Himmelstour mit Bodenhaftung

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Stefan Zaruba
Stabile Stative verhindern beim Blick
in die Ferne eine Zitterpartie


Fixsterne heißen die meisten der am Himmel sichtbaren Punkte. „Fix“ deshalb, weil sie sich nicht zu bewegen scheinen. So mancher Einsteiger in die Astronomie hat beim ersten Blick durch sein eben erworbenes Teleskop andere Erfahrungen gemacht. Die Sterne tanzen da auf und ab wie ein Schwarm Glühwürmchen. Jeder Schritt, den der Sternengucker neben seinem Fernrohr macht, läßt scheinbar den ganzen Himmel erzittern. Nun, soweit ist es mit der Kraft des Himmelsguckers zwar nicht her. Allerdings: Ein Zentner Körpergewicht und mehr reicht, um einen lockeren Untergrund wie eine Wiese in sanfte Schwingungen zu versetzen. Diese übertragen sich auf das Stativ, auf dem das Teleskop sitzt, und lassen die gesamte Einheit vibrieren. Schlimmer noch ist ein direkter Rempler gegen das Gerät - in stockfinsterer Nacht keine Seltenheit. Und selbst der Wind kann, wenn er an einem fast einen Meter langen Teleskop-Tubus rüttelt, die nächtliche Beobachterfreude dauerhaft trüben.

Bei günstigen Angeboten von Teleskopsystemen ist die Optik oft sehr gut und die Montierung - also die Verbindung von Optik und Stativ - dem Preis noch angemessen. Schwachstelle des Systems ist aber oft das Stativ, das sich als Leichtholz-Konstruktion mit schwachen Schraubverbindungen und Weichgummi-Füßchen darstellt - die Instabilität ist vergleichbar mit dem Wackeln eines Feldstechers, den der Benutzer nur mit zwei Fingern hält.

Was also tun? Ein bekannter Photograph hat einmal erklärt, daß er für sein erstes Stativ ebensoviel Geld ausgegeben hat wie für seine erste Kamera. Warum? Weil nur die absolute Bodenhaftung dem Photoapparat die Ruhe verschafft, seine Leistungsfähigkeit auch bei schwachem Licht zu beweisen. Ebenso von Grund auf sollten Einsteiger in die Astronomie ihre Ausrüstung planen - und zwar aus mehreren Gründen: Zunächst steigert ein erschütterungsfestes Stativ die Beobachtungsfreude erheblich. Zusammen mit der Qualität der Montierung sorgt es dafür, daß die sogenannte Ausschwingzeit - das ist die Zeit, die zwischen der unabsichtlichen oder gewollten (etwa beim Scharfstellen) Berührung des Teleskops und dem Zeitpunkt vergeht, an dem die Objekte wieder ruhig im Blickfeld zu sehen sind - möglichst kurz ist. Zum anderen werden photographische Versuche am Himmel erst mit einem stabilen Unterbau möglich. Und noch ein Punkt: Wer von Anfang an ein üppig dimensioniertes Stativ sein eigen nennt, meistert damit auch spätere Erweiterungen seiner Ausrüstung. Der Sternenfreund, der vom „Astro-Virus“ einmal infiziert ist, legt sich nach und nach immer leistungsfähigere und damit meist auch schwerere Teleskope zu. Spätestens dann werden zarte Stativbeinchen zur Achillesferse.

Was sind nun „gute“ Stative? Zunächst zeichnet die reine Stabilität ein Stativ aus. Belastbare Geräte sind meist am großen Querschnitt der Beine zu erkennen: Sie sind aus Rohren aus Stahl oder Aluminium gefertigt oder verfügen über Holzbeine aus schwerem Laubholz. Ausziehbare Beine sollten über massive Klemmungen verfügen. Querstreben zwischen den drei Beinen sorgen für Verwindungssteifigkeit und bieten eine bequeme Ablage für kleineres Zubehör. Ein Schwachpunkt sind bisweilen die Verbindungen zum Stativkopf; dieser sollte auf breiten Scharnieren aufliegen. Erfahrene Astronomen schwören auf Stative aus Hartholz, wie sie auch im Photozubehörhandel oder als Ausrüstung für Landvermesser erhältlich sind. Holz dämpft Schwingungen. Die hier angesprochenen schweren Stative verfügen zudem über Stahlspitzen an den Füßen, die sich in den weichen Boden regelrecht hineinkrallen. Für die Teleskopmontierungen bekannter Hersteller gibt es im Astronomiefachhandel Adaptionslösungen. Anfänger sollten nicht die Katze im Sack kaufen. Optik- oder Photohändler hängen zwar gerne ein Schild „Nicht berühren“ an ihre ausgestellten Teleskope, aber gegen einen Erschütterungstest, der bei der Kaufentscheidung hilft, wird der Fachhändler nichts haben - man muß sich ja nicht gleich auf das Stativ setzen.
 

Fernoptik 02 / 2005

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