vergrößerungen macht sich die Fertigungsqualität besonders bemerkbar. Billige Linsen zeigen Farbsäume und Sparokulare neigen zu einem unangenehmen Tunnelblick. Stative sind bei Spektiven Pflicht – wie übrigens auch bei Großferngläsern, die in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden sind. Vergrößerungen bis 20-fach oder mehr liefern bei der beidäugigen Beobachtung plastische, helle Bilder. Allerdings sind diese Großferngläser recht sperrig und wegen ihres Gewichts auf ein äußerst stabiles Stativ angewiesen.

Ich will hohe Vergrößerungen und von einem Stativ unabhängig sein

Bis höchstens etwa 10.facher Vergrößerung kann man Ferngläser – je nach ihrem Gewicht – so ruhig halten, dass man keine störenden Verwacklungen spürt. Wobei es im Auge des Betrachters liegt, was er als störend empfindet. Wie bei Fotoobjektiven gibt es für Fernoptiken Stabilisatoren, die Verwacklungen weitgehend ausgleichen. Dadurch wird es möglich, auch mit 15-facher Vergrößerung komfortabel aus der Hand zu beobachten. Bei ihrer Vorstellung, einst von vielen als Spielerei belächelt, hat die Technik inzwischen auch versierte Beobachter begeistert.

Ich bin als Angler und viel am Wasser unterwegs

Das spricht für eine wasserdichte, griffige Bauweise. Der Sturz ins Wasser ist für nicht abgedichtete Gläser so gut wie das Ende, weil man die Feuchtigkeit kaum wieder herausbekommt. Apropos: Auch starke Temperaturschwankungen, wie zwischen kalter Außenluft und der beheizten Stube, können zu Feuchtigkeit durch Tau führen, auch im Inneren von Gläsern. Die Lösung sind dichte Gläser mit einer Stickstofffüllung. In der Natur haben gummierte Oberflächen Vorteile bei der Griffigkeit. Ob die Farbe dabei vom klassischen Schwarz zu Grün wechseln muss oder gar zu einem Tarnfleckmuster, ist Geschmackssache.

Ich unternehme eine Bootstour auf hoher See

Für Freizeitkapitäne und Seefahrtprofis bieten Hersteller spezielle Marinegläser. Sie sind besonders robust, besser gegen Salzwasser geschützt und bis mehrere Meter tief auch druckbeständig. Der Clou bei einigen Marinegläsern sind ein eingebauter Kompass sowie für den Skipper wichtige Einblendungen zur Peilung im Gesichtsfeld.

Ich möchte sofort fotografieren, was ich sehe

Das Zauberwort heißt Digiscoping. Damit wird eine Kamera mit einem Feldstecher oder Spektiv so verbunden, damit mit sehr hoher Vergrößerung fotografieren werden kann. Es gibt dabei praktische Kombinationen, bei denen die Kamera zum Beispiel weggeklappt wird, um zu beobachten. Bei Bedarf wird die Kamera einfach hinters Okular geschwenkt und ist schussbereit. Ein anderes Konzept ersetzt mit einem digitalen Kameramodul gleich das Okular und nutzt das Display als kleinen Monitor. Bilder werden einfach so nebenbei geschossen, wenn die Szenerie gerade passt.

Gegen den persönlichen Eindruck kommen harte Fakten oft nicht an. Ein Fernglas muss seinem Besitzer zusagen. Es muss gut in der Hand liegen. Zarte Hände haben mit manchem üppig dimensionierten 7 × 50-Glas zu kämpfen. Andererseits können sich kleine Ferngläser in großen Händen fummelig anfühlen. Durch nichts zu ersetzen ist der Blick durch verschiedene Gläser im Optiker-, Jagd- oder Fotofachhandel. Auch hier zählt der persönliche Eindruck, und es wird zum Beispiel schnell deutlich, ob man eine hohe Vergrößerung noch als Gewinn empfindet oder lieber die Ruhe im Bild eines schwächer vergrößernden Glases schätzt.

Einen umfassenden Fernglas-Überblick garantiert auch die photokina 2012, die vom 18. bis 23. September in Köln ihre Tore öffnet. Alle namhaften Hersteller sind auf der World of Imaging vertreten und präsentierten dort ihr Portfolio. Darüber hinaus widmet sich der photokina-Rahmenprogrammpunkt „Weitblick“ auf der Piazza dem Thema Fernoptik. Als Motiv von „Weitblick“ präsentieren sich verschiedene Greifvögel, unter anderem Adler mit einer Flügelspannweite von 2,30 m, die größte einheimische Eule und Jagdfalken. Die eindrucksvollen Greifvögel und die spektakulären Flugshows sind über die fernoptischen Geräte von der Bühne aus ganz nah zu beobachten und sind ein zentraler Anziehungspunkt.

Fernoptik 06 / 2012

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